Hertha rettet sich

Um ehrlich zu sein, auch der Kommentator gehörte zu den Skeptikern, was die Chancen der „Alten Dame“ für das Rückspiel in Hamburg anging. Das Fünkchen Hoffnung näherte sich rein aus der Tatsache, dass lediglich ein einziges Tor aufzuholen war. Zudem äußerte mein Kollege Frank Toebs:“Fußball ist ein verrückter Sport und man hat schon die tollsten Dinge erlebt.“ Wir hatten beide kurz zuvor das Endspiel um den Berliner AOK-Pokal gesehen, als der VSG Altglienicke durch gleich zwei Treffer in der Nachspielzeit der Sieg entrissen wurde.

Hertha versuchte ein schnelles Tor zu erzielen, ging, wie man so sagt, sofort vorne drauf. Erzwang gleich einen Eckball und nach nur vier Minuten war der Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht. Besser ging es nicht. Hertha Kapitän Boyata und Belfodil stiegen gemeinsam zum Kopfball hoch, vielleicht wurde der HSV Keeper dadurch leicht irritiert, das Ding war drin. Die Stimmung Volkspark gleich einmal etwas eingefroren und den HSV zum Nachdenken gebracht.

Mit zunehmender Spieldauer zeigten die aufgebotenen Herthaner eine in dieser Spielzeit selten gesehene mannschaftliche Geschlossenheit. Da ackerte einer für den anderen. Zu erwähnen ist, dass Kevin-Prince Boateng fast das gesamte Spiel absolvierte und seinen Beitrag als „agressiv-leader“ auf dem Platz ausfüllte. Er sah nach 30 Minuten die erste Gelbe Karte des Spiels.

Die Abwehr stand sicher, vor allem der im Hinspiel so schmerzlich vermisste Ascacibar räumte als einziger Sechser konsequent vor Abwehr auf. Auf den Außenverteidiger-Positionen ließen die beiden Routiniers Pekarik und Plattenhardt wenig zu. Im Tor hatte Christensen nicht allzu viel zu tun. Am Ende zählte die Statistik 10 Torschüsse für den HSV. Davon waren lediglich zwei richtig gefährlich.

Ähnlich verhielt es sich für den HSV-Keeper Heuer Fernandez. Der musste allerdings in der 63. Minute erneut den Ball passieren lassen. Diesmal war es ein direkt verwandelter Freistoß von Plattenhardt. Halblinks, ziemlich spitzer Winkel, direkt mit Schnitt auf das Tor gezirkelt, was für ein Traumtor vor der Tribüne, wo sich die ganz beinharten HSV versammeln. Die endgültige Entscheidung verpasste Jovetic, der frei auf den Torwart zulaufen konnte, leider zu zentral abschloss.

Nach einer über sechsminütigen Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Aytekin die Partie und somit war es amtlich. HSV Ikone Felix Magath hatte seine Mission erfüllt. Zudem bleibt sein Nimbus, als Trainer niemals abgestiegen zu sein, weiter erhalten.

Hertha bleibt das Schicksal eines erneuten Abstiegs erspart und der HSV muss einen neuen Anlauf nehmen. Hinzu kam die Tragik des aktuellen HSV Spielers Jonas Meffert. Er scheiterte bereits zum dritten Mal in der Relegation. 2015 mit dem Karlsruher SC, pikanterweise am HSV, er war es, der das umstrittene Handspiel begangen haben soll, das zu dem Freistoß führte, der das entscheidende Tor für den Verbleib in der Bundesliga ermöglichte. Im vergangenen Jahr 2021 verlor er als Spieler von Holstein Kiel gegen den 1. FC Köln, der Rest ist bekannt.

Berlin darf sich in der kommenden Saison wieder auf ein Stadtderby freuen, Hamburg auch und Felix Magath will Holzhacken gehen.

Hans-Peter Becker

Verdienter Derbysieg für die Eisernen

Es war ein verdienter Sieg für die Eisernen. Leidenschaft schlug Beamtenfußball. Ein individueller Fehler und ein Sonntagsschuss entschieden das Spiel. Nach einer halben Stunde führten die Gastgeber in der ausverkauften „Alten Försterei“ mit 2:0. Diese Situation war wie gemalt für die Rot-Weißen. Hertha war gezwungen, das Spiel zu machen und darin lag, neben der wackligen Abwehr, genau das Problem.

Kurz vor der Halbzeitpause hatte Hertha Pech. Ein Treffer von Pekarik fand wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung keine Anerkennung. Der Kölner Keller griff ein, erst nach mehrminütiger Prüfung wurde das Tor zurückgenommen. Piatek stand hauchzart mit der Schulter im Abseits, der Assistent hatte die Fahne unten, Luthe wehrte ab, zu kurz und Pekarik traf. Allerdings ist hier fragen, resultierte daraus nicht eine neue Spielsituation? Es ist jetzt müßig darüber weiter nachzudenken, diese Szene hat das Spiel nicht entschieden. Nachdenken muss Hertha, warum bot die Mannschaft, ausgerechnet im Derby, so eine schlechte Leistung?

Für die zweite Halbzeit stellte Pal Dardai taktisch um. Die Doppelsechs wurde aufgelöst, für Tousart kam mit Beldofil ein zusätzlicher Stürmer. Aus dem 4-2-3-1 wurde ein 4-3-3, allerdings wurde nichts besser. Außer viel Ballbesitz konnte Hertha nichts bieten, die Eisernen kreierten dagegen einige gefährliche Kontersituationen. Der Sieg der Eisernen war nie ernsthaft gefährdet

Die Eisernen belegen bereits wieder einen internationalen Platz, während Hertha erneut nach unten blicken muss. Der Aufwärtstrend wurde gestoppt.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

20.11.2021 18:30 Uhr

1. FC Union Berlin – Hertha BSC 2:0 (2:0)

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (90.+1 Ryerson), Friedrich, Knoche, Baumgartl, Gießelmann – Haraguchi (82. Öztunali), Khedira, Prömel (71. Möhwald) – Kruse (90.+1 Voglsammer), Awoniyi (82. Becker) 5-3-2

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (71. Jastrzembski), Stark, Dardai, Plattenhardt – Ascacibar, Tousart (46. Belfodil) – Richter (86. Selke), Serdar, Mittelstädt (61. Prince-Boateng) – Piatek (61. Ekkelenkamp) 4-2-3-1/4-3-3

Tore: 1:0 Awoniyi (8.), 2:0 Trimmel (30.) 

Zuschauerzahl: 22.012 

Rune Jarstein verlängert Vertrag

Rune Jarstein wird auch in der kommenden Saison für unseren Hauptstadtclub zwischen den Pfosten stehen. Der 36-Jährige unterschrieb sein neues Arbeitspapier mit einer Gültigkeit bis 2023 bei unserer ‘Alten Dame‘. „Rune ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits. Mit seiner Erfahrung und seinem Stellenwert in der Mannschaft ist er extrem wichtig für uns. Deshalb freuen wir uns, dass er uns erhalten bleibt“, sagte Sportdirektor Arne Friedrich über den inzwischen dienstältesten Herthaner nach Peter Pekarík, der seit über sieben Jahren mit unserer Fahne auf der Brust aufläuft. „Ich habe immer gesagt, dass ich mich bei Hertha BSC und in Berlin total wohl fühle. Das gilt nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Ich möchte auch die nächsten Jahre mithelfen, dass Hertha BSC eine erfolgreiche Zukunft hat. Darauf freue ich mich und dafür gebe ich jeden Tag alles“, zeigte sich der Norweger glücklich über die Vertragsverlängerung.

Der Schlussmann bestritt bislang 179 Pflichtspiele für unseren Club. Dabei blieb Norwegens Fußballer des Jahres 2018 in Bundesliga, DFB-Pokal und Europacup 52 Mal ohne Gegentor. In der laufenden Saison hütete der dreifache Familienvater in acht Ligapartien den Kasten, ehe eine Corona-Infektion das vorzeitige Saisonende bedeutete. Seine lange Profilaufbahn startet die ‚Krake‘, wie ihn unsere Fans liebevoll nennen, in seiner Heimat bei Odds BK. Über den Rosenborg BK, mit dem er 2009 die Meisterschaft gewann, und Viking Stavanger fand Jarstein Anfang 2014 den Weg zu unserem Hauptstadtclub. Für die Auswahl seines Landes kommen 72 Begegnungen hinzu.

Quelle: Hertha BSC