Viel Kampf und Krampf beim Hauptstadtderby und Feuer auf dem Dach

Mal abgesehen von der Anfangsphase, war das Spiel für die Zuschauer eine Zumutung, einfach nur schlecht. Spielten da hoch bezahlte Profis? Es wirkte streckenweise wie die Aufzeichnung eines Spiels der Berlin-Liga, mit der Abspielgeschwindigkeit von 110 %. Weder Pal Dardai noch Oliver Ruhnert redeten irgendwas schön. „Wir sind noch 14 Punkte vor Hertha. Wir sind nicht unzufriedener, als es sicher der Gegner ist.“ Richtig, Hertha enttäuschte mehr: „Ich habe meine Mannschaft nicht wieder erkannt. Wir haben nicht nach vorn verteidigt, waren nicht dynamisch. Wir müssen froh sein, nicht verloren zu haben. Wir müssen reden, wie so etwas sein kann.“

Wieder spielte der bei Hertha BSC ausgebildete Robert Andrich eine Rolle. Geht es gegen seinen Ausbildungsverein, hat er noch ein zusätzliches Messer zwischen den Zähnen. Seine Werte in diesem Spiel können sich sehen lassen. Er hatte 91 Ballkontakte, spielte 74 Pässe, wovon 64 ankamen und er traf in der 10. Minute passend zum Wochentag ins Tor. Die Gäste aus Charlottenburg, immerhin, fighteten zurück. Die Belohnung erfolgte in der 35. Minute, ein berechtigter, wenn auch kurioser Foulelfmeter, den Marvin Friedrich an Matteo Guendouzi verursacht hatte, verwandelte Dodi Lukebakio sicher. Das war es denn mit Fußball. Schlussendlich wurden die Punkte geteilt.

Foto: © Hans-Peter Becker

Für zusätzliche Schlagzeilen sorgten einige Fans, die sich vor dem Stadion versammelt hatten. Sie feuerten eine ganze Batterie Pyrotechnik in Richtung des Stadiondachs und dabei wurde eine Imbissbude in Brand. Wie dämlich ist das denn, es könnte ein teures Nachspiel haben. Zumal, wie die Bild berichtet, das Feuerwerk auf dem Dach des Stadions platziert war und per Fernzünder gestartet wurde. Es wird wohl ein Geheimnis der Verursacher bleiben und zeugt von eher geringer Intelligenz, die Gefahr heraufzubeschwören, das eigene Stadion abzufackeln. Das braucht nun wirklich keiner.

Der beste Mann des Spiels war Schiedsrichter Sascha Stegemann, der bei allen Zweikampfbewertungen richtig lag und sich bemühte, das Spiel nicht zu verpfeifen. Dass nach der Halbzeitpause der Spielfluss mehr und mehr versiegte, konnte er natürlich nicht beeinflussen.

Bleibt als Fazit, die Eisernen setzen ihre erfolgreiche Saison fort, haben weiter die Chance, in der kommenden Saison international zu spielen und Hertha? Die „Alte Dame“ hat bisher nur eine Menge Geld versengt und muss weiter um den Klassenerhalt bangen. Der nächste Gegner im Olympiastadion ist Borussia Mönchengladbach. Die Eisernen müssen zum FC Bayern nach München reisen.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 27. Spieltag

1. FC Union BerlinHertha BSC 1:1 (1:1)

04.04.2021 18:00 Uhr Stadion „An der Alten Försterei“

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Schlotterbeck – Trimmel, Andrich, Gentner, Prömel (74. Ingvartsen), Ryerson – Musa (83. Pohjanpalo), Kruse 3-4-3

Hertha BSC: Schwolow – Klünter, Stark, Torunarigha – Zeefeuik, Tousart, Guendouzi (79. Khedira), Mittelstädt – Lukebakio (62. Ascacibar), Cordoba (90. Piatek), Cunha 4-3-3

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Frederick Assmuth, Philipp Hüwe, Nicolas Winter 

Tore: 1:0 Andrich (10.), 1:1 Lukebakio (35. FE)

Max Kruse wird ein Eiserner

Das erste Testspiel der Saison ging in Cottbus gegen den Regionalligisten FC Energie mit 3:1 zu Gunsten des Bundesligisten aus. Für die Cottbuser war es die Generalprobe für die bevorstehende Saison in der Regionalliga Nordost, während es für die Wuhlheider um eine erste Standortbestimmung ging. Nicht mit dabei war der kürzlich verpflichtete Max Kruse.

Der 1. FC Union hat mit dem Ex-Nationalspieler zweifellos einen Akteur verpflichtet, der die Mannschaft auf ein höheres Niveau hieven könnte. Nicht nur sportlich, auch in punkto mediale Wahrnehmung dürfte er für seinen neuen Verein einiges leisten können. Kruse ist einer, der unverblümt sagt was er denkt. Einer, so drängt sich der Eindruck von außen auf, immer eine gewisse Reibung braucht, um seine Leistung zu bringen. Bei seiner letzten Bundesligastation, er war Kapitän des SV Werder Bremen, ließ sein Trainer Florian Kohfeldt verlauten, dass er ein Spieler sei, der gern gegenüber seinen Vorgesetzten anspricht was nicht passt. Solche Querdenker sind ganz, ganz selten geworden. In Bremen hatten sie unterdessen gehofft, dass der verlorene Sohn wieder zurückkehrt. Seinen Weggang hätten sie an der Weser fast mit dem Abstieg bezahlt.

Ein bisschen darf gerätselt werden, warum er sich nach dem Abenteuer Istanbul ausgerechnet für die Köpenicker entschied. Unions Kaderplaner Oliver Ruhnert wird in der Pressemitteilung zu der Verpflichtung mit dem Satz zitiert: „Dass ein ablösefreier Spieler dieser Qualität viele Optionen hatte und sich trotz wirtschaftlich deutlich höher dotierter Angebote für Union entschieden hat, freut uns sehr und zeigt, dass Union als Club mit anderen Werten punkten kann.“

Das ist die eine Seite, eine andere wird sein, wie passt ein Max Kruse, der beim den Eisernen mit der Rückennummer 10 auflaufen wird, in das taktische Konzept. Bisher trug diese Rückennummer Sebastian Andersson, der wohl nicht in Berlin bleiben wird und wenn doch, wird er künftig mit der Nummer 9 auf dem Rücken spielen. Sebastian Andersson als klassischer Mittelstürmer und dahinter Max Kruse als hängende Spitze. Das könnte funktionieren, wenn die Eisernen ihr Spiel künftig auf mehr Ballbesitz ausrichten könnten. Trainer Christian Streich hat es in Freiburg vorgemacht, als Kruse dort in der Saison 2012/13 spielte. Die Saison endete für die Freiburger auf Platz 5 und der Qualifikation für die Europa-League. Es war dort vorrangig ein 4-4-2 System. Kruse spielte meist hinter dem Mittelstürmer. In Gladbach, unter Lucien Favre wurde er ähnlich eingesetzt.

Mit einem Max Kruse machen nur lange vertikale Pässe in Richtung auf das gegnerische Tor nach Balleroberung wenig Sinn. In der vergangenen Saison war Union das Team mit den meisten langen Bällen pro Spiel (71, Ligaschnitt: 62) und der zweitschwächsten Passquote (76,1 Prozent, Ligaschnitt: 82,1 Prozent). Kruse ist vor allem ein Spielgestalter im klassischen Sinn, der Tore am liebsten vorbereitet und, das ist das Besondere, er hat auch Spaß daran selbst welche zu schießen. Der letzte dieser Art beim 1. FC Union war Torsten Mattuschka. Einer seiner Nachfolger hätte Marcel Hartel werden können. Sein Können brachte Arminia Bielefeld den Aufstieg in die Bundesliga.

Die Eisernen setzten mit Kruse weiter auf Erfahrung, der Nachwuchs hat es weiter schwer. Eine zweite Mannschaft gibt es nicht mehr, so müssen Talente wie Julius Kade und Lennard Maloney zunächst ihr Glück in der Fremde suchen. Das Ziel heißt Klassenerhalt. Sollte Max Kruse seine gewohnte Leistung für den 1. FC Union abrufen können, wird man ihm ab und zu einen kleinen Ausflug in die reichhaltige Berliner Kultur gönnen.

Hans-Peter Becker

Ein Neuer aus Japan für Union

Verstärkung aus der J-League: Union verpflichtet Nationalspieler Keita Endo

 Der 1. FC Union Berlin verstärkt seine Offensive für die kommende Saison und verpflichtet Flügelstürmer Keita Endo vom japanischen Erstligisten Yokohama F. Marinos.

​Der 175 cm große Offensivspieler, der in Japans höchster Spielklasse vorwiegend auf der linken Außenbahn zum Einsatz kam, entstammt der Nachwuchsabteilung der Yokohama F. Marions und absolvierte bisher insgesamt 141 Partien in Liga, Pokal und der Asiatischen Champions League. Dabei gelangen dem 22-Jährigen 16 Treffer, sowie 22 Vorlagen. Nachdem Endo die japanischen Nachwuchsnationalmannschaften durchlief feierte der Linksaußen im Dezember 2019 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft Japans für die er mittlerweile zwei Spiele bestritt. 

„Ich bin sehr stolz den Schritt in die Bundesliga gehen zu können und mein Können in einer der besten Ligen der Welt zeigen zu dürfen. Ich habe sehr viel Gutes vom Verein und der Stadt gehört und bin froh schon bald im Stadion An der Alten Försterei aufzulaufen“, freute sich Keita Endo nach seiner Unterschrift.

„Wir haben Keita Endo lange beobachtet und freuen uns, dass er sich für den Schritt nach Köpenick entschieden hat. Keita ist ein sehr interessanter Spieler mit tollen Anlagen, der uns mit seiner Schnelligkeit und Technik weiterhelfen kann. Jetzt gilt es ihn so schnell wie möglich zu integrieren und ihm das Ankommen in Deutschland so gut wie möglich zu gestalten, damit er sein volles Potenzial in der Bundesliga unter Beweis stellen kann“, kommentierte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, den Transfer.

Der 1. FC Union Berlin leiht Keita Endo bis zum 30.06.2021 von den Yokohama F. Marinos, eine Kaufoption wurde vereinbart.
Quelle: 1. FC Union Berlin

Zwei Neue für den 1. FC Union

Zum Saisonende wurden 8 Profis aus dem Kader verabschiedet. Zwei Planstellen konnten bereits neu besetzt werden. Nachdem Sebastian Griesbeck, bisher FC Heidenheim, als erster Neuzugang gemeldet wurde, folgte nur einen Tag später Niko Gießelmann von Fortuna Düsseldorf. Beides sind Spieler für die Defensive. Griesbeck könnte in der kommenden Saison zusammen mit Robert Andrich im defensiven Mittelfeld spielen. Gießelmann, der erst wenige Tage vorher mit Fortuna Düsseldorf an der Alten Försterei abgestiegen war, ist ein Linksverteidiger. Auf dieser Postion musste Ersatz für Ken Reichel geschaffen werden. Er wird sich mit Christopher Lenz um den Platz in der Stammelf bewerben.

„Ich kehre schneller an die Alte Försterei zurück als gedacht und freue mich darauf. Der Abstieg mit der Fortuna war ein sehr schmerzhafter Moment. Dass ich nun die Chance bekomme, mich weiterhin in der Bundesliga zu beweisen, ist ein riesen Ansporn für mich. Ich bin überzeugt davon, dass ich der Aufgabe gewachsen bin und werde alles dafür geben, mit meinen neuen Kollegen die Ziele des Vereins zu erreichen“, so Niko Gießelmann nach seiner Unterschrift.

Der 1. FC Union setzt mit den Verpflichtungen auf Erfahrung. Beide sind mit 28 und 29 Jahren im erfahrenen Fußballeralter. Die neue Veträge gelten sowohl für die erste und die zweite Bundesliga.

„Wir hatten Sebastian Griesbeck schon länger im Visier und sind überzeugt, dass er unseren Kader verstärken kann. Er ist robust, kopfballstark und verfügt über eine enorme Erfahrung. Seine Qualitäten werden uns in der Bundesliga helfen, daher freuen wir uns, dass wir Sebastian von unserem Weg überzeugen konnten“, so Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, nach der Verpflichtung.

„Wir haben mit Niko einen sehr flexiblen, bundesligaerfahrenen Spieler ablösefrei unter Vertrag nehmen können und sind von seinen Qualitäten überzeugt. Ich bin sicher, dass er sich schnell bei uns zurechtfinden und seine Erfahrungen einbringen wird“, so sein Kommentar nach der Vertragsunterschrift von Niko Gießelmann.

Hans-Peter Becker

Hertha trudelt aus und Union ist fast am Ziel

Die Saison wird für beide Berliner Proficlubs ein verhältnismäßig gutes Ende nehmen. Die Hauptstadt wird in der kommenden Saison als einzige Bundesligastandort mit zwei Vereinen vertreten. Vor dem 32. Spieltag mag beim 1. FC Union noch ein kleines Fragezeichen stehen, die Restzweifel sollten recht schnell beseitigt sein. Ohne überheblich zu werden, ein Sieg gegen die faktisch abgestiegenen Paderborner ist Pflicht. Im Falle einer großen Überraschung, einer Niederlage gegen Paderborn, könnte die Partie am letzten Spieltag daheim gegen Düsseldorf nicht nur für die Gäste große Bedeutung erlangen. Von Austrudeln kann in Köpenick nicht die Rede sein, ganz im Gegensatz zum Ortsrivalen.

Jetzt hat es auch Hertha erwischt, gegen Frankfurt war nichts zu holen. Die Blau-Weißen liefen förmlich auf der Felge. Die komplette Halbzeit zwei mussten mit 10 Mann absolviert werden. Boyata sah in der Nachspielzeit glatt rot, für ein geschicktes Foul im Strafraum. Da musste schon die Lupe bemüht werden. Jetzt hoffen sie bei der Hertha nach der 1:4 Klatsche wenigstens auf eine milde Bestrafung des Rotsünders. Zum letzten Heimspiel kommt Leverkusen ins Olympiastadion, gewissermaßen zur Generalprobe für das Pokalfinale. Die Bayer-Elf will in die Champions-League und hat nichts zu verschenken. Zum nächsten Spieltag muss die Alte Dame weit reisen, bis in den Schwarzwald. Das Spiel beim SC Freiburg hat lediglich Bedeutung für die Geldtabelle.

Die Eisernen besannen sich in Köln auf ihre alten Tugenden. Sie wollten einfach den Sieg etwas mehr als der Mitaufsteiger. Spielerisch lief auf beiden Seiten nicht viel zusammen, zum Glück gibt es Eckbälle, hochgewachsenen Innenverteidiger und den ausgebufften Christian Gentner. Sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 war nicht nur sehenswert, es zu 99,8 % der Klassenerhalt und ein Empfehlungsschreiben für ein weiteres Jahr im Trikot der Eisernen. Oliver Ruhnert darf sich über seinen Schachzug freuen. Zu Beginn der Saison hatte die Verpflichtung des Ex-Stuttgarters für Verwunderung gesorgt. Mit dem VfB hatte er vor einem Jahr die bitteren Minuten des Abstiegs erleben müssen, stand vom Anpfiff bis Ende auf dem Rasen der Alten Försterei und stellte sich im Anschluss in der Mixed-Zone noch den Fragen der Journalisten. In seiner fußballerischen Heimat wollten sie ihn nicht mehr – so griffen die Eisernen zu. Er würde gern noch weiter spielen, am liebsten in Berlin.

Hans-Peter Becker

Grischa Prömel bleibt eisern

Während sich die Mannschaft auf den Wiederbeginn der Bundesliga vorbereitet, läuft die Zukunftsplanung der Lizenzspielerabteilung des 1. FC Union Berlin auf Hochtouren. Geschäftsführer Oliver Ruhnert einigte sich mit Grischa Prömel auf eine Verlängerung des zum Saisonende auslaufenden Vertrages, somit zählt der 25-Jährige auch künftig zum Aufgebot von Chef-Trainer Urs Fischer.

Grischa Prömel, der im Sommer 2017 vom Karlsruher SC nach Köpenick wechselte, bestritt bisher 67 Pflichtspiele für den 1. FC Union Berlin, dabei gelangen dem gebürtigen Stuttgarter acht Treffer, sowie sieben Vorlagen. Nach dem Gewinn der deutschen A-Jungend Meisterschafft (2013/14) mit der TSG Hoffenheim und dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio folgte im Sommer 2019 mit dem Aufstieg in die Bundesliga ein weiteres Highlight in der Karriere des Mittelfeldspielers.

„Natürlich habe ich mir vor meiner Vertragsverlängerung viele Gedanken gemacht, wie mein weiterer Weg aussehen soll. Ich habe mich aber bei Union vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt und mit dem Aufstieg in die Bundesliga im vergangenen Sommer habe ich mir einen persönlichen Traum erfüllt. Durch diese Erlebnisse ist mir Entscheidung beim Verein zu bleiben nicht schwergefallen. Ich sehe hier die optimalen Bedingungen um mich auch in Zukunft bestmöglich zu entwickeln“, so Grischa Prömel nach seiner Unterschrift.

Grischa Prömel © Foto: Hans-Peter Becker

„Grischa Prömel ist hier bei Union zum Führungsspieler gereift, der einen wichtigen Beitrag zum Aufstieg in die Bundesliga geleistet hat. Sowohl auf als auch neben dem Platz ist Grischa ein wichtiger Leistungsträger unseres Kaders, auch wenn ihn die Verletzung in dieser Saison viele Spiele gekostet hat. Wir sind von Grischas Qualität überzeugt und sind der Meinung, dass er auch in Zukunft eine wichtige Rolle in unserem Team einnehmen wird. Deshalb freuen wir uns mit ihm auch in Zukunft als wichtigem Baustein unseres Kaders planen zu können“, kommentierte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, das neue Arbeitspapier des 25-Jährigen.

Grischa Prömel erhält beim 1. FC Union Berlin einen neuen Vertrag, gültig für die Bundesliga und die 2. Bundesliga.

Quelle: 1. FC Union Berlin

Sebastian Andersson bleibt Eisern

Vor dem Spiel in Bremen gegen den SV Werder, haben die Verantwortlichen des 1. FC Union eine wichtige Personalie unter Dach und Fach gebracht.

Der 1. FC Union Berlin und Stürmer Sebastian Andersson haben sich auf eine Verlängerung der bisherigen Zusammenarbeit verständigt. Der 28-jährige Angreifer geht auch künftig für Union auf Torejagd und verlängert seinen bis Sommer 2020 datierten Vertrag vorzeitig.

Sebastian Andersson verlängert seinen Vertrag © Foto: Hans-Peter Becker

Andersson wechselte im Sommer 2018 vom 1. FC Kaiserslautern nach Berlin-Köpenick, für die Roten Teufel hatte der heute 28-Jährige in 30 Spielen 12 Mal getroffen. Bei den Eisernen zählte der Mittelstürmer von Anfang an zum Stammpersonal und steuerte zwölf Treffer zum erstmaligen Aufstieg des 1. FC Union Berlin in die Bundesliga bei. In der Premierensaison im deutschen Fußballoberhaus gelang dem 190 cm großen Schweden am zweiten Spieltag das erste Tor der Union-Bundesligageschichte, dem Treffer in Augsburg ließ Sebastian Andersson bis dato sieben weitere Treffer folgen. Auch im DFB-Pokal trug sich Andersson für Union bereits doppelt in die Torschützenliste ein, in insgesamt 60 Pflichtspielen für Union lieferte der Angreifer neben 22 eigenen Treffern auch neun Torvorlagen. Durch die guten Leistungen im Verein erspielte sich der Stoßstürmer die Aufmerksamkeit von Schwedens Nationaltrainer Janne Andersson und gehörte zuletzt regelmäßig zum Kader der Nationalmannschaft seines Heimatlandes.

„Ich habe mich bei Union und in Berlin mit meiner Familie sehr schnell eingelebt und freue mich deshalb, meinen Vertrag hier zu verlängern. In den eineinhalb Jahren, in denen ich bisher hier spiele, gab es viele unglaublich schöne Momente. Ich möchte meinen Anteil dazu beitragen, dass wir davon in nächster Zeit noch mehr erleben. Als Mannschaft werden wir alles dafür geben, auch nächstes Jahr in der Bundesliga zu spielen“, kommentierte Sebastian Andersson seine Unterschrift.

„Wir freuen uns, dass wir Sebastian auch weiterhin an uns binden konnten. Sowohl im letzten Jahr, als auch in dieser Saison hat er sein Können unter Beweis gestellt und immer wieder gezeigt, wie wichtig er für unsere Mannschaft ist. Mit seinen guten Leistungen hat er natürlich viel Interesse geweckt, umso schöner ist es, dass wir nun Einigung erzielt und einen weitergehenden Vertrag unterschrieben haben“, zeigte sich Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, zufrieden.

Der neue Vertrag gilt für die Bundesliga und die 2. Bundesliga.
Quelle: 1. FC Union Berlin


Saisonstart bei den Eisernen

Bei hochsommerlichen, sehr heißen Temperaturen hat der 1. FC Union den Start in seine Premierensaison in der Bundesliga vollzogen. Am Samstag, 29.06. war der Urlaub für die Profis und den Trainerstab endgültig vorbei. Trainer Urs Fischer stand bereits ein für diesen frühen Saisonzeitpunkt bereits erstaunlich kompletter Kader zur Verfügung. Seit dem Aufstieg ging es Schlag auf Schlag mit den personellen Veränderungen. Dabei hat das offizielle Transferfenster erst seit dem 1. Juli geöffnet und schließt in diesem Jahr erst am 2. September. Normalerweise ist die Wechselperiode im Sommer stets am 31. August beendet. Da dieser Tag auf einen Samstag fällt läuft die Frist bis zum darauffolgenden Montag weiter.

Fotos: © Hans-Peter Becker

Bei der ersten Trainingseinheit fehlte Suleiman Abdullahi, er konnte wegen Problemen mit seinem Reisepass nicht rechtzeitig aus Nigeria zurückkehren. Nach einem Aufwärmprogramm, trotz fast 40 Grad in der Sonne, bat Trainer Urs Fischer zu einem Trainingsspiel. Dabei konnte sich Neuzugang Julius Kade von Hertha BSC mit zwei erzielten Toren gleich auszeichnen. Neben Kade, präsentierten sich auch die anderen Neuzugänge, unter anderem Florian Flecker Keven Schlotterbeck, Robert Andrich und Sheraldo Becker. Besonders Augenmerk richteten die anwesenden Journalisten und Trainigskiebitze auf den bisher teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte Anthony Ujah. Auf seine Torgefahr setzen die Fans und Verantwortlichen in der Wuhlheide. Seine Erstligaerfahrung von 109 Spielen könnte wichtig werden.

Bisher präsentierten die Eisernen bereits acht Neuzugänge. Im abschließenden Pressegespräch lobte Trainer Urs Fischer ausdrücklich die Arbeit von Kaderplaner und dem Chef der Lizenzspielerabteilung Oliver Ruhnert. „Während wir Urlaub gemacht haben, hat er intensiv gearbeitet.“ Dass das Auftaktprogramm mit ersten Spiel zu Hause gegen RB Leipzig, dann auswärts in Augsburg und mit dem zweiten Heimspiel gleich gegen Dortmund hätte ein bisschen einfacher sein können, ließ er nicht gelten. „Gibt es in dieser Liga überhaupt einfache Gegner ?“ Ähnlich äußerte sich auch Kapitän Christopher Trimmel, „du musst sowieso gegen jeden spielen!“

Von Anthony Ujah war zu erfahren, dass er eine Wohnung ganz in der Nähe des Stadions gefunden hat. Das ist nicht ganz unwichtig, sein Vertrag läuft schließlich bis 2022. Er beantwortete die Fragen der Journalisten in einem sehr passablen Deutsch, das unterscheidet ihn von seinem Landsmann mit den Passproblemen.

Pressegespräch mit Anthony Ujah Foto: H.-P. Becker

Nach der ersten Trainigseinheit ging es gleich nach Bad Saarow, hier sollen vorallem die konditionellen Grundlagen für eine möglichst erfolgreiche Saison gelegt werden. Bereits am kommenden Samstag, 6. Juli steht dann in der Alten Försterei der erste Test gegen Bröndby Kopenhagen an. Für den Gast aus der dänischen Hauptstadt ist es die Generalprobe, nur eine Woche später startet die dänische Superliga bereits in ihre neue Saison.

Hans-Peter Becker


Geglückter Saisonstart und wieder kein Losglück

Erster Startelfeinsatz für Florian Hübner Foto: Hans-Peter Becker

Der Start in die neue Saison ist bei den Eisernen geglückt. Nach drei Spieltagen sind sie zusammen mit dem 1. FC Köln Tabellenführer, wie immer ist das eine hübsche Momentaufnahme und abgerechnet wird am Schluss. Gegen den FC St. Pauli war das Ergebnis besser als das Spiel. Der Doppelschlag vor der Halbzeitpause (44. und 45. Minute) war die Vorentscheidung in einer bis dahin offenen Partie. Die Handschrift von Urs Fischer wird immer deutlicher. Er will mehr Dominanz und Kontrolle. Der Kader scheint gerüstet für den Kampf um die oberen Tabellenplätze. Zusammen mit der neuen Nummer 1 im Tor Rafal Gikiewicz standen fünf Neuzugänge in der Startformation. Gegen St. Pauli kam Florian Hübner zu seinem ersten Einsatz und machte seine Sache, laut seinem Trainer, sehr gut. Erstaunlich, es sah aus als würden Marvin Friedrich und Florian Hübner bereits länger zusammenspielen.  St. Pauli hatte elf Torschüsse, davon waren drei hochkarätig. Das war eine Abwehrleistung der Eisernen, die sich sehen lassen konnte. Von den anderen Neuzugängen spielte Ken Reichel auf der Position des linken Außenverteidigers souverän. Einen deutlichen Qualitätsgewinn bringt auch Manuel Schmiedebach auf der Sechser-Position in das Spiel. Es ist fast verwunderlich, dass Hannover 96 keine Verwendung mehr für ihn hatte. Neben defensiven Stärken, er schont sich in keinem Zweikampf, ist er sehr wertvoll für den Spielaufbau.

Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht korrekt wieder. Der FC St. Pauli wurde unter Wert geschlagen, der 4:1 Sieg für den 1. FC Union fällt etwas zu hoch aus. Über weite Strecken der ersten Halbzeit wurde deutlich, woran weiter gearbeitet werden muss. Den Fans im ausverkauften Stadion „An der Alten Försterei“ skandierten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und was will man mehr, als vier Tore von der eigenen Mannschaft.

Unterdessen wurde die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal aus gelöst. Im Lager der Eisernen hatten sie so auf ein Heimspiel gehofft. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Zu Hause gegen Schalke 04, das war der heimliche Wunsch der Fans, Steven Skrzybski hätte sich auch gefreut. Stattdessen wurde es der Konkurrent, oh nein, wie im vergangenen Jahr, müssen sie nach Dortmund und sind wieder nur der krasse Aussenseiter. „Borussia Dortmund ist natürlich ein attraktiver, aber zugleich auch schwieriger Gegner. Wir haben uns vor zwei Jahren dort sehr gut präsentiert, das ist auch jetzt unser Ziel. Es wird ein interessantes Spiel mit einer besonderen Atmosphäre, die unsere Spieler genießen sollen und werden. Unsere Aufmerksamkeit darf allerdings nicht nur auf dem Pokalspiel liegen. Wir müssen auch weiterhin die Spiele in der Liga konzentriert angehen“, so äußerte sich in einer ersten Reaktion Oliver Ruhnert, der Geschäftsführer Profisport des 1. FC Union.
Hans-Peter Becker

Der 1. FC Union startet in seine 13. Zweitliga-Saison

Es ist immer so eine Sache mit den Prognosen, wie eine Saison verlaufen könnte. Beim 1. FC Union, dem einzigen Berliner Vertreter in der 2. Bundesliga, lagen die Experten, was den Verlauf der vergangenen Spielzeit betrifft, wohl alle ziemlich daneben. Es steht wieder eine Saison bevor, was spricht dafür, was spricht dagegen, wie sehen die Verantwortlichen des Vereins selber die Chancen ? Besser abschneiden als in der letzten Saison, mehr war bisher aus dem Lager der Eisernen nicht zu vernehmen. Als Minimalziel wäre das Platz 7 nach 34 Punktspielen, nun ja, mit dem zur Verfügung stehenden Kader ist das eine realistische Vorgabe. Auch soll es ruhiger zugehen, als zuletzt, als sich die Vereinsführung veranlasst sah, den Trainer zu wechseln. Gebracht hat es nichts, eher im Gegenteil, Ziel verfehlt und kurzzeitig bestand Abstiegsgefahr. Es ging gut, aber das Beispiel von Eintracht Braunschweig sollte eine Warnung sein.

neuer Chef-Trainer – Urs Fischer  Foto: Hans-Peter Becker

Das Personalkarussell drehte sich. Auf der Ebene der sportlichen Leitung musste Kaderplaner Helmut Schulte gehen und der Geschäftsführer Sport Lutz Munack ist zukünftig nur noch für den Nachwuchs- und Amateurbereich zuständig. Für den Bereich Profifußball wurde mit Oliver Ruhnert ein weiterer Geschäftsführer installiert. Der während der Saison vollzogene Trainerwechsel brachte nichts. Union-Urgestein Andre Hofschneider konnte lediglich den Absturz in Drittklassigkeit verhindern. Die Vereinsführung hatte andere Hoffnungen in ihn gesetzt. Er wurde ersetzt durch den Schweizer Urs Fischer. Der etwas später mit Markus Hoffmann noch einen Co-Trainer seines Vertrauens holen durfte. Beide kennen sich aus ihrer 2jährigen Zusammenarbeit beim FC Basel. Dort hinterließen sie mit zwei Schweizer Meisterschaften, einen Pokalsieg und den Einzug in die Gruppenphase der Champions League eine beachtliche Erfolgsgeschichte. Gebleiben aus der Keller-Hofschneider Ära ist Sebastian Bönig als weiterer Co-Trainer.

Zwar ist das Tranferfenster noch bis zum 31. August geöffnet, im Goßen und Ganzen sind die Kaderplanungen bei den Eisernen abgeschlossen. Den Verein verlassen haben aktuell sieben Spieler, dafür wurden bisher 9 Neue geholt. Als Ersatz für den nach Duisburg abgewanderten Torwart Daniel Mesenhöler wurde Rafal Gikiewicz vom FC Freiburg geholt. Nach den Eindrücken aus der Vorbereitung dürfte er die neue Nummer eins im Tor sein. Jakob Busk wird sich weiter gedulden müssen.

Für die Abgänge in der Verteidigung wurden Christopher Lenz (bisher Holstein Kiel), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Florian Hübner (Hannover 96) und ganz aktuell, Nachwuchsmann Julian Ryerson (bisher Viking Stavanger) aus der norwegischen 2. Liga geholt.

neuer Kapitän – Christopher Trimmel  Foto: Hans-Peter Becker

Für das defensive Mittelfeld wurde Manuel Schmiedebach von Hannover 96 ausgeliehen und aus Sandhausen zurückgekehrt ist Eroll Zejnullahu. Der Königstransfer neben der Leihgabe Schmiedebach ist Stürmer Sebastian Andersson. Der Schwede war in der vergangenen Saison für den 1. FC Kaiserslautern aktiv und dort einer der wenigen Lichtblicke. Er konnte zwar den Abstieg des Pfälzer Traditionsvereins nicht verhindern, erzielte aber bei seinen 29 Einsätzen 12 Tore und gab 4 Vorlagen. Trotz seiner Körpergröße von 1,90 m wirkt er sehr beweglich und hat in der Vorbereitung bereits getroffen. Da Sebastian Polter noch einige Zeit braucht um fit zu werden, passt die Verpflichtung bestens. Ein anderer Stürmertyp ist der aus Regensburg verpflichtete Joshua Mees. Er fühlt sich am wohlsten auf der Position des linken Außenstürmers. Für den SV Jahn erzielte er in der Saison immerhin 6 Tore.

Die Kapitänsfrage wurde unterdessen auch beantwortet. Christopher Trimmel wird zukünftig dieses Amt bekleiden. Der bisherige Amtsinhaber Felix Kroos steht neben Marvin Friedrich als Vizekapitän bereit. Aus dem Kader sind momentan Sebastian Polter und Fabian Schönheim nicht einsatzfähig. Sie absolvieren Reha-Maßnahmen. Angeschlagen waren Marc Torrejon, Neuzugang Florian Hübner und Ex-Kapitän Felix Kroos. Nach letzten Informationen soll Kroos seine Probleme an der Leiste überwunden haben.

Vor dem am kommenden Sonntag, 05. August anstehenden Saisonstart stehen 29 Spieler im Kader. Das Potential ist ausreichend für einen Tabellenplatz besser als der erreichte Rang 8 nach der letzten Spielzeit. Es ist verständlich, dass das Wort Aufstieg als Saisonziel nicht verkündet wird. Die direkten Aufstiegsplätze dürften an die beiden Absteiger aus der 1. Bundesliga vergeben sein. Dahinter ist allerdings vieles möglich, um den Relegationsplatz 3 wird es ein spannendes Rennen geben. Sollte es am Ende für den 3. Platz reichen, wäre es das beste Ergebnis für die Eisernen in der 2. Bundesliga.

Hans-Peter Becker