BFV beauftragt Studie zur Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit

BFV-Präsident Bernd Schultz Foto: BFV

Der Berliner Fußball-Verband initiiert seit vielen Jahren Kampagnen und Projekte gegen Diskriminierung, Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus und engagiert sich für Toleranz, Fairness und Chancengleichheit im Sport und der Gesellschaft. Diese Initiativen entstanden auch aus der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, vor allem der Geschichte der NS-Diktatur.

Die Vorbereitungen zum 125. Jubiläum des BFV und die Erarbeitung der zugehörigen Festschrift sowie der Ausstellung zur Geschichte des Berliner Fußballs haben bei allen daran beteiligten Personen die Erkenntnis gefördert, dass das gegenwärtige Wissen über die Rolle des Berliner Fußballs und das Handeln seiner Funktionäre während der NS-Zeit unzureichend ist. Der BFV nimmt dies zum Anlass, die eigene Vergangenheit mit einer unabhängigen, wissenschaftlichen Studie kritisch aufzuarbeiten und gab dazu im Rahmen des Festakts am 11. September 2022 folgende offizielle Erklärung ab:

„Der Berliner Fußball und seine Akteure, insbesondere der Verband Berliner Ballspielvereine (VBB), haben sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 bereitwillig den neuen Herrschern unterworfen, sich gleichschalten lassen und die Strukturen dem NS-Regime angepasst. Im Juli 1933 liquidierten sich der DFB und der VBB selbst. In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 wurden Andersdenkende wie ehemals aktive Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten an den Rand gedrängt. Jüdische Mitbürger wurden aus den Fußball-Vereinen ausgeschlossen und ihnen die Teilnahme oder der Besuch an kulturellen und sportlichen Veranstaltungen verboten. Diese Maßnahmen gehören zu den Verbrechen, die zum millionenfachen Mord und zum Holocaust geführt haben.

Der Berliner Fußball-Verband als Nachfolger des VBB bekennt sich dazu, dass in der Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Fußball, in den Vereinen und im Verband Unrecht geschehen ist. Er erklärt, dass er die Geschehnisse, insbesondere den Ausschluss der jüdischen Mitglieder im Jahr 1933 kritisch würdigen sowie seine Rolle während der NS-Diktatur durch eine historische Studie aufarbeiten lassen will. Und vor allem will er zukünftig der Opfer von Diskriminierung, Verfolgung, Gewalt und Ermordung durch die Nationalsozialisten gedenken und an die Verbrechen erinnern, damit dergleichen nie wieder geschehen kann.“

Ein entsprechender Präsidiumsbeschluss zur Beauftragung einer wissenschaftlichen Studie wurde bereits gefasst. Der BFV wird noch im Herbst 2022 Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Sport in einem Gremium versammeln, um die Grundsätze der Studie zu definieren und eine geeignete Fachkraft bzw. Institution für die Umsetzung des Vorhabens auszuwählen. Der BFV stellt sich das Ziel, die Ergebnisse der Studie im Vorfeld der UEFA EURO 2024 in Deutschland der Öffentlichkeit vorzustellen.

Quelle: Berliner Fußball-Verband/Janosch Franke