Niederlagen für die Clubs aus der Hauptstadt

Es war nicht die Stunde der Berliner Profi-Clubs, dieser 13. Spieltag der Saison 2019/20. Im Freitagspiel verloren die Eisernen mit 1:2 auf Schalke, dabei sah es lange nach einem Punktgewinn aus. Ein individueller Fehler von Innenverteidiger Neven Subotic leitete den Siegtreffer für die Schalker ein. Das Matchglück hatte die Eisernen verlassen. Beim Ausgleichstreffer war der Schiedsrichter auf ihrer Seite, der wohl mehr auf eine Schwalbe hereinfiel und auf Foulstrafstoß entschied. Ansonsten lieferte der Aufsteiger eine gute Leistung ab, musste sich letzlich der Leistungssteigerung des Gegners in Halbzeit Zwei sowie der größeren individuellen Klasse der Schalker geschlagen geben.

Keine 24 Stunden später startete die Alte Dame mit neuem Trainerstab in das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Die Problemzonen wurden sofort sichtbar. Motiviert und nervös nahmen die Spieler in Blau und Weiß die Partie auf. Bereits in der Anfangsphase bekamen sie einen brutalen Doppelschlag verpasst. Die Abwehr wackelte weiter, das waren Gegetreffer 26 und 27 und erst 13 Spiele absolviert. Nach nur 17. Minuten lagen sie 0:2 hinten und Jürgen Klinsmann war das sonst so freundliche Gesicht eingefroren. Dass die Hertha anschließend nicht auseinander fiel, sondern kämpfte war das einzig positive an diesem Spiel. Die Belohnung folgte in der 34. Minute, mit dem Anschlusstreffer durch Vladimir Darida. Kurz vor der Pause flog Dortmunds Mats Hummels mit Gelb-Rot vom Platz. Aus den über 45 Minuten Überzahl konnten die Herthaner nichts machen. Ein Tor von Davie Selke fand nach Videobeweis keine Anerkennung.

Vor Jürgen Klinsmann und seinem Team liegt jetzt eine Menge Arbeit. Auf der Tribüne saß Lars Windhorst und wird sich seinen Teil gedacht haben. Das bemerkenswerteste an diesem Spiel war ein Interview mit dem Manager Michael Preetz. Er wurde gefragt, ob sich jetzt seine Rolle im Verein verändern wird. Verärgert ließ er den Reporter wissen, “ ..einem Acki Watzke würden sie solch eine Frage wohl nicht stellen…“.

Hertha, mit größeren Ambitionen in die Saison gestartet, hat erst 11 Punkte und ist auf den Relegationsplatz abgerutscht. Fortuna Düsseldorf ist durch ein bemerkenswertes 1:1 bei der TSG Hoffenheim auch noch vorbeigezogen. Da werden böse Erinnerungen wach an die Saison 2009/10.

Hans-Peter Becker

Der Wille und die Moral stimmten gegen Schweden

Kommentar Christian Zschiedrich. Foto: Sportick

An eine theoretische Chance bei einem Unentschieden zu glauben, da rechnete ich eher – bei einem 1:1 nach regulären 90 Minuten – mit dem Ausscheiden bei der WM für unsere Nationalmannschaft. Meine Stimmung war, wie bei vielen Fußballenthusiasten, am Tiefpunkt. Spätestens beim Feldverweis für Boateng (82.) Gelb-Rot. Hummels Ausfall (Probleme mit dem Halswirbel) war für mich kein gutes Zeichen und als Rudy nach einer halben Stunde mit Nasenbeinbruch gegen Gündogan getauscht werden musste, hoffte ich weiter auf einen Sieg. Die verbleibende Zeit sollte reichen.

An Jogi Löws Aufstellung hatte ich nichts zu meckern. Ich hätte gegen Mexiko von Anfang an mit Reus und ohne Özil spielen lassen. Khedira fiel mir nur bei Ballverlusten auf. Ein Spieler mit dieser negativen Körpersprache gehört auf kein Fußballfeld.

Unmittelbar nach Rudys Verletzung erzielte Toivonen das 1:0 (32.) für die Schweden. Vorausgegangen war ein Fehlpass durch Toni Kroos. Es folgte eine Schockstarre, das Team erinnerten sich an die Leistung gegen Mexiko.

Zum zweiten Durchgang brachte Löw für Draxler den erfahrenen Gomez. Deutschland stürmte vor – oft über Timo Werner – entschlossener und effektiver. Der Ausgleich fiel durch Reus bereits in der 48. Minute. Die Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Der amtierende Weltmeister gewann mehr Zweikämpfe gegen die abwehrstarken und körperlich robusten Schweden – Zweikampf Quote nach Spielende, 59 zu 41 Prozent. Schweden schien allmählich die Puste auszugehen. Sie spielte von Anfang an destruktiv und immer wieder auf Zeit. Die Ballbesitz-Statistik 76 % zu 24 % spricht Bände. Von Abschlussschwäche kann nicht wohl nicht die Rede sein. Bei zwingenden Torszenen fehlte das Glück. Als Boateng in der 82. Minute die Gelb-Rote Karte sah, brach für ganz Fußball-Deutschland die Welt zusammen. Als Löw Verteidiger Hector (87.) auswechselte, meinte ich, dass Süle‘s Minuten gekommen sind. Denkste. Kompliment an Löw, er brachte für den Verteidiger einen Stürmer, den jungen Brandt.

Die Endphase war dramatisch und nichts für schwache Nerven, 5 Minuten Nachspielzeit. Das 2:1 fiel durch einen indirekten Freistoß. Ein Kunstschuss durch Kroos ins lange Eck, welch eine Befreiung bis zum Schlusspfiff blieben nur Sekunden. Gute Nerven Herr Kroos ! Der nicht mehr für möglich gehaltene Sieg sollte einen Schub für den weiteren Turnierverlauf bedeuten. Deutschland hat das Weiterkommen wieder mehr in der eigenen Hand.

Mexiko hat mit zwei Siegen, 2:0 gegen  Südkorea und dem 1:0 über Deutschland, bereits 6 Punkte. Im letzten Spiel trifft Schweden auf Mexiko. Sollte Schweden gewinnen und Deutschland schlägt ebenfalls im ausstehenden Match Südkorea, dann haben alle drei jeweils sechs Punkte. Jetzt könnte es kompliziert werden. Schauen wir kurz ins Reglement. Zur Ermittlung der Tabellenplatzierung werden der Reihenfolge nach folgende Kriterien zu grunde gelegt:

  1. Punktzahl aus allen Gruppenspielen
  2. Tordifferenz aus allen Gruppenspielen
  3. Anzahl der erzielten Tore aus allen Gruppenspielen

Es könnte sogar eine Konstellation eintreten, wo selbst nach allen drei Kriterien die Platzierungen nicht ermittelt werden können. Es würden dann fünf weitere Kriterien angeführt:

  1. die Anzahl der Punkte aus dem direkten Vergleich
  2. die Tordifferenz aus dem direkten Vergleich
  3. die Anzahl der Tore aus dem direkten Vergleich
  4. Fair Play Wertung ermittelt anhand der der Anzahl Gelber und Roter Karten in allen Gruppenspielen
  5. das Los

Deutschland ist auch ohne Boateng, eventuell wieder mit Hummels, klarer Favorit gegen Südkorea. Die Koreaner möchten sich wohl nicht mit null Punkten von der Weltmeisterschaft aus Russland verabschieden, sind ehrgeizig genug und werden im wahrscheinlich für sie letzten Spiel bis zum Umfallen kämpfen. Zumal sie ja über eine Minichance, im Falle eines hohen Sieges über Deutschland, bei gleichzeitiger Niederlage der Schweden, verfügen. Der letzte Spieltag in der Vorrunden-Gruppe F wird spannend.

Christian Zschiedrich

Dämpfer zur rechten Zeit

Kommentar: Christian Zschiedrich. Foto: Sportick

Was auf Jogi Löw und der Nationalmannschaft nach der Auftaktniederlage niederprasselt, haben sie sich selbst eingebrockt. Ich habe kein Mitleid. Die Gangart und die Körpersprache hat vieles verraten; dazu entschied sich der Bundestrainer für die falsche Aufstellung. Bei wem stimmte die Körpersprache am wenigsten (?) – mit Abstand bei Özil, gefolgt vom ausgewechselten Khedira. Dass die linke Seite überhaupt nicht abgedeckt wurde überraschte mich ebenso wie die riesigen Löcher im Mittelfeld. Das hatte zur Folge, den schnellen Mexikanern musste ständig hinterher gerannt werden. Keine Spur von abgestimmter Geschlossenheit. So kann man nicht einmal in Freundschaft spielen. Mats Hummels kritisierte völlig zurecht: „Wenn sieben, acht Mann offensiv nach vorne spielen, kann man nach hinten nicht vernünftig verteidigen“. Und, wenn wir von nötiger Geschlossenheit reden, dann ist es mir überhaupt nicht egal, wenn ein Team die Gelegenheit beim Singen der Nationalhymne nicht nutzt, sich geschlossen einzustimmen, vor allem dann nicht, wenn weiterhin ein  Auftritt in Lethargie folgt. Ja welches Gefühl vermittelt Özil dem Betrachter? Ein Kenner der Materie ist Lothar Matthäus.  Sein Urteil: Özils Körpersprache ist negativ! Er ist ohne Freude im Spiel. Ich habe das Gefühl, dass er sich im DFB-Trikot nicht wohlfühlt!“ Lieber Jogi, darauf können wir ab sofort verzichten. Ihr habt taktische Probleme zuhauf zu lösen, die menschlichen Probleme dürfen einfach nicht sein. Ich bin auf die Körpersprache und den kämpferischen Einsatz gegen Schweden gespannt und ich schaue bei der Nationalhymne schon genau hin, wer bei der Sache ist und überhaupt mitspielen und alles geben will.

Christian Zschiedrich

Enttäuschender WM Auftakt – Deutschland verliert gegen Mexiko

Kommentar: Christian Zschiedrich. Foto: Sportick

Was von Mexiko im Auftaktmatch zu erwarten war, das, so teilte es vorher Jogi Löw mit, sei bekannt und „wir haben Lösungen dagegen“. Nein, das hattet ihr nicht! Die erste Halbzeit war für die Fans eine Zumutung. Aus dem Grunde möchte ich sachlich bleiben. Doch bei aller Sachlichkeit fällt das Angesprochene – der vielen Fehler wegen – nicht etwa milde aus. Auffällig war, dass sich Kimmich vorn immer wieder festrannte und die anderen „Stürmer“ und „Offensivspieler“ dem Gegner Zweikämpfe schenkten und bei der bekannten Umschalt- und Konterstärke der Mexikaner letztendlich die Innenverteidiger immer wieder in letzter Not retten mussten. Mats Hummels und Jerome Boateng fühlten sich allein gelassen. Das Mittelfeld wurde nicht etwa von Sami Khedira und Toni Kroos sondern von den Mexikanern dominant beherrscht. Erschreckend, wie viele Räume den Mexikanern geboten wurden. Mir war z. B. gar nicht aufgefallen, dass Deutschland mit Khedira spielte. Bei der Enge vorn gab es einfach kein Durchkommen. Das ständige Rückwärtsspielen war beim Anspruch eines Weltmeisters peinlich und blamabel. Keiner der Aufgebotenen zeigte einmal, wo der Ball hin sollte und hin gehört – ins Tor der Mexikaner.  Es war keine Zielstrebigkeit, keine Aggressivität, eine Darbietung in Freundschaft. Beim  0:1 (35.), Chicharito bediente Lozano, der vernaschte Özil wie einen Kreisklassenspieler und konnte ungehindert abziehen. Im Spiel der Deutschen wurde zu wenig geschossen. „Schüsse“ aus der zweiten Reihe fühlten sich wie Rückgaben an und wer da von Jogi Löw nominiert, um ein Fußballspiel zu bestreitten und keinen einzigen Torschuss abgegeben hat, sollte endlich vom hohen Ross runter kommen.   Es stellt sich nämlich die Frage, wer gegen die bekannt abwehrstarken Schweden  ein Tor erzielen kann?

Christian Zschiedrich