Viel Kampf und Krampf beim Hauptstadtderby und Feuer auf dem Dach

Mal abgesehen von der Anfangsphase, war das Spiel für die Zuschauer eine Zumutung, einfach nur schlecht. Spielten da hoch bezahlte Profis? Es wirkte streckenweise wie die Aufzeichnung eines Spiels der Berlin-Liga, mit der Abspielgeschwindigkeit von 110 %. Weder Pal Dardai noch Oliver Ruhnert redeten irgendwas schön. „Wir sind noch 14 Punkte vor Hertha. Wir sind nicht unzufriedener, als es sicher der Gegner ist.“ Richtig, Hertha enttäuschte mehr: „Ich habe meine Mannschaft nicht wieder erkannt. Wir haben nicht nach vorn verteidigt, waren nicht dynamisch. Wir müssen froh sein, nicht verloren zu haben. Wir müssen reden, wie so etwas sein kann.“

Wieder spielte der bei Hertha BSC ausgebildete Robert Andrich eine Rolle. Geht es gegen seinen Ausbildungsverein, hat er noch ein zusätzliches Messer zwischen den Zähnen. Seine Werte in diesem Spiel können sich sehen lassen. Er hatte 91 Ballkontakte, spielte 74 Pässe, wovon 64 ankamen und er traf in der 10. Minute passend zum Wochentag ins Tor. Die Gäste aus Charlottenburg, immerhin, fighteten zurück. Die Belohnung erfolgte in der 35. Minute, ein berechtigter, wenn auch kurioser Foulelfmeter, den Marvin Friedrich an Matteo Guendouzi verursacht hatte, verwandelte Dodi Lukebakio sicher. Das war es denn mit Fußball. Schlussendlich wurden die Punkte geteilt.

Foto: © Hans-Peter Becker

Für zusätzliche Schlagzeilen sorgten einige Fans, die sich vor dem Stadion versammelt hatten. Sie feuerten eine ganze Batterie Pyrotechnik in Richtung des Stadiondachs und dabei wurde eine Imbissbude in Brand. Wie dämlich ist das denn, es könnte ein teures Nachspiel haben. Zumal, wie die Bild berichtet, das Feuerwerk auf dem Dach des Stadions platziert war und per Fernzünder gestartet wurde. Es wird wohl ein Geheimnis der Verursacher bleiben und zeugt von eher geringer Intelligenz, die Gefahr heraufzubeschwören, das eigene Stadion abzufackeln. Das braucht nun wirklich keiner.

Der beste Mann des Spiels war Schiedsrichter Sascha Stegemann, der bei allen Zweikampfbewertungen richtig lag und sich bemühte, das Spiel nicht zu verpfeifen. Dass nach der Halbzeitpause der Spielfluss mehr und mehr versiegte, konnte er natürlich nicht beeinflussen.

Bleibt als Fazit, die Eisernen setzen ihre erfolgreiche Saison fort, haben weiter die Chance, in der kommenden Saison international zu spielen und Hertha? Die „Alte Dame“ hat bisher nur eine Menge Geld versengt und muss weiter um den Klassenerhalt bangen. Der nächste Gegner im Olympiastadion ist Borussia Mönchengladbach. Die Eisernen müssen zum FC Bayern nach München reisen.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 27. Spieltag

1. FC Union BerlinHertha BSC 1:1 (1:1)

04.04.2021 18:00 Uhr Stadion „An der Alten Försterei“

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Schlotterbeck – Trimmel, Andrich, Gentner, Prömel (74. Ingvartsen), Ryerson – Musa (83. Pohjanpalo), Kruse 3-4-3

Hertha BSC: Schwolow – Klünter, Stark, Torunarigha – Zeefeuik, Tousart, Guendouzi (79. Khedira), Mittelstädt – Lukebakio (62. Ascacibar), Cordoba (90. Piatek), Cunha 4-3-3

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Frederick Assmuth, Philipp Hüwe, Nicolas Winter 

Tore: 1:0 Andrich (10.), 1:1 Lukebakio (35. FE)

Weiter Unentschieden im Berliner Profifußball

Beider Berliner Vertreter in der Bundesliga lieferten zeitgleich ein Unentschieden in ihren jeweiligen Partien ab. Während Hertha im Olympia-Stadion eine Nullnummer ablieferte, konnten die Eisernen bis zum Schluss nicht ganz dicht halten. Nach einer 2:0 Führung in Stuttgart hieß es am Ende 2:2. Nun ja, in Köpenick wird man mit dem Punkt zufriedener gewesen sein, als in Charlottenburg.

Wie gefährlich die Eisernen bei Freistößen und Eckbällen sind, scheint sich in der Liga noch nicht ganz herumgesprochen zu haben. Unerklärlich, jedenfalls war es wieder ein ruhender Ball von Kapitän Christopher Trimmel, der früh im Spiel seinen Adressaten fand. Gegen die Bayern war es ein Eckball, hier war es eine Freistoßflanke, die per Kopf von Marvin Friedrich ins Tor befördert wurde. Die Stuttgarter liefen dem Rückstand lange hinterher und schienen in der 77. Minute endgültig auf die Verliererstraße zu geraten, als Taiwo Awoniyi einen Entlastungsangriff zur 2:0 Führung abschloss. Bis dahin hatten die Unioner aufopferungsvoll verteidigt und konnten die Führung bis zur 85. Minute halten. Der enorme Laufaufwand (über 120 km) machte sich bemerkbar und dazu der kleine Kader. Urs Fischer konnte die Reise nur mit 18 Profis antreten. In der 85. und in der 90. Minute schlug jedenfalls ein im Tor von Andreas Luthe.

Unions Trainer sah das Spiel so: “Natürlich sieht es unglücklich aus, weil wir die Gegentore spät bekommen. Über 90 Minuten gesehen ist das ein gerechtes Unentschieden. Die erste Hälfte gehörte uns, die zweite Hälfte gehörte Stuttgart, deshalb bin ich nicht enttäuscht: wieder ein Punkt auf dem Konto, der uns hilft.”

Hertha war im heimischen Olympia-Stadion stets bemüht, den Abwehrriegel der Mainzer zu knacken. Eine Torgefahr zu entwickeln gelang nicht. Es war viel Einsatz im Spiel und fast gar kein Ertrag. Die Spielstatistik weist zwar 11 Torschüsse aus, da wurde wohl alles mitgezählt, was irgendwie in die Nähe des Kastens kam. Denken wir positiv, immerhin ist Hertha jetzt seit 4 Spielen ungeschlagen und besser geht immer.

Hans-Peter Becker

Magere Ausbeute für den Berliner Profifußball

Über die Leistung der der Alten Dame im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Stuttgart müssen nicht viele Worte verloren werden. Es war einfach zu wenig. Der Haussegen dürfte jetzt schief hängen. Hertha ist noch keine Mannschaft, die bekanntlich mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal wäre Stuttgart eigentlich ein machbarer Gegner gewesen. Der Saisonstart ist in die Hose gegangen. Bruno Labbadia räumte ein, dass die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison weiter war. Wurde der Umbruch zu heftig betrieben, angesichts des Geldsegens ? Eine eingespielte Mannschaft sieht anders aus. Der nächste Gegner ist das Spitzenteam von RB Leipzig, da sollten sich die Hertha-Profis an die Leistung am 3. Spieltag bei den Bayern erinnern.

Probleme mit dem eingespielt sein hat das andere Berliner Profi-Team weniger. Fehlende individuelle Klasse wird mit mannschaftlicher Geschlossenheit wett gemacht. Beim Auswärtsspiel auf Schalke gelang das erneut ganz gut. Es hätten sogar beim königsblauen Krisenclub drei Punkte herausspringen können. Schlussendlich, um hier eines der Lieblingsworte von Urs Fischer zu verwenden, wurden schiedlich-friedlich die Punkte geteilt. Marvin Friedrich, Unions Innenverteidiger mit Schalker Vergangenheit sorgte in der 55. Minute für den Führungstreffer. Ein von Christopher Trimmel getretener Eckball wurde zu kurz abgewehrt und vom Kapitän selbst nochmals scharf gemacht. In der 69. Minute egalisierte Goncalo Paciencia den Spielstand. Indirekt beteiligt an dem Treffer war der Ex-Unioner Steven Skrzybski, der Andreas Luthe fast mit einem Schuss aus spitzem Winkel überwunden hätte. Daraus folgte ein Eckball, den Paciencia per Kopf auf den kurzen Pfosten, am verduzten Luthe vorbei, zum Ausgleich beförderte. Beim Eckball steht immer einer am kurzen Pfosten, hieß es früher einmal, das ist wohl aus der Mode gekommen. So war der mögliche Auswärtssieg dahin. Union empfängt am 5. Spieltag den SC Freiburg in der Alten Försterei. In der Tabelle rangieren sie bis dahin vor den Herthanern.

Hans-Peter Becker

Unentschieden in der Wuhlheide und Fanproteste

Der 1. FC Union Berlin hat am 24. Spieltag Zähler Nummer 30 geholt. Es kam zustande nach einem 2:2 in der Partie gegen den VfL Wolfsburg. Trotz eines verspielten 2:0 Vorsprung sprach Trainer Urs Fischer von einem wichtigen Punkt, über den er sehr froh ist. In der wieder restlos ausverkauften „Alten Försterei“ ging seine Mannschaft zunächst mit 2:0. Es waren zwei Freistöße von Kapitän Christopher Trimmel, die per Kopf von Sebastian Andersson und später von Marvin Friedrich (sein erster Saisontreffer) ins Tor buggsiert wurden. Aus dem Spiel heraus lief für die Eisernen wenig. Die Wolfsburger hatten gutes Rezept gegen die Angriffsversuche der Eisernen. Es haperte lediglich in der finalen Abschlusshandlung. Da bekamen die Eisernen meist rechtzeitig einen Fuß an den Ball.

In der ersten Halbzeit fiel ein Tor und das Spiel musste wegen einer Protestaktion der Fans zwei Mal unterbrochen werden. Ein Teil Fans protestierte gegen die Sprerre von Dortmunder Fans Auswärtsspielen ihres Vereins in Hoffenheim. Das Banner “ 2017, Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht! Fick Dich DFB ! Über die Wortwahl lässt sich streiten, Fußballer-Sprache. Als freie Meinungsäußerung geht das noch durch. Leider war das nicht alles, es wurden die Plakate mit Hopp im Fadenkreuz gezeigt und auf einem anderen wurde er als Hurensohn bezeichnet. Die Plakate mussten verschwinden und Spiel wurde fortgesetzt.

Gefordert war Stadionsprecher und Kommunikationschef Christian Arbeit, der auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu den Vorgängen Stellung nahm. Es wurde am selben Tag auch eine Erklärung des Präsidenten Dirk Zingler verbreitet.

„Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend. Vor der Herausforderung, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, stehen wir alle. Jeder Einzelne ist aufgefordert, ihr entgegenzuwirken“, positioniert sich Dirk Zingler grundsätzlich und wirbt darüber hinaus im konkreten Kontext des Fußballs für eine differenzierte Sicht.

Aus eigenem Erleben kann ich schildern, dass die Aktion der Waldseite in den anderen Sektoren des Stadions kontrovers diskutiert wurde. Von Zustimmung bis kompletter Ablehung reichte das Spektrum der Meinungen. Es steht zu befürchten, dass es am kommenden Spieltag weiter gehen könnte und dazwischen liegt das Viertelfinale im Pokal.

Spieldaten

1. FC Union Berlin: Gikiewicz –Friedrich, Hübner, Subotic– Trimmel, Andrich, Gentner (73. Prömel), Lenz – Malli (66. Ingvartsen), Andersson, Bülter (83. Ryerson)

VfL Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Knoche, Brooks, P. Otavio – Steffen (63. Mehmedi), Gerhardt, Arnold, Brekalo (88. Klaus) – Ginczek (77. Victor), Weghorst

Tore: 1:0 Andersson (41.), 2:0 Friedrich (56.), 2:1 Gerhardt (60.), 2:2 Weghorst (81.)

Zuschauer: 22 012

 

1. FC Union schafft die Sensation

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, der 1. FC Union erkämpfte sich mit dem Glück des Tüchtigen den ersten Sieg in der Bundesliga. Die Anzeigetafel kündete von der Sensation, der Championsleague Teilnehmer und Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund musste sich mit 1:3 in Berlin Köpenick geschlagen geben. Dortmunds Kapitän Marco Reus bekannte: „Wir haben uns dumm angestellt.“ Vielleicht wurden die Eisernen etwas unterschätzt. Sie agierten mit enormer Laufbereitschaft. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die Eisernen fast 7 km mehr liefen als die Dortmunder. War die Führung durch den Mann des Spiels Marius Bülter insofern glücklich, dass es den Eckball nicht hätte geben dürfen, der dem Treffer vorausging, so verdienten sich die Wuhlheider mit zunehmender Spieldauer den Erfolg.

Die Eisernen waren effektiv, nutzten als spielerisch unterlegene Mannschaft zwei Eckbälle und einen der wenigen Abwehrfehler der Dortmunder für ihre Tore. Union hatte lediglich 26 % Ballbesitz und dazu eine unterirdische Passquote von 64%. Mit diesen Werten kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen. Manchmal eben doch, wenn du, wie es Urs Fischer ausdrückte, eklig bist. Rennen bis zum Umfallen. Die Dortmunder ließen nicht viel zu, konnten aber mit ihrer Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer immer weniger anfangen. Den Kombinationen der Dortmunder fehlte es an Tempo und der letzten Präzision.

Urs Fischer brachte drei Neue für die Startelf, in der Innenverteidigung spielte Marvin Friedrich für den gesperrten Keven Schlotterbeck. Im defensiven Mittelfeld kam Manuel Schmiedebach für den verletzten Grischa Prömel zu seinem ersten Startelfeinsatz der Saison und im offensiven Mittelfeld begann Anthony Ujah für Suleiman Abdullahi. Die beiden Stürmer kamen nur selten zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sie waren meist der erste Wellenbrecher für Dortmunder Angriffsbemühungen. So glänzte Andersson als offensivster Spieler der Eisernen, neben seinem Tor zum 3:1 auch mit der zweitbesten Laufleistung im Spiel.

Marius Bülter – 2 Tore gegen Dortmund © Foto: Hans-Peter Becker

Zum Mann des Spiels avancierte bei aller Prominenz auf dem Rasen der Wuhlheide, ein eher unbekannterer Nachwuchsmann. So überraschend wie das Ergebnis, schnürte der Neuzugang und noch nicht so prominente offensive Mittelfeld-Akteur Marius Bülter einen Tore-Doppelpack. Er spielte in der Saison 2017/18 noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West und war erst vor wenigen Wochen mit dem 1. FC Magdeburg nach der Niederlage beim 1. FC Union aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Eine schöne Geschichte, die der Fußball hier geschrieben hat. Der 26jährige in Ibbenbühren geborene Bülter ist ein Spätstarter, hat keine Ausbildung in einem Fußball -Internat eines namhaften Clubs durchlaufen. Für diese Saison ist er vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen. Das Fußballmärchen erfährt hier noch eine Steigerung.

Es war kein Spiel für Fußballfeinschmecker, das wird An der Alten Försterei schwer zu realisieren sein. Es könnte den Weg aufzeigen, was in dieser Saison möglich ist. Immerhin hat der 1. FC Union bereits vier Punkte gesammelt, während der Rivale aus Charlottenburg mit einem lediglich einem Punkt eher in den Startlöchern hängen geblieben ist. Nach der Länderspielpause steht erneut ein Heimspiel auf dem Programm. Werder Bremen darf sich dann mit den Bedingungen und der Spielstärke des 1. FC Union auseinandersetzen.

Hans-Peter Becker

Auswärtspremiere in Augsburg

Am 2. Spieltag der Fußballbundesliga treffen in Augsburg die beiden Mannschaften aufeinander, die die Saison mit einer Klatsche begonnen haben. Der FC Augsburg verlor in Dortmund mit 1:5 und schleppt zudem die Hypothek des Ausscheidens gegen den Regionalligisten SC Verl mit in die Heimpremiere der aktuellen Saison. Auf beiden Seiten ist was gut zu machen.

Auf Seiten der Augsburger werden die beiden aktuellen Neuzugänge, der Ex-Schweizer Nationalspieler Stefan Lichtsteiner sowie der 20fache kroatische Nationalspieler Tin Jedvaj mit von der Partie sein. Sie verstärken die Defensive der bayerischen Schwaben. „Alles auf Anfang“ das ist die Devise der Augsburger, die wie der Neuling aus Berlin von einem Schweizer trainiert werden.

Die Eisernen müssen in diesem Spiel alles daran setzen, wenigstens durch eine gute Leistung, nachzuweisen, dass sie in der Bundesliga nicht chancenlos sind. Es wird dabei auf die Mentalität ankommen. Die Fehlleistung aus dem ersten Spiel muss aus den Köpfen. Vielleicht hilft es, sich jetzt in der Fremde beweisen zu müssen. Auf keinen Fall werden die Eisernen die Flinte ins Korn werfen. Allerdings räumte Urs Fischer auf der Pressekonferenz zum bevorstehenden Spiel ein, „dass das Adaptieren uns noch eine Weile begleiten wird“ mit anderen Worten, Union ist noch nicht in der Bundesliga angekommen.

Für das Spiel am Samstag, 24.08. wurden aktuell 2.517 Karten für den Gästeblock verkauft. Damit sind die Stehplätze vergriffen, Sitzplätze allerdings sind noch einige zu haben. Es wird in Bayern eine kleine Hitzeschlacht, der Wetterbericht sagt 27 Grad während des Spiels voraus, angenehme Bedingungen für die Zuschauer.

Es stehen 33 Profis im Kader des Neulings. Nicht einsatzfähig sind Innenverteidiger Florian Hübner und Mittelfeldmann Maurice Opfermann Arcones, der zuletzt für Unions Nachwuchs im Baltic Sea Cup spielte und einen sogenannten Pferdekuss abbekam. Ein Fragezeichen steht hinter Christian Gentner, der sich im Training eine leichte Blessur zuzog. Entsprechend der Philosophie des Trainers wird sich in der Mannschaftsaufstellung nicht viel ändern. Beginnt er mit zwei oder wie gegen Leipzig mit drei defensiven Mittelfeldspielern ? Kommt in der Innenverteidigung Neven Subotic zu seinem ersten Einsatz für die Berliner ? Die Abwehr könnte dringend mehr Stabilität gebrauchen, gegen Leipzig war dort jede Position eine Problemzone. Allerdings ist es im modernen Fußball so, dass alle Mannschaftsteile in der Defensive mitwirken müssen. Werden sie schnell überspielt, kommt es auf die letzte Verteidigungslinie an.

Urs Fischer, so wird spekuliert, könnte mit einer ähnlichen Taktik wie zuletzt gegen Leipzig die Aufgabe angehen. Als einzige Sturmspitze könnte Anthony Ujah für Sebastian Andersson in die Startelf rücken. Sollte Gentner nicht spielen, bietet sich eine Chance für Manuel Schmiedebach. Ein besonderes Spiel wird es für Marvin Friedrich, der ja eine Vergangenheit in Augsburg hat. In der vergangenen Saison spielte er auf Leihbasis für die Eisernen und wurde erst vor Kurzem in Berlin fest verpflichtet.

Der Druck liegt mehr auf Seiten des FC Augsburg. Unions Trainer bemühte sich auf der Pressekonferenz diesen Eindruck zu verstärken. „Augsburg hatte ebenfalls keinen perfekten Start, für sie ist das kommende Spiel ein Pflichtsieg. Das ist ein Verein, der seit zehn Jahren in der Bundesliga spielt.“ Das Spiel in der WKK-Arena am 24.08. wird um 15:30 Uhr angepfiffen und steht unter der Leitung des Hannoveraner Schiedsrichters Robert Schröder.

Hans-Peter Becker

Geglückter Saisonstart und wieder kein Losglück

Erster Startelfeinsatz für Florian Hübner Foto: Hans-Peter Becker

Der Start in die neue Saison ist bei den Eisernen geglückt. Nach drei Spieltagen sind sie zusammen mit dem 1. FC Köln Tabellenführer, wie immer ist das eine hübsche Momentaufnahme und abgerechnet wird am Schluss. Gegen den FC St. Pauli war das Ergebnis besser als das Spiel. Der Doppelschlag vor der Halbzeitpause (44. und 45. Minute) war die Vorentscheidung in einer bis dahin offenen Partie. Die Handschrift von Urs Fischer wird immer deutlicher. Er will mehr Dominanz und Kontrolle. Der Kader scheint gerüstet für den Kampf um die oberen Tabellenplätze. Zusammen mit der neuen Nummer 1 im Tor Rafal Gikiewicz standen fünf Neuzugänge in der Startformation. Gegen St. Pauli kam Florian Hübner zu seinem ersten Einsatz und machte seine Sache, laut seinem Trainer, sehr gut. Erstaunlich, es sah aus als würden Marvin Friedrich und Florian Hübner bereits länger zusammenspielen.  St. Pauli hatte elf Torschüsse, davon waren drei hochkarätig. Das war eine Abwehrleistung der Eisernen, die sich sehen lassen konnte. Von den anderen Neuzugängen spielte Ken Reichel auf der Position des linken Außenverteidigers souverän. Einen deutlichen Qualitätsgewinn bringt auch Manuel Schmiedebach auf der Sechser-Position in das Spiel. Es ist fast verwunderlich, dass Hannover 96 keine Verwendung mehr für ihn hatte. Neben defensiven Stärken, er schont sich in keinem Zweikampf, ist er sehr wertvoll für den Spielaufbau.

Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht korrekt wieder. Der FC St. Pauli wurde unter Wert geschlagen, der 4:1 Sieg für den 1. FC Union fällt etwas zu hoch aus. Über weite Strecken der ersten Halbzeit wurde deutlich, woran weiter gearbeitet werden muss. Den Fans im ausverkauften Stadion „An der Alten Försterei“ skandierten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und was will man mehr, als vier Tore von der eigenen Mannschaft.

Unterdessen wurde die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal aus gelöst. Im Lager der Eisernen hatten sie so auf ein Heimspiel gehofft. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Zu Hause gegen Schalke 04, das war der heimliche Wunsch der Fans, Steven Skrzybski hätte sich auch gefreut. Stattdessen wurde es der Konkurrent, oh nein, wie im vergangenen Jahr, müssen sie nach Dortmund und sind wieder nur der krasse Aussenseiter. „Borussia Dortmund ist natürlich ein attraktiver, aber zugleich auch schwieriger Gegner. Wir haben uns vor zwei Jahren dort sehr gut präsentiert, das ist auch jetzt unser Ziel. Es wird ein interessantes Spiel mit einer besonderen Atmosphäre, die unsere Spieler genießen sollen und werden. Unsere Aufmerksamkeit darf allerdings nicht nur auf dem Pokalspiel liegen. Wir müssen auch weiterhin die Spiele in der Liga konzentriert angehen“, so äußerte sich in einer ersten Reaktion Oliver Ruhnert, der Geschäftsführer Profisport des 1. FC Union.
Hans-Peter Becker

Kommt das Beste zum Schluss ?

Bereits am 2. Spieltag wartet auf den 1. FC Union eine schwere Aufgabe in der Fremde. Am Montag, 13. August müssen sie beim Erstligaabsteiger und Aufstiegsaspiranten 1. FC Köln ran. Dieses Spiel wird den Spieltag beenden.

Wir haben keine Chance und die müssen wir nutzen, so könnte man die Lage vor dem Spiel einschätzen. Die Favoritenrolle ist klar verteilt. Trotzdem verbreitete Union Trainer Urs Fischer Optimismus in der Pressekonferenz vor dem Spiel. Wir bereiten uns akribisch vor und freuen uns auf das Spiel. Wie der genaue Plan aussehen könnte, darüber wollte er erwartungsgemäß nichts verraten. Nimmt man das Spiel gegen Aue als Maßstab, so muss eine deutliche Steigerung her. Es wird auf eine passende defensive Ordnung ankommen, so könnte in der zu erwartenden 4er Abwehrkette erneut der erfahrene Michael Parensen neben Marvin Friedrich als Innenverteidiger zum Einsatz kommen. Auf eine entsprechende Nachfrage, setzte Urs Fischer fast zu einer Eloge auf den Routinier Parensen an. „Ich denke aber schon, dass Michael Parensen mit seiner Erfahrung, mit seiner Ruhe wichtig ist. Er ist ein Spieler, der sehr viel kommuniziert, der Spieler vor sich steuert, leitet, das macht sehr viel aus. In Köln werden 50.000 Zuschauer dabei sein, also eine entsprechende Atmosphäre. Ich denke, dass Michael wiederum ein Kandidat für die Startformation sein kann.“ Was in den Überlegungen bestimmt eine Rolle spielt, er hat eine Kölner Vergangenheit. Mit Lars Dietz und Florian Hübner stehen weitere Innenverteidiger bereit.

Ein weiterer Spieler mit Kölner Vergangenheit ist Marcel Hartel. Seine Startelf-Chancen dürften ebenfalls sehr gut sein. In der letzten Saison lief es in der Rückrunde nicht gut für ihn. Jetzt hofft er auf mehr Konstanz in seinen Leistungen, das Talent ist vorhanden.

Die Begegnung in Köln wird der insgesamt siebente im Kampf um Punkte sein. Aus Sicht der Eisernen ist die Bilanz verheerend. Nur ein einziger Sieg konnte bisher erungen werden, dem stehen sechs Niederlagen gegenüber. Die in der Zweitligageschichte des 1. FC Union bisher höchste Niederlage wurde gegen den 1. FC Köln kassiert und beim letzten Auswärtsspiel im Rhein-Energie Stadion bekamen sie eine 0:4 Packung verabreicht. Das alles ist Vergangenheit.

Beide haben ihre Auftaktspiele gewonnen. Trotz des 2:0 Auswärtssieges in Bochum sah Kölns Trainer Markus Anfang  spielerisch einige Reserven. In Bochum saß er nur auf der Bank, gegen den 1. FC Union soll er einen Startelfeinsatz gefordert haben, die Rede ist von Simon Terodde. Er wechselte einst vom 1. FC Köln zu den Eisernen und zurück. Nur zu gern würde er gegen die Eisernen treffen.

Das Spiel ist so gut wie ausverkauft. Trotz Ferienzeit und Montagabend wurden 1.500 Karten im Vorverkauf an Auswärtsfahrer abgesetzt, insgesamt werden 2.000 Fans der Eisernen in Köln auf die Überraschung hoffen, nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss ! Das würde den weiten Rückweg nach Berlin erträglicher machen.

Hans-Peter Becker

Mannschaftsfoto und Test gegen Bordeaux

Foto: Hans-Peter Becker

Der 1. FC Union Berlin hat dem französischen Erstligisten Girondins Bordeaux ein beachtliches 1:1 abgetrotzt. Das erste Tor fiel bereits in der 3. Spielminute. Sebastian Andersson erzielte seinen ersten Treffer im Dress der Eisernen. Insgesamt hinterließ der vom Absteiger Kaiserslautern an die Wuhle gewechselte Mittelstürmer einen guten Eindruck. Es gab bis zur Halbzeit-Pause drei gute Möglichkeiten für einen weiteren Treffer durch die Hausherren.

Für das französische Team war das Spiel der letzte Test vor der Quali-Runde zur Europaliga. Verlieren gegen einen Zweitligisten war nicht vorgesehen. So wirkte das Spiel über weite  Strecken nicht wie der übliche Sommer-Fußball. In der 49. Minute wäre – nach einer Ecke – fast das 2:0 für den 1. FC Union gefallen und in der 51. Minute ließ Redondo eine weitere gute Möglichkeit aus. So schlugen die Gäste zu, Ausgangspunkt war ein Eckball, in der 56. Minute erzielte Jules Kounde das 1:1. Dabei blieb es. Bei hochsommerlichen Wetter hatten 7.821 Zuschauer Lust, ins Stadion zu gehen.

Neuzugang Sebastian Andersson, das erste Tor für die Eisernen Foto: Hans-Peter Becker

Trainer Urs Fischer äußerte sich anschließend in einem Pressegespräch. Insgesamt war er mit der Leistung zufrieden. In der Abwehr sah es schon ganz gut aus. Bei eigenem Ballbesitz schlichen sich dagegen noch zu viele Fehler ein. Dazu hätte er sich gewünscht, dass seine Mannschaft im Angriff mutiger spielt und die eine oder andere 1 zu1 Situation mehr riskiert hätte.

Das es in der Abwehr bereits recht ordentlich lief, war bemerkenswert. Stand in der Innenverteidigung mit Lars Dietz und Marvin Friedrich, nicht unbedingt ein eingespieltes Duo zur Verfügung. Innenverteidiger Marc Torrejon ist verletzt, Fabian Schönheim noch nicht einsatzfähig und der von Hannover 96 verpflichtete Innenverteidiger Florian Hübner plagt sich mit gesundheitlichen Problemen. Felix Kroos, in der letzten Saison Kapitän, kann momentan auch nicht spielen, er hat Probleme mit der Leiste. Das war mit ein Grund dafür, dass in der Startelf der Unioner insgesamt vier Neuzugänge standen. Neben dem bereits erwähnten Andersson, spielten auf der linken Aussenverteidiger-Position Ken Reichel, im zentralen defensiven Mittelfeld begann Manuel Schmiedebach und im Tor stand der aus Freiburg gewechselte Rafal Gikiewicz.

Ein Vorbereitungsspiel bestreiten die Wuhlheider noch. Am kommenden Samstag, 28. Juli steigt an der Loftus Road in London die Generalprobe für die kommende Saison. Gegner ist der englische Zweitligist Queens Park Rangers. Für die mitreisenden Union-Fans wird es ein Wiedersehen mit Toni Leistner an seinem neuen Arbeitsplatz geben.

Mannschaftsaufstellungen

  1. FC Union Berlin:
    Gikiewicz – Trimmel (72. Kurzweg), Dietz (72. Schösswendter), Friedrich, Reichel (46. Lenz)– Prömel (86. Kahraman), Schmiedebach (72. Parensen), Hartel (72. Zejnullahu) – Hedlund, Andersson (76. Taz), Redondo (72. Gogia)

Girondins Bordeaux:
Costil – Gajic, Kounde (83. Javanovic), Lewczuk (83. Baysse), Poundje – Lerager (58. De Preville), Plasil (83. Otavio), Tchouameni – Youssouf (70. Laborde) – Sankhare, Kamano (70. Vada)

Schiedsrichter: Henry Müller

Foto: Hans-Peter Becker

 

Am Vormittag gab es für die Redaktionen die Gelegenheit, ein aktuelles Mannschaftsfoto sowie Porträts von Spielern und Offiziellen auf die Speicherkarten zu bannen. Der Termin musste kurzfristig von Freitag auf Samstag verschoben werden. Trainer Urs Fischer weilte am Freitag aus persönlichen Gründen in seiner Schweizer Heimat. Bis auf Lennard Maloney, der zur Zeit bei der U20 Auswahl der USA weilt, konnten alle anderen den Termin wahrnehmen.

Hans-Peter Becker

Niederlage in Fürth

Der 1. FC Union verliert, wenn auch etwas unglücklich, mit 1:2 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth und so langsam blicken sie in den Abgrund. Jetzt sind es nur noch 2 Punkte Abstand zum Abstiegsrelegationsplatz. Weit über 1.000 Fans, mehr als erwartet, waren am Ostersonntag nach Fürth aufgebrochen, um das Team zu unterstützen. In der ersten Halbzeit gaben die Eisernen davon nichts zurück. Nur eine einzige Torchance, kurz vor dem Halbzeitpfiff durch Dennis Daube war zu notieren.

Unions Trainer Andre Hofschneider musste verletzungsbedingt einige Umstellungen vornehmen. Im Tor rückte Jakub Busk an die Stelle von Daniel Mesenhöler. Gegen den Führungstreffer in der 21. Minute durch Roberto Hilbert im Anschluss an einen Eckball, konnte er nichts ausrichten. Hilbert gewann das Kopfball-Duell gegen Kristian Pedersen. In der Abwehr bot Hofschneider eine 3er Abwehrkette auf. Marc Torrejon konnte nicht spielen, dafür kam der Kapitän der A-Jugend Lennard Maloney zu seinem ersten Einsatz bei den Profis. Er spielte rechts neben Toni Leistner in der Abwehrkette und sollte die Vorstöße von Christopher Trimmel absichern. Im Mittelfeld spielten Kapitän Felix Kroos und Grischa Prömel auf der 6er Position und davor Dennis Daube als hängende Spitze. Simon Hedlund und Philipp Hosiner sollten für entsprechenden Sturmwirbel vor dem Fürther Tor sorgen. In der Abwehr komplettierten Marvin Friedrich und Kristian Pedersen die Startformation.

War es ein zu großes Risiko, Maloney den Vorzug zu geben? Auf der Bank saßen mit Peter Kurzweg und vor allem Christoph Schösswendtner gestandene Abwehrspieler. Bis zur 77. Minute ließ Hofschneider den Debütanten auf dem Platz. Für ihn wurde Marcel Hartel eingewechselt. Zwei Minuten zuvor waren die Führter erneut in Führung gegangen. Der eingewechselte Fabian Reese (ab 59. Min für Jurgen Gjasula) hatte auf das Tor geschossen. Der Ball sprang vom Pfosten zurück, genau in den Lauf von Grischa Prömel, es war das erste Eigentor in seiner Profi-Karriere. Den Ausgleich für die Eisernen besorgte Marvin Friedrich in der 49. Minute. Das Tor war fast eine Kopie des Treffers der Führter. Christopher Trimmel brachte einen Eckball herein und Friedrich gewann das Kopfball-Duell und es stand 1:1 bis zur 75. Minute. Die zweite Halbzeit sah insgesamt verbesserte Unioner. In der 71. Minute musste Simon Hedlund vom Platz, nach einem Foul versuchte er zunächst weiter zu spielen. Es ging nicht. Er wurde durch Kenny Redondo ersetzt.

In der Schlussphase stellte Hofschneider auf ein 4-4-2 um. Den erneuten Ausgleich hätten sie mindestens verdient gehabt. Am Ende jubelten die Führter Kleeblätter, die jetzt nach Punkten mit den Eisernen gleichzogen. „Wir müssen endlich aufwachen“, so äußerte sich Christopher Trimmel nach dem Spiel. Am kommenden Samstag kommt der MSV Duisburg in die Alte Försterei. Eine Frage stellt sich immer deutlicher: Kann der 1. FC Union auch Abstiegskampf ?

Hans-Peter Becker