Viktoria holt sich den Pott

Am Abend wurde das jährliche Hochamt des Profifußballs zelebriert. Im Berliner Olympiastadion holte RB Leipzig in einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem SC Freiburg den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Es war restlos ausverkauft, eine Zusatztribüne errichtet, so konnten 74.322 Zahlende ins Stadion.

Zu mittäglicher Stunde desselben Tages, nur wenige Kilometer vom Olympiastadion entfernt, fand im Rahmen des Tages der Amateure das Endspiel um den Berliner Pokal statt. Bedauerlich, das muss man sagen, fast unter freiwilligem Ausschluss der Öffentlichkeit. Lediglich 1.215 Zahlende gab der wieder als Stadionsprecher engagierte Karsten Holland bekannt. Dabei war es eine alles andere als unattraktive Paarung im neuen Endspielort, dem Mommsenstadion. Der leider nun ehemalige Drittligist Viktoria spielte gegen die VSG Altglienicke. Es war ähnlich dramatisch, wie Stunden später im Olympiastadion.

Die Mannschaft, die die Saison im halbwegs bezahlten Fußball verbracht hatte, bestimmte über weite Strecken das Spiel. Nur das erste Tor im Spiel gelang den Volkssportlern, in der 40. Minute überwand Uzan Tugay den Torwart mit einer Bogenlampe. Philip Sprint sah da nicht gut aus. Es war das Tor aus dem Nichts, was sich so rein gar nicht andeutete.

In der zweiten Halbzeit hatte Viktoria weiter die größeren Spielanteile, während Altglienicke leidenschaftlich verteidigte und einige gefährliche Konter inszenierte. Der in der 60. Minute eingewechselte Paul-Vincent Manske hatte zweimal die Vorentscheidung auf dem Fuß und scheiterte.

Fotos:© Hans-Peter Becker

Der Traum vom Pokalsieg zerplatzte für den Regionalligisten auf die brutalst mögliche Weise. Zwei Tore in der Nachspielzeit durch Lukas Pinkert und Soufian Benyamina entrissen der Elf von Karsten Heine den Pott.

In der Pressekonferenz äußerte Heine seine Kritik an Schiedsrichter Pascal Wien. Eine Tätlichkeit von Viktoria-Kapitän Christoph Menz blieb ungeahndet. „Der Menzer hätte das Spiel nicht beenden dürfen.“ Trotzdem gratulierte er seinem Kollegen zum Sieg und Viktorias Trainer verkündete auf Nachfrage, dass er bei Viktoria nicht weitermachen wird. Sein Vertrag galt nur für die 3. Liga.

Im Kader der Himmelblauen wird es weitere Veränderungen geben. Umso bemerkenswerter war, dass sich die Mannschaft nach dem enttäuschenden Saisonende nochmals zu solch einer Energieleistung aufschwingen konnte.

Hans-Peter Becker

AOK Pokal Finale

21.05.2022 12:15 Uhr Mommsenstadion Berlin

VSG Altglienicke – FC Viktoria 1889 Berlin 1:2(1:0)

Mannschaftsaufstellungen

Viktoria: Sprint – Lewald – Makreckis (80. Hahn) – Theisen (77. Ogbaidze) – Küc – Falcao (65. Hovi) – Kapp – Seiffert – Jopek (65. Benyamina) – Pinckert – Menz

VSG Altglienicke: Bänge – Liebelt (ab 60. P.V. Manske) – Zeiger – Uzan (ab 69. Breitkreuz) – Derflinger (ab. 69. Skoda) – Inaler – Häußler – Belegu – J. Manske – Dem (ab 84. Pütt) – Brehmer

Schiedsrichter: Pascal Wien (SC Borsigwalde)

Assistenten: Fabian Zastrow, Marcel Mallassa, Gunnar Mielenz

Hertha gewinnt, Union ermöglicht einen historischen Sieg und Viktoria schwächelt

Am Samstag, 11. Dezember, zur regulären Anstoßzeit empfing Hertha Arminia Bielefeld zum Kellerduell. So trostlos wie die Szenerie im Olympiastadion, nur 5.000 durften rein, war auch die Darbietung der beiden Bundesligisten. Es war nicht vergnügungssteuerpflichtig. Es setzte sich die talentierte Mannschaft durch oder manchmal schießt Geld eben doch Tore. Der Kicker titelte „Ohne Glanz, aber hochverdient“, es wurden drei wichtige Punkte. Die Abstiegszone ist nicht näher gerückt. Bis Weihnachten warten noch zwei harte Nüsse im Rahmen einer englischen Woche, erst auswärts in Mainz und anschließend Borussia Dortmund. Irgendwie durchkommen heißt die Devise.

Einen Tag später musste Drittligist Viktoria im Emsland-Stadion (seit 2014 Hänsch-Arena) beim SV Meppen antreten. Der Abwärtstrend konnte leider nicht gestoppt werden. Es begann zudem unglücklich für die Himmelblauen. In der 15. Spielminute sah Abwehrspieler Lukas Pinckert gelb-rot. Das machte die Aufgabe gegen die bestens aufgelegten Emsländer unlösbar. Der SV Meppen war in der vergangenen Saison sportlich abgestiegen, blieb nur drin, weil der KFC Uerdingen sich zurückzog, jetzt sorgen sie für Fuore und liefern die beste Hinrunde als Drittligist ab. Viktoria unterlag mit 0:3 und es hätte durchaus schlimmer kommen können. Der junge Torwart Julian Krahl verhinderte schlimmeres. Es war der letzte Spieltag der Hinrunde in Liga 3. Insgesamt sieht die Bilanz für den Liganeuling aus Berlin trotzdem nicht so schlecht aus. Es sind 6 Siege, 5 Unentschieden und 8 Niederlagen zu bilanzieren. Tabellenplatz 12 und 23 Punkte nach der Hinrunde, vor der Saison hätten sie das sofort unterschrieben, man sollte nicht vergessen, wo die Mannschaft herkommt. Die Rückrunde beginnt allerdings bereits am 4. Advent. Bevor die kurzen Weihnachtsferien beginnen, reisen die Viktorianer nach Köln zum Namensvetter in den Sportpark Höhenberg auf der rechten Rheinseite. Das Hinspiel, ihre Drittliga-Premiere, konnte Viktoria im Sommer mit 2:1 siegreich gestalten.

Eine Auswärtsniederlage holte sich ebenso der 1. FC Union ab. Für den Gegner Greuther Fürth war es ein historischer Sieg, der erste seit dem Aufstieg und zudem im umgebauten Ronhof-Sportpark. Zuschauer gab es keine, in Bayern wurden wieder Geisterspiele angeordnet. Die Eisernen wirkten kraftlos. Es war eines der wenigen Spiele bisher, wo sie weniger liefen als der Gegner. Was bedeuten schon 63 % Ballbesitz, wenn das Tor nicht getroffen wird und nicht einmal die bessere Zweikampfquote hilft. Sie ließen nur 3 Eckbälle der Fürther zu. Einer davon brachte den historischen Sieg für die Kleeblätter. Im Anschluss an einen Eckball war es der Norweger Havard Nielsen der den Ball in die Maschen drückte. Hatte er sich vorher gegen seinen Gegenspieler Kevin Behrens mit unerlaubten Mitteln Platz verschafft? Der Schiedsrichter ließ es durchgehen. Nach mehrmaliger Ansicht der Zeitlupe, es war eine fiffty-fiffty Entscheidung. Für Urs Fischer war es eine Fehlentscheidung, sein Kapitän in Fürth, Grischa Prömel, selbst kein Kind von Traurigkeit, sah das entspannter: „Das muss man nicht pfeiffen.“ Insgesamt taten sich die Eisernen schwer, gegen sehr tief stehende und aufopferungsvoll verteidigende Fürther das Spiel zu machen. So wurde es die vierte Saisonniederlage für den 1. FC Union.

Hans-Peter Becker

Viktoria siegt im Duell der Aufsteiger

Mannheims Trainer Patrick Glöckner konnte seinen Frust in der Pressekonferenz kaum verbergen. „Jetzt setzen wir uns neun Stunden in den Bus und nehmen nichts mit, das ist schon bitter.“ Dabei sah es lange danach aus, als könnte sein Team wenigstens einen Punkt aus dem Berliner Jahnsportpark mitnehmen. In der 89. Minute passierte das Malheur, Mannheims Torwart Timo Königsmann ließ den Ball ins Tor rutschen. Lukas Pinckert kam aus spitzem Winkel zum Abschluss, ein durchaus haltbarer Ball, egal, er überquerte die Torlinie und Viktoria hatte damit den vierten Saisonsieg unter Dach und Fach gebracht. Ein Unentschieden wäre gerechter gewesen, der Fußball ist eben manchmal ungerecht.

2.061 Zuschauer bekamen ein Spiel geboten, in dem beide voll auf Angriff setzten, einen offenen Schlagabtausch führten. Viktorias Trainer Benedetto Muzicatto hatte seine Startformation gegenüber dem 1:1 in Zwickau auf zwei Positionen verändert. Erhan Yilmaz und Lucas Falco rückten wieder in die Startelf. An seinem taktischen System mit variabler 3er und 5er Kette in der Abwehr. Die Gäste vom Rhein und Neckar spielten in einem 4-4-2 System. Beide wollten mit frühem Stören den Gegner aus dem Konzept bringen.

Mit diesem Sieg setzt sich Viktoria wieder an die Tabellenspitze der 3. Liga, punktgleich mit dem 1. FC Magdeburg. Als kleine Belohnung haben die Spieler zwei freie Tage bekommen. Der nächste Gegner wartet in Verl.

Hans-Peter Becker

Fußball 3. Liga 6. Spieltag

28.08.2021 14:00 Uhr Jahnsportpark Berlin

FC Viktoria 1889 Berlin – SV Waldhof Mannheim 1:0 (0:0)

Krahl – Lewald – Yilmaz (73. Kayo) – Küc (63. Benyamina) – Falcao (73. Seiffert) – Ciğerci (84. Ogbaidze) – Kapp – Becker – Jopek – Pinckert – Menz (3-5-2/5-3-2)