Berliner Profifußball aktuell – mehr Schatten als Licht

Die Spiele von Hertha und Union hatten eines gemeinsam, eher grauer Liga-Alltag, beide hatten Probleme, eine gute Leistung auf den Platz zu bringen. Der 1. FC Union stand am Freitagabend mit den Fußballgott im Bunde und besiegte den abstiegsbedrohten FC Ingolstadt mit 2:0. Es interessiert hinterher eh nur ein paar Kolumnisten , wie das Ganze zustande kam. Ein umstrittener Foulelfmeter kurz vor der Pause und eine Abstauber von Akai Gogia sorgten für das Ergebnis.

Die kämpferische Auseinandersetzung forderte Tribut in Kartenform. Insgesamt verteilte Schiedsrichter Dr. Robert Kampka acht Karten, einmal Rot, einmal Gelb-Rot und sechs Gelbe, diese Aufzählung spricht nicht unbedingt für eine hohe Qualität im Spiel. Es gibt Spiele, wo die Schiedsrichterleistung Einfluss auf das Ergebniss haben kann. Ingolstadts Trainer Jens Keller musste sich nach dem Spiel auf die Lippen beißen und sein Kollege Urs Fischer räumte ein, einfach das Glück auf unserer Seite gehabt zu haben.

Ab der 75. Minute mussten die von Jens Keller trainierten Ingolstädter mit zwei Feldspielern weniger aus kommen. Nach einer Tätlichkeit flog Almog Cohen mit glatt Rot vom Platz und Robin Krauße sah gelb-rot nach einem harten Einsatz gegen Felix Kroos.

Der Ingolstädter Spieler wurde von einem vermeintlichen Fan des 1. FC Union über einen Tweet antisemitisch beleidigt. Beide Vereine erstatteten Anzeige und der 1. FC Union gab dazu eine Presseerklärung heraus. Präsident Dirk Zingler wird dort mit folgenden Worten zitiert: „Ich schäme mich für solche Unioner. Wir werden alles daransetzen, sie zu isolieren und strafrechtlich verfolgen zu lassen. Union steht für humanistische und demokratische Werte. Wer diese nicht teilt, hat in unserem Verein und in unserem Stadion nichts verloren“. Wir müssen den Kampf gegen die Verrohung unserer Gesellschaft entschlossen aufnehmen und ihn konsequent führen, auch in unseren Reihen.“ Es ist zu hoffen, dass die betreffende Person dingfest gemacht werden kann.

Zurück zum Fußball: Am Sonntag, 10. März werden Fans und Verantwortliche gespannt nach Hamburg geblickt haben. Der Ausgang des Derbys – der HSV siegte mit 3:0 – schickte die Eisernen wieder auf Platz 3 der Tabelle. Ende April kommt der HSV in die Alte Försterei.

Am Samstag, 9. März blieb in Freiburg von den guten Vorsätzen der Alten Dame zunächst nicht viel übrig. Die Freiburger gingen durch Niels Petersen nach einer Unachtsamkeit in der Hertha-Abwehr in Führung. Bis dahin boten beide ein zähflüssiges Spiel in der ersten Bundesliga. In der zweiten Halbzeit drehte Hertha auf. Alles wirkte etwas fahrig, doch der Angriffsdruck zahlte sich aus. Der Kapitän Vedad Ibisevic sorgte für den Ausgleich und leider auch für die Niederlage, als er einen Eckball unglücklich ins eigene Tor lenkte. Das war für Hertha das zweite Eigentor in Folge. So langsam wird es eng mit den internationalen Plätzen. Hertha bleibt in dieser Saison eine Wundertüte. Am kommenden Wochenende, 16. März können sie sich gegen Dortmund im Olympiastadion beweisen.

Hans-Peter Becker

Fußball kann so schön und begeisternd sein

Endlich, endlich ergab sich Hertha nicht im eigenen Stadion, drehte vor 33.981 Zuschauern gegen Mainz den 0:1-Rückstand durch Eigentor von Niklas Stark (46.) zum ersten Heimsieg. Grujic 1:1 (50.) und Stark (60.) markierten die Treffer Zwei und Drei. Allerdings war die erste Halbzeit zum Davonlaufen und Wegschauen. Der wütende Pal Dardai brachte in der Halbzeit die Kabine zum Beben. So erlebt man den Ungarn zwar selten, aber, er kann auch mehr als laut sein.  

Hertha hat nach 24 Spielen 35 Punkte geholt, Platz Acht. Einen Punkt besser als Hoffenheim und einen weiteren vor Bremen. Es ist ein Platz im Mittelfeld der Tabelle. Hertha ist jenseits von Gut und Böse. Fragt sich, wie die weitere Entwicklung aussieht und was in Zukunft sein wird. Positiv, dass sehr früh die Planungen für die kommende Saison erfolgen können.

Apropos Zukunft. An die muss man zwangsläufig beim 1. FC Union denken. Die Eisernen, vor 30 Jahren in der DDR-Oberliga, mausern sich nach so langer Zeit als ernstzunehmender Aufstiegskandidat in die Eliteliga. Sie belegen nach dem 2:0-Sieg in Kiel Platz Zwei. Der HSV, momentan Dritter, komplettiert erst am Montag, 4. März mit dem Heimspiel gegen Greuther Fürth den 24. Spieltag.

Kommendes Wochenende steht das Hamburger Derby beim FC St. Pauli an. Union empfängt bereits am Freitag, 8. März den Tabellenvorletzten Ingolstadt mit Ex-Trainer Jens Keller. Man darf gespannt sein, ob Union sich gegen Mannschaften behaupten kann, denen das Wasser bis zum Hals steht. Bleibt nachzutragen, dass Hertha am Samstag, 9. März nach Freiburg muss. Trainer Christian Streich verlängerte seinen Vertrag beim aktuellen Tabellendreizehnten bis 2020.  

Christian Zschiedrich

Zum Jahresabschluss nach Aue

Das Erzgebirge gilt als das Weihnachtsland und im Erzgebigsstadion zu Aue werden die Eisernen das Fußballjahr beenden. Das Kartenkontingent für den Gästeblock dürfte ausgeschöpft sein. Teil eins des vierten Adventssontag ist das Spiel zum Beginn der Rückrunde. Das Hinspiel zum Saisonauftakt gewannen die Eisernen durch einen Lastminute-Freistoßtreffer von Felix Kroos glücklich mit 1:0. Eine Wiederholung dürfte gern folgen. Es wird nicht einfach werden. Der FC Erzgebirge ist seit drei Spieltagen in Folge ungeschlagen und ließ aufhorchen durch einen 5:0 Auswärtserfolg in Fürth. An Selbstbewußtsein wird es den Erzgebirglern nicht mangeln. Mit 19 Punkten haben sie die Hinrunde abgeschlossen, damit liegen sie in ihrem Saisonfahrplan.

Beim 1. FC Union ist es genauso, der vorgegebene Plan wurde eingehalten, keine Niederlage wurde in der Hinrunde kassiert. Der Jahresabschluss kann spannender nicht sein. Beide Trainer haben wenig Personalsorgen. Urs Fischer hat wieder die Qual der Wahl und muss wieder Profis zu Hause lassen, die in anderen Vereinen kaum Probleme hätten, in der Startelf zu stehn. Den kompletten Kader bei Laune zu halten ist bei sportlichem Erfolg keine leichte Aufgabe. Ein Spieler hat sich dann doch geäußert, das er nicht zufrieden ist. Die Rede ist von Simon Hedlund, der in der vergangenen Saison in 31 Spielen eingesetzt wurde. In der aktuellen Saison stand er elf Mal im Kader. Wird es in Aue sein zwölfter Einsatz. Es soll Gerüchte geben, dass er seinem ehemaligen Trainer Jens Keller nach Ingolstadt folgen könnte.

Die Eisernen müssen ein Rezept finden, die Auer 5er Kette in der Abwehr zu knacken. Die Veilchen werden zudem den Berlinern viel Ballbesitz gestatten und auf Umschaltsituationen hoffen. Welches Team legt seinen Anhängern am Tag vor Weihnachten einen Sieg auf den Gabentisch? Nach dem Spiel werden sich Akteure und Schlachtenbummler beeilen, schnell nach Berlin zurückzukommen. Um 19:00 Uhr wird in der Wuhlheide die Mutter aller Weihnachtssingen beginnen. Das Spiel in Aue beginnt um 13:30 Uhr und wird unter der Leitung von Schiedsrichter Sven Jablonski stehen. Er ist in dieser Saison fast so etwas wie ein Stammschiedsrichter, er pfiff bereits die Partien gegen St. Pauli und Dynamo Dresden.

Hans-Peter Becker

Der Ungeschlagene und die Unbesiegbaren !

Der VfL Bochum war vor einem Jahr das Schicksal für Jens Keller. Nach einer 1:2 Niederlage im Ruhrstadion musste er gehen. Die Eisernen standen mit 26 Punkten auf Tabellenplatz vier. Anschließend rutschten sie ab, kassierten am letzten Spieltag der Hinrunde eine Heimniederlage gegen Dynamo Dresden und boten in der Rückrunde wenig überzeugende Auftritte.

Ein Jahr später sieht die Welt in der Wuhlheide nicht soviel anders aus. Der Trainer allerdings ist meilenweit von einer möglichen Entlassung entfernt. Er scheint die Mannschaft in Drachenblut gebadet zu haben. Der 1. FC Union kann einfach nicht verlieren, obwohl sie es im letzten Heimspiel des Jahres gegen den VfL Bochum wirklich probiert haben. In der ersten Halbzeit war der VfL das bessere Team, von den Unbesiegbaren kam nicht viel. So einige Male mussten die Fans tief durchatmen, weil der Ball glücklicherweise wieder nicht den Weg über die Torlinie fand. So traf in der 14. Minute Lee im Anschluss an eine Ecke nur den Pfosten. Nur drei Minuten später war, erneut nach einem Eckball, das Streitobjekt so gut wie über der Linie. Nach seiner Rettungstat musste Unions Keeper Gikiewicz behandelt werden, konnte zum Glück weiter spielen. Nach 35 Minuten sah sich das Stadion veranlaßt, die Mannschaft mit Aufwachen-Rufe zu unterstützen. Immerhin sprangen bis zur Halbzeitpause drei halbgare Tormöglichkeiten heraus.

Der sympathische Schweizer Urs Fischer ist sonst eher mit dem Temperament eines Graubündner Almbewohners ausgerüstet. Vorstellbar, dass er in der Kabine  eine ganz andere Seite zeigen musste. Jedenfalls steigerte sich seine Mannschaft in Hälfte zwei. Bochum wurde bitter für die in Halbzeit eins vergebenen Chancen bestraft. Nach einer Stunde Spielzeit war es so weit. Schicksal spielte der Schiedsrichter der Partie Dr. Matthias Jöllenbeck, Arzt aus Freiburg, er zeigte auf den Punkt, Foulelfmeter. Ganz nebenbei, Dr. Jöllenbeck war auch der Schiedsrichter beim letzten Spiel von Jens Keller in Bochum vor einem Jahr. Der erste Eindruck von der Pressetribüne, ganz klar, denn muss man geben, auf den Videos war es nicht mehr so eindeutig. Der Kicker fand die richtige Formulierung: „Sebastian Polter zog einen Elfmeter…“ Von diesem Schock erholten sich die Bochumer nicht mehr und bekamen in der 87. Min. durch Zulj den endgültigen Ko. Schlag verpasst. Die Eisernen agierten im Stile einer Spitzenmannschaft, sie gewinnen Spiele, die eigentlich nicht zu gewinnen sind. Die Bochumer hatten ihr Mitleid umsonst, dazu die alte Fußballweisheit: „Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen.“

Große Erleichterung nach dem Schlusspfiff, „man bin ick froh, dat wa dit gewonnen haben.“ Urs Fischer hat mit seiner Mannschaft einen Rekord aufgestellt, noch nie ist es einem Zweitliga-Trainer gelungen, eine ganze Halbserie lang ungeschlagen zu bleiben. Sieben Siege und zehn Unentschieden, bedeuten Platz drei mit 31 Punkten, punktgleich mit dem FC St.Pauli. Dank des besseren Torverhältnisses sind die Eisernen weiter der „Leader of the Rest“. Ein Spiel ist vor den Weihnachtsferien noch zu absolvieren. Am vierten Adventssonntag reisen sie zum FC Erzgebirge Aue. Das Weihnachtssingen wurde dafür extra auf 19:00 Uhr verlegt.

Hans-Peter Becker

Gelingt der erste Auswärtssieg der Saison ?

Urs Fischer, guter Saisonstart – gelingt jetzt der erste Auswärtssieg ? Foto:© Hans-Peter Becker

Der 1. FC Union ist in dieser Saison noch ungeschlagen. Am Montagabend, 1.10. beschliessen den 8. Spieltag mit der Auswärtspartie in Ingolstadt. Während den Eisernen der Saison-Start geglückt ist, mit 13 Punkten aus 7 Spielen, ist bei den Ingolstädter das Gegenteil der Fall. Personell ähnlich gut ausgestattet wie die Berliner, gelang erst ein einziger Sieg, zwei Unentschieden und vier Niederlagen. Es war den Verantwortlichen der Schanzer zu wenig, nach der 0:1 Heimniederlage-Niederlage gegen den FC St. Pauli wurde der Trainer Stefan Leitl entlassen. Für das folgende Auswärtsspiel in Köln gab es eine Interimslösung. Als neuer Trainer wurde vor einigen Tagen Alexander Nouri vorgestellt, zuvor soll es Absagen von Jens Keller und Markus Weinzierl gegeben haben.

Bei der obligaten Pressekonferenz vor dem Spiel war der Trainerwechsel beim nächsten Gegner ein Thema. Unions Trainer Urs Fischer ging auf die Bremer Vergangenheit des neuen Ingolstädter Trainers ein. Als Trainer des SV Werder ließ er bevorzugt mit einer 3er Kette (3-5-2) spielen. Im Training soll er in Ingolstadt sich daraus ergebende taktische Varianten geübt haben. Wie aussagekräftig daher das Videostudium der bisherigen Ingolstädter Spiele ist, läßt sich schwer sagen. „Auf jeden Fall werden wir gut vorbereitet sein.“

Was die Startelf betriff, da hat der Trainer wieder mehr Qual in der Wahl. Von den 28 Profis sind nur zwei momentan nicht einsatzfähig. Es betrifft den dritten Torwart Lennart Moser und den Innenverteidiger Marc Torrejon.

Er ist zwar wieder im Kader, allerdings reicht die Kraft keinesfalls für 90 Minuten, die Rede ist von Sebastian Polter. Er könnte wieder eine Joker-Rolle übernehmen. Gegenüber dem Spiel gegen Kiel sind keine großen Änderungen zu erwarten. Rotiert Ken Reichel wieder für Christopher Lenz zurück ? Die anderen Posten in der 4er Abwehrkette sind vergeben.

Trotz englischer Woche, konnten die Eisernen eine fast normale Vorbereitung absolvieren, Dank der Ansetzung als Montag-Spiel. Da war sogar ein freier Tag für die Profis drin. Die Voraussetzungen stehen also nicht schlecht, um den ersten Auswärtssieg der Saison einzufahren. Es wäre gut, im Falle einer Führung, das zweite Tor nachlegen zu können. In den drei Auswärtsspielen gelangen den Wuhlheidern bislang nur zwei Tore. In Sandhausen wurde zu Null gespielt.

Das Spiel am Montagabend, 1.10. wird um 20:30 Uhr im Audi-Sportpark zu Ingolstadt angepfiffen werden. Leiter der Partie wird Sebastian Dankert aus Rostock sein. Stand vom letzten Samstag, waren etwa 500 Karten für den Gästeblock verkauft, für Kurzentschlossene, die den weiten Weg von Berlin nach Ingolstadt auf sich nehmen wollen, sind Eintrittskarten zu haben.

Hans-Peter Becker

Mehr als zufrieden – Punktgewinn in Köln

Der 1. FC Union Berlin hat in Köln einen Punkt geholt und dem Favoriten ins stolpern gebracht. Natürlich ist ein 1:1 ein Unentschieden, über dieses Spiel könnte man auch titeln, 1:1 gewonnen. Unions Ex-Trainer Jens Keller saß im Stadion und tippte in einem TV Interview vor dem Spiel 3:1 für die Kölner. Es kam anders. Die ersten zwanzig Minuten im Spiel gingen an die Eisernen. Seine Startelf veränderte Urs Fischer nur auf einer Position, für Akaki Gogia spielte Simon Hedlund. Gegen den Ball wurde in einem 4-2-3-1 (4-5-1) verteidigt und bei Ballbesitz sortierte sich ein 4-3-3.

In der 20. Minute musste Rafal Gikiewic einen Schuss von Marcel Risse halten, das war die Initialzündung für die Kölner. Jetzt ergaben sich die Chancen für die Hausherren im Minutentakt. In der 41. Minute war es soweit, Fehler bei der Ballnahme durch Grischa Prömel, Christian Clemens zieht energisch in Richtung Strafraum und sein Schuss landet im Tor.

Unmittelbar nach der Pause, 47. Minute traf Ken Reichel mit einem Freistoß nur den Pfosten des Kölner Tores. Der Gegenzug der Kölner wird unfair gestoppt, Freistoß durch Kölns Neuzugang Luis Schaub und Jonas Hector köpft an die Latte. Die Partie nahm Fahrt auf. Die Eisernen wollten den Ausgleich und Köln einen weiteren Treffer, der wohl das Spiel entschieden hätte. In der 60. Minute kam Simon Terodde für Jhon Cordoba, darauf reagierte Urs Fischer und brachte für Kenny Redondo Gogia. Ein glückliches Händchen, den Gogia bereitete mit einem Flankenlauf den Ausgleichstreffer durch Sebastian Andersson vor. Der überragende Grischa Prömel hatte Niklas Hauptmann erst den Ball abgeluchst, dann ein schneller Paß auf Gogia und es war passiert.  Ein Tor war für die Kölner zu wenig, die Eisernen brachten das Unentschieden über die Zeit.

Das Tor durch Andersson war sein erstes in einem Pflichtspiel und das erste für den 1. FC Union im Kölner Stadion. Erwähnenswert ist ebenso, dass Michael Parensen, mit Kölner Vergangenheit, sein 200. Pflichtspiel für die Eisernen absolvierte. Im Lager der Gäste herrschte Zufriedenheit, bei den Kölner dagegen haderten sie mit dem Schiedsrichter. Dem Ballverlust vor dem Ausgleichstreffer soll ein Foul vorausgegangen sein.

Der 1. FC Union erkämpfte und erspielte sich einen verdienten Punktgewinn, das Beste kam wirklich zum Schluss. Gegenüber dem Auftaktspiel gegen Aue war eine spielerische Steigerung zu erkennen. Die nächste Aufgabe wartet im DFB-Pokal, die Eisernen reisen zum FC Carl-Zeiss Jena und die Kölner sind in Berlin, im Olympia-Stadion gegen den BFC Dynamo gefragt.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Parensen, Reichel (72. Lenz) – Prömel, Schmiedebach, Hartel (90. Kroos) – Hedlund, Andersson, Redondo (66. Gogia)

1. FC Köln:
T. Horn – Risse, Sobiech, Czichos, J. Horn – Hector, Schaub, Clemens (78. Zoller) – Drexler, Hauptmann (85. Guirassy) – Cordoba (60. Terodde)

Schiedsrichter: Daniel Schlager, Sven Waschitzki, Tobias Reichel, Arne Aarnink (4. Offizieller)
Zuschauer: 50 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Clemens (41.), 1:1 Andersson (69.)

Was auch 2017 erreicht wurde, hoffnungsvoll auf ins Neue Jahr

Ein Kommentar vor Christian Zschiedrich. Foto: Sportick

Das gilt auch für Berlins Fußballvereine, so unterschiedlich der Leistungsstand mit ins Jahr 2018 genommen werden muss. Hertha BSC z.B. war in den letzten Jahren in der Hinrunde stets besser als in der zweiten Hälfte. Doch das gilt nicht mehr. Das kann und wird hoffentlich diesmal anders sein. Bei 18 Vereinen heißt die Halbzeitmarke 17 Spiele (gegen sich selbst kann nicht gespielt werden). In der 2. Bundesliga hatte die Rückrunde bereits begonnen. Das stehen bereits 18 Spiele zu Buche. Das Aufstiegsziel des 1.FC Union konnte 2017 als Tabellensechster mit 26 Punkten nicht untermauert werden. Prompt musste Trainer Jens Keller gehen. Gegen Dynamo Dresden 0:1 und gegen Ingolstadt 1:2 wurde es mit dem „Neuen“ Andre‘ Hofschneider mit Geschenken an Gegner leider nicht besser. In den letzten Jahren spielte Union überwiegend eine bessere Rück- als Hinrunde. Die Hoffnung stirbt stets zuletzt. Zwei Bundesligavereine in der Eliteliga würde unserer Haupt- und Weltstadt gut zu Gesicht stehen. In beiden Ligen gibt es je zwei Absteiger und Platz Nr. 16 ist der Relegationsplatz. Aber warum denn immer nach unten schauen (liebe Hertha). In Liga Eins geht es oben um die Deutsche Meisterschaft und ums internationale Geschäft. In Liga Zwei gibt es 2 Aufsteiger und der 3. spielt in der Relegation. Unions Rückstand auf den 2.Platz sind 7 Punkte – machbar bei der 3-Punkte-Regelung. Es ist also noch alles drin. Ob Auf- oder Abstieg das gilt für alle Berliner Vertreter in allen Klassen. In der 3.Liga gibt es keinen aus Berlin. Im Oberhaus kann Hertha BSC natürlich auch nach oben schauen – schauen(!) ja. Mein Diskussionspartner aber wendet prompt ein: „Willst du mich verscheißern!“ Zum Glück hatte Hertha 24 Punkte, Tabellenzehnter) in den letzten beiden Spielen, (3:1 gegen Hannover und 3:2 gegen RB Leipzig) mit viel Dusel gewonnen. Nicht auszudenken, wenn …  Denn die Mannschaften unter Hertha haben sich (sogar Köln)  nicht aufgegeben. Es ist wohl realistischer vorsichtshalber nach unten statt nach oben zu schauen, so deprimierend es für Berliner auch sein mag. Stets nur Mittelmaß zu sein und obendrein äußerst schwache Angriffsleistungen zu bieten, kann keinem befriedigen. Und wie sieht es in der Regional- und Oberliga aus?

Alles spricht oben für den Alleingang und Wiederaufstieg von Energie Cottbus, 50 Punkte und ein Super-Torverhältnis 47:5 bei einem 16-Punkte-Vorsprung vor dem Zweiten BFC Dynamo. Auf Platz 6,7 und 8 folgen Berliner. Viktoria 89 (27 P.), Berliner AK (26 P.) und Hertha II (25 P.). Aufsteiger VSG Altglienicke möchte die Klasse halten. Mit 22 Punkten besteht auf Relegationsplatz 14 Zuversicht.

In der Oberliga setzte sich Optik Rathenow auch an der Spitze mit 9 Zählern Vorsprung (42 P.) vor Lichtenberg 47 (36 P.) ab. Punktgleich ist Tennis Borussia (3.) mit ebenfalls 36 Punkten. Die Borussen-Anhänger nahmen nach dem Trainerwechsel die positive Trendwende und Aufholjagd ihrer Mannschaft wahr. Wahrscheinlich aber ist, in diesem Jahr wird es wohl nicht zum Aufstieg reichen. FC Hertha 03 (32P.) Fünfter, Aufsteiger SC Staaken (beachtliche 27 P.) spielt eine gute, total ungefährdete Rolle. Unterm Strich rangiert nur Hertha 06 (15., 14 P.)) Aber der Abstand zum 1.FC Frankfurt beträgt nur einen Punkt. Wer jedoch wird aus der Berlin-Liga aufsteigen. Meine Vorhersage: Blau-Weiß 90.

Christian Zschiedrich

Brisantes Ostderby

Die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Dresden war doppelt so gut besucht wie gewöhnlich und dauert fast so lange, wie eine Halbzeit. Die Fragen den Trainerwechsel betreffend wurden aus Sicht von Andre Hofschneider beantwortet. Es gab nicht nur Fragen zum bevorstehenden Spiel. Am Sonntagabend wurde seine Bereitschaft abgefragt und am Montag, früher Vormittag, bekam er Bescheid. Hofschneider, der 1979 als 10jähriger zur Nachwuchsabteilung des 1. FC Union wechselte und 1988 sein erstes Spiel im Männerbereich, in DDR-Oberliga bestritt. Am 10. Juni war er 18 Jahre alt geworden und am 3. Dezember bestritt er sein erstes Spiel für die Eisernen. Der Gegner hieß Dynamo Dresden.
So heißt der Gegner wieder- fast auf den Tag genau – 29 Jahre später, Dynamo Dresden. Es ist ein brisantes Ost-Derby. Unions „Neu-Trainer“ und Dresdens Coach Uwe Neuhaus trugen von 2007 bis 2014 gemeinsam Verantwortung. Auf die Frage, ob es seit Montag Kontakt zwischen beiden gegeben hat antwortete Hofschneider: „Wir haben am Montag miteinander telefoniert,… man kann ja über anderes reden als über Fußball.“
Dynamo Dresden kommt mit der Empfehlung zweier Siege (auswärts 3:1 in Düsseldorf) und zuletzt daheim gegen Aue 3:0, in die restlos ausverkaufte „Alte Försterei“. Auf den Effekt des Trainerwechsels bei den Eisernen darf man gespannt sein. Die Zeit war bisher zu kurz, um grundlegende Sachen zu ändern. Steven Skrzybski könnte in die Startformation zurückkehren und Akaki Gogia (Ex-Dresdner) zunächst die Bank drücken. Ein Fragezeichen steht noch bei Marcel Hartel. Besonderes Augenmerk wird Hofschneider auf die Abwehr legen. Die zuletzt aufgetretene Gegentorflut muss eingedämmt werden, große personelle Alternativen sind dafür nicht gegeben. Fabian Schönheim ist verletzt, so werden wieder Marc Torrejon und Toni Leistner die Innenverteidigung bilden. Auf den Außenpositionen in Viererabwehrkette werden Christopher Trimmel und Kristian Pedersen spielen. Hier stellt sich Frage, ob sie wieder bei eigenem Ballbesitz so weit aufrücken werden, wie unter Keller. Daraus resultierte eine auffallende Anfälligkeit für Konter.
Mit Dynamo Dresden begann die Spielerkarriere des Andre Hofschneider und mit dem selben Verein beginnt nun seine Laufbahn als Fußball-Lehrer. Als Spieler kassierte er damals eine 1:3 Niederlage, vielleicht kann er das als Trainer besser machen.
Die Partie beginnt um 13:00 Uhr und als Leiter wurde Bastian Dankert bestimmt, der brachte den Eisernen in dieser Saison schon einmal Glück. Er leitete die Partie am 4. November, Union gewann knapp und glücklich gegen St. Pauli, die haben, so ganz nebenbei auch den Trainer gewechselt.
Hans-Peter Becker

Ein Wochenende mit „historischen“ Entscheidungen, Union im Vergleich zu Hertha

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Sportick

In Dortmund bekam Trainer Peter Bosz eine Gnadenfrist, während in Wolfsburg mit Martin Schmidt der vierte Trainer – in den letzten zwölf Monaten – für Andries Jonker kam und in Bremen Alexander Nouri seinen Hut nehmen musste. Ja, dass in München die Bayern die Reißleine frühzeitig zogen, Carlo Ancelotti vor die Tür setzten passte gar nicht so ins Bild. Dort hat der Trainerwechsel was gebracht. Oft ist es der Griff nach dem berühmten Strohhalm ohne dauerhafte Verbesserung. In Köln herrscht, verständlich Endzeitstimmung. Viele meinten bereits beim Abgang von Sportdirektor Jörg Schmadtke, Stögers Uhr sei abgelaufen. Die Trennung vom beliebten Trainer in Köln war an diesem Wochenende, nach 1.634 Tagen, der ordentlichen Leistung, trotz  der Verletztenmisere beim beachtlichen 2:2 gegen Schalke in Gelsenkirchen nicht erwartet worden. Es zeichnete sich ab, wegen der miesen Ausbeute, nur 3 Punkte in 14 Spielen. Peter Stöger wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Da halfen all seine Erfolge, Köln wieder in die Eliteliga und sogar in den Europa-Pokal geführt zu haben und seine anerkannte Arbeit nichts. Die Ära Stögers wurde beendet. Ob sich der Verein das wirtschaftlich erlauben kann, das spielt wohl eine untergeordnete Rolle. Zum Glück ist die Trainerfrage in Berlin bei Hertha BSC nicht gestellt. Wer Pal Dardai abschießen will, müsste gleich selbst das Weite suchen. Berlin ist nicht betroffen.

Völlig überraschend wurde Jens Keller beim 1.FC Union „in die Wüste geschickt“. Ich stimme völlig mit dem Kommentar von Hans Peter Becker zu den Hintergründen überein. Natürlich hat Jens Keller seine Verdienste. Er stand angeblich sogar unmittelbar vor einer Vertragsverlängerung und wurde noch vor Weihnachten geschockt. 3:4 in Heidenheim, 3:3 gegen Darmstadt und nun 1:2 in Bochum waren am aktuellen Anspruch gemessen zu wenig. Ich bin gespannt, ob in den zwei Heimspielen gegen Dynamo Dresden und anschließend gegen Ingolstad,sich die Mannschaft besinnt. Kann der bisherige U19-Trainer Andre‘ Hofschneider neue Impulse setzen und den Abwärtstrend stoppen? So ganz unmöglich wäre das mit Jens Keller vielleicht auch nicht gewesen.

Christian Zschiedrich

Der 1. FC Union feuert den Trainer – die Gesetze der Branche

„Jens Keller und Henrik Pedersen gebührt unser Dank für die hier geleistete Arbeit. Sie haben hier sichtbar Akzente gesetzt und wichtige Entwicklungen vorangetrieben. Wir wünschen beiden viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg.“ Dieses Zitat aus der offiziellen, von Pressesprecher Christian Arbeit verschickten Presseerklärung sei diesem Kommentar vorangestellt. Der 1. FC Union entläßt den bisher erfolgreichsten Trainer der jüngeren Vereinsgeschichte. Die Niederlage in Bochum war das 16. Spiel von 34, bisher wurden 28 Punkte geholt, soviel wie noch nie zu diesem Zeitpunkt einer Saison seit dem Aufstieg 2009. Sein eigenes Ergebnis hat Keller im Vergleich zum Vorjahr sogar um einen Punkt übertroffen. Die Reaktion des geschassten Trainers, nachzulesen auf dem Internetportal ran.de:  „Ich bin geschockt und kann es nicht verstehen…Wir waren in der vergangenen Woche noch in guten Gesprächen über einen neuen Vertrag.“

Jens Keller Foto: Hans-Peter Becker

Die Tendenz in den vergangenen Wochen zeigte nach unten, nur ein Sieg (das 1:0 gegen St. Pauli) sprang aus den letzten sechs Spielen heraus. Traute man Keller eine Trendwende nicht mehr zu oder waren es gar persönliche Gründe ? Eigentlich gibt es nur einen Grund für eine vorzeitige Trainerentlassung, wenn das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nachhaltig gestört ist. Einige Indizien dafür könnten herangeführt werden. Da sind die Äußerungen von Steven Skrzybski, das Union-Eigengewächs ist unzufrieden mit seiner Reservistenrolle.

Der Trainer setzte auf eine eingespielte Mannschaft und änderte wenig an seinem taktischen Grundkonzept. Dem Beobachter beschlich das Gefühl, dass die Gegner mehr und mehr wussten, was die Mannschaft im Spiel vorhat.

Unter den Anhängern der Eisernen gehen die Meinungen weit auseinander, von „richtig so“ bis „war das nötig“.
„Im ersten Augenblick bin Ich enttäuscht. So schnell übereilt zu handeln ist unserer nicht würdig. Dieser Krampf aufzusteigen verdirbt den ganzen Verein und das Umfeld. Danke Jens und Henrik für eure Arbeit.“ Oder diese Äußerung: „Ich kann nur den Hut ziehen vor dieser Entscheidung der Führungsetage, Zeigt es mir doch, dass da Leute mit klaren Zielen sitzen und nicht lange rumeiern.“

Fußball, selbst in der zweiten Liga, ist ein Millionengeschäft, bei dem vielen Geld, nicht nur bei dem bereits investierten, auch bei dem in Aussicht stehenden, wird man schnell nervös und dann greifen sie, die Gesetze der Branche. Der 1. FC Union macht da keine Ausnahme.
Hans-Peter Becker