Hertha rettet sich

Um ehrlich zu sein, auch der Kommentator gehörte zu den Skeptikern, was die Chancen der „Alten Dame“ für das Rückspiel in Hamburg anging. Das Fünkchen Hoffnung näherte sich rein aus der Tatsache, dass lediglich ein einziges Tor aufzuholen war. Zudem äußerte mein Kollege Frank Toebs:“Fußball ist ein verrückter Sport und man hat schon die tollsten Dinge erlebt.“ Wir hatten beide kurz zuvor das Endspiel um den Berliner AOK-Pokal gesehen, als der VSG Altglienicke durch gleich zwei Treffer in der Nachspielzeit der Sieg entrissen wurde.

Hertha versuchte ein schnelles Tor zu erzielen, ging, wie man so sagt, sofort vorne drauf. Erzwang gleich einen Eckball und nach nur vier Minuten war der Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht. Besser ging es nicht. Hertha Kapitän Boyata und Belfodil stiegen gemeinsam zum Kopfball hoch, vielleicht wurde der HSV Keeper dadurch leicht irritiert, das Ding war drin. Die Stimmung Volkspark gleich einmal etwas eingefroren und den HSV zum Nachdenken gebracht.

Mit zunehmender Spieldauer zeigten die aufgebotenen Herthaner eine in dieser Spielzeit selten gesehene mannschaftliche Geschlossenheit. Da ackerte einer für den anderen. Zu erwähnen ist, dass Kevin-Prince Boateng fast das gesamte Spiel absolvierte und seinen Beitrag als „agressiv-leader“ auf dem Platz ausfüllte. Er sah nach 30 Minuten die erste Gelbe Karte des Spiels.

Die Abwehr stand sicher, vor allem der im Hinspiel so schmerzlich vermisste Ascacibar räumte als einziger Sechser konsequent vor Abwehr auf. Auf den Außenverteidiger-Positionen ließen die beiden Routiniers Pekarik und Plattenhardt wenig zu. Im Tor hatte Christensen nicht allzu viel zu tun. Am Ende zählte die Statistik 10 Torschüsse für den HSV. Davon waren lediglich zwei richtig gefährlich.

Ähnlich verhielt es sich für den HSV-Keeper Heuer Fernandez. Der musste allerdings in der 63. Minute erneut den Ball passieren lassen. Diesmal war es ein direkt verwandelter Freistoß von Plattenhardt. Halblinks, ziemlich spitzer Winkel, direkt mit Schnitt auf das Tor gezirkelt, was für ein Traumtor vor der Tribüne, wo sich die ganz beinharten HSV versammeln. Die endgültige Entscheidung verpasste Jovetic, der frei auf den Torwart zulaufen konnte, leider zu zentral abschloss.

Nach einer über sechsminütigen Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Aytekin die Partie und somit war es amtlich. HSV Ikone Felix Magath hatte seine Mission erfüllt. Zudem bleibt sein Nimbus, als Trainer niemals abgestiegen zu sein, weiter erhalten.

Hertha bleibt das Schicksal eines erneuten Abstiegs erspart und der HSV muss einen neuen Anlauf nehmen. Hinzu kam die Tragik des aktuellen HSV Spielers Jonas Meffert. Er scheiterte bereits zum dritten Mal in der Relegation. 2015 mit dem Karlsruher SC, pikanterweise am HSV, er war es, der das umstrittene Handspiel begangen haben soll, das zu dem Freistoß führte, der das entscheidende Tor für den Verbleib in der Bundesliga ermöglichte. Im vergangenen Jahr 2021 verlor er als Spieler von Holstein Kiel gegen den 1. FC Köln, der Rest ist bekannt.

Berlin darf sich in der kommenden Saison wieder auf ein Stadtderby freuen, Hamburg auch und Felix Magath will Holzhacken gehen.

Hans-Peter Becker

Berliner Siege im Profifußball und Herthino an der Alten Försterei

Beim 1. FC Union wird die Pfanne immer heisser. Der Sieg am Freitagabend des 24. Spieltages in Kiel könnte ein Meilenstein bedeuten, vorübergehend Platz zwei in der Tabelle, der HSV könnte im Falle eines Sieges wieder vorbeiziehen. Ein verdienter Erfolg bei einem Mitbewerber, wenn auch Kiels Trainer emotional Probleme hatte die Niederlage zu akzeptieren und beim TV-Interview vergessen hatte sein Gehirn einzuschalten.

Der Sieg der Eisernen war verdient, sie hatten die bessere Tagesform. Der nächste Gegner wird am kommenden Freitag, 8. März – in Berlin ein Feiertag – die von Jens Keller trainierten Ingolstädter. Die brauchen dringend Punkte für den Klassenerhalt.

Einen Tag später machte es Hertha eine Klasse höher den Eisernen nach und siegte im Heimspiel gegen Mainz. In der ersten Halbzeit lief es garnicht, offensichtlich hat die Kabinenpredigt von Pal Dardai seine Wirkung getan. Hertha traf drei Mal, glücklicherweise nur einmal in das eigene Tor. Die selbstgemachte Führung durch ein Missgeschick von Niklas Stark, war die Initialzündung. Zunächst sorgte MarkoGrujic für den Ausgleich und der Eigentorschütze besorgte den Siegtreffer. So hatte das sehenswerte Eigentor von Niklas Stark ausser dem Spot der Mannschaftkameraden keine negativen Auswirkungen.

Das wäre doch was, mal wieder ein Derby zwischen Rot und Blau in Berlin. Es wäre ein Novum in der Bundesliga. Nach Hamburg und München, wäre Berlin die dritte Stadt mit zwei Vereinen die gleichzeitig in der ersten Liga gespielt haben. Am 28. Februar veröffentlichte die Medienabteilung von Hertha BSC ein Video, wo das Maskottchen Herthino vor dem Stadion in Köpenick zu sehen ist. Verbunden mit den allerbesten Wünschen für den Aufstiegskampf. „Wir freuen uns auf Euch.“

Beim 1. FC Union mag man sich gewundert haben, das Video endet mit dem Siegtreffer – ein Freistoß von Ronny – beim letzten Zweitliga-Derby in der Alten Försterei. Mal sehen ob sich die Eisernen mit einem Video revanchieren werden, verbunden mit den aller Wünschen im Kampf um die internationalen Plätze.

Hans-Peter Becker

Berliner Profi-Fußball – Niederlage und Unentschieden

Der 1. FC Union quälte sich am Freitagabend zu einem Unentschieden. Ein Tor war zu wenig gegen die wiedererstarkten Arminia aus Bielefeld. Die erste Halbzeit war in Ordnung, da fiel auch das Tor durch Joshua Mees. In der zweiten Hälfte verloren die Eisernen den berühmten Faden und kassierten folgerichtig den Ausgleich durch Jonathan Clauss. Arminia blieb am Drücker und war dem Siegtreffer näher als die Haussherren der Wuhlheide. Es blieb dabei, die Heimspiele gegen Bielefeld werden nicht verloren. Ein Punkt kam auf die Habenseite und er könnte wertvoll sein. Sitzenreiter HSV verlor überraschend in Regensburg, insofern wurde sogar ein Punkt gutgemacht.

Arminia Bielefeld, jetzt unter der Anleitung des Ex-Union Trainers Uwe Neuhaus, der einst die Eisernen von der Regionalliga bis in die zweithöchste Spielklasse führte, ist im Vergleich zur Hinrunde nicht wiederzuerkennen. Der Wintertransfer, die Rückholaktion von Reinhold Yabo hat die Qualität der Mannschaft gehoben. In dieser Form werden sie die Klasse halten. Ob es in der nächsten Saison wieder ein Punktspiel beim 1. FC Union geben wird ? Die Sasion ist noch lang, 11 Spiele bis Ultimo, jetzt nicht nervös werden, von Spiel zu Spiel denken und schauen, was am Ende raus kommt.

Der Kampf um die begehrten Plätze 1 bis 3 dürfte bis zum Schluss spannend bleiben. Weder der HSV, noch die Kölner machen aktuell Anstalten, sich deutlich von der Konkurrenz abzusetzen. Die Teams bis Platz 7, den nimmt jetzt der SC Paderborn als Aufsteiger ein, sind nach 23 absolvierten Spieltagen noch in der Verlosung. Die Saison in der 2. Bundesliga verläuft spannender als gedacht. Der nächste Prüfstein für die Köpenicker wird Holstein Kiel sein. Der letztjährige, gescheiterte Relegationsteilnehmer liegt nur zwei Punkte hinter den Eisernen in Lauerstellung.

Einen Tag später war die Alte Dame aus dem Olympiastadion beim FC Bayern zu Gast. Sie zogen sich mehr als achtbar aus der Affäre. So darf man verlieren. Die Münchner waren nicht unbedingt besser, es war eine gehörige Portion Bayern-Dusel nötig, den knappen 1:0 unter Dach und Fach zu bringen. In Dortmund reagierten sie auf die unterbleibene Schützenhilfe, siegten im Spitzenspiel gegen Leverkusen und haben wieder drei Punkte mehr als die Bayern.

Was gelingt der Wundertüte Hertha BSC noch in dieser Saison. Die nächsten Gegner Mainz und Freiburg hören sich machbar an, bevor Borussia Dortmund nach Berlin kommt. Die Stimmung bei der Hertha ist besser als das letzte Ergebnis.

Hans-Peter Becker

Sieg in letzter Minute

Es war zu Beginn des Spiels ruhig im Stadion. Die Fans aus Kiel und Berlin protestierten gegen die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung des im Profi-Fußball. Es war schon gespenstisch, ein fast ausverkauftes Stadion und man hört die Kommandos auf dem Platz. Es gab in dieser Phase einige torgefährliche Aktionen, die nur durch ein Raunen begleitet wurden.

Das Spiel des 7. Spieltages zwischen dem 1. FC Union und dem Kieler Sportverein Holstein war ein typischer Zweitliga-Fight, indem sich beide weitgehend neutralisierten. Urs Fischer hatte die Eisernen in der Startaufstellung gegenüber dem letzten Auftritt in Bielefeld auf drei Positionen verändert. In der Abwehr spielte Christopher Lenz – war in der vergangenen Saison nach Kiel ausgeliehen – für Ken Reichel. In der Offensive wurden Felix Kroos und Marcel Hartel durch Robert Zulj und Simon Hedlund ersetzt. In der ersten Halbzeit kamen die Eisernen schwer in die Partie, hatten zwar gleich mit dem ersten Angriff durch Akaki Gogia, der eine Flanke verpasste, eine gute Möglichkeit. Das war es dann bis zur 44. Minute, als durch einen Freistoß Gefahr vor dem Kieler entstand.

In der zweiten Hälfte kamen die Gastgeber, die am Dienstagabend immerhin 20.879 Zuschauer ins Stadion gelockt hatten, besser in das Spiel. Union erarbeitete sich ein Chancenplus, es fehlte zu oft die letzte Präzision. In der 75. Minute gab es tosenden Applaus. Sebastian Polter wurde für Sebastian Andersson eingewechselt. Nach sieben Monaten Genesungszeit war er wieder da. Es stand immer noch 0:0, fast wäre Polter mit seiner ersten Ballberührung gleich ein Treffer gelungen. Das fand der Fußball-Gott zu kitschig. Es sah verdammt nach einer Nullnummer aus, da erhob sich doch noch der Torjubel über der Wuhlheide. Die 90 Minuten regulärer Spielzeit waren fast vorbei, da landete der Ball im Tor. Grischa Prömel erwischte einen zunächst abgewehrten Ball. Es gab noch eine Kleinigkeit, vier Minuten Nachspielzeit und es fiel ein weiterer Treffer und was für einer. Polter wurde von Marcel Hartel bedient und beim Versuch, den Ball am Kieler Torwart vorbeizulegen schien die Chance vorbei, der Ball wird nicht richtig geklärt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert gehen kann. Per Fallrückzieher durch Polter landete der Ball im Tor. Was für ein Comeback, der Fußball-Gott wollte es nach allen Regeln der Kunst.

Der 2:0 Sieg war wohl ein Tor zu hoch ausgefallen, aufgrund der Steigerung in der zweiten Halbzeit geht er in Ordnung. Kiels Trainer Tim Walter dagegen war in der Pressekonferenz noch „angefressen“. „Es ist einfach Scheisse, wenn Du so verlierst.“ Beim Fußball zählen nur die Tore und da hatten die Eisernen die Nase vorn. Während die Kieler nicht allzu viel Zeit haben werden, um die Niederlage zu verdauen, nächstes Spiel bereits am Freitag, 28.09. zu Hause gegen Darmstadt, haben die Eisernen bis Montag, 01.10. Zeit sich auf die nächste Aufgabe, auswärts in Ingolstadt, vorzubereiten.

Hans-Peter Becker

  1. Fußball-Bundesliga 7. Spieltag 25.09.2018 18:30
  2. FC Union Berlin – Holstein Kiel 2:0
    1:0 90.Min Grischa Prömel
    2:0 90.+1 Min Sebastian Polter

  3. FC Union Berlin spielte mit:
    Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Hübner, Lenz – Prömel, Schmiedebach Zulj – Hedlund (70. Hartel), Andersson (76. Polter), Gogia (86. Ryerson)

Die Eisernen in der englischen Woche

Nach dem Spiel ist gleich wieder vor dem Spiel. Mit dem 1:1 in Bielefeld am 6. Spieltag bleiben die Eisernen in der Saison weiter ungeschlagen. Es war eine zähe Auseinandersetzung, hier trafen zwei gut organisierte Mannschaften aufeinander. Beide Trainer, die sich übrigens aus der Schweizer Liga gut kennen, verfolgen die selbe Philosophie. Zunächst muss die Null stehen, geordneter Spielaufbau und vor dem gegnerischen Tor die entscheidenden Zweikämpfe gewinnen. Erreicht werden soll dies, durch Kontinuität in der Mannschaftsaufstellung. Während Jeff Saibene sieben Feld-Spielern, neben Torwart Daniel Ortega konstant vertraute, sind es bei Union Trainer Urs Fischer sogar acht.

Bereits am Dienstag, 25. 09. geht es für die Eisernen in der Liga weiter. Gegen Holstein Kiel wollen sie ihre Serie weiter ausbauen, als einzige Mannschaft der 2. Bundesliga ist der 1. FC Union noch ohne Niederlage. In der vergangenen Saison gab in der Alten Försterei ein Freak-Spiel, es fielen sieben Tore, am Ende siegten die Berliner mit 4:3. In dieser Saison scheint solch ein Spielverlauf ausgeschlossen, einen Sieg würden sie gern wieder einfahren.

Bei den Unionern sind keine größeren Veränderungen in der Startelf zu erwarten. Simon Hedlund, der in Bielefeld eingewechselt wurde, könnte in der Startelf stehen. Größere Verletzungssorgen gibt es im Lager Eisernen nicht. Nach wie vor nicht einsatzfähig sind Fabian Schönheim, Marc Torrejon, Joshua Mees und Suleiman Abdullahi. Bei den Kielern fehlen Steven Lewerenz, Kingsley Schindler und Aaron Seydel. Das Spiel wird am Dienstag, 25.09. um 18:30 im Stadion „An der Alten Försterei“ angepfiffen. Leiter der Partie wird erneut Benjamin Cortus sein, vielleicht ein gutes Omen. Er pfiff bereits die Partie am 1. Spieltag, der 1. F C Union gewann mit 1:0 gegen den FC Erzgebirge Aue.

Hans-Peter Becker

 

Eisern den Klassenerhalt gesichert

Nach dem Schlusspfiff war der Jubel groß. Nach fast 3 Monaten konnte in der Alten Försterei mal wieder  ein Heimsieg bejubelt werden. Zuletzt gelang es am 24. Februar beim 2:1 gegen den SV Sandhausen. Gegen den VfL Bochum gelang im letzten Heimspiel der Saison sogar ein Treffer mehr. Auf der Anzeigetafel prangte das Schlussergebniss von 3:1. Damit sind für die Saison 2017/18 alle Messen gesungen. Die Eisernen werden, wie gehabt seit dem Aufstieg im Jahre 2009, die Saison jenseits von Gut und Böse beschliessen. Ein Spiel steht noch aus, am 34. und somit letzten Spieltag empfängt Dynamo Dresden die Wuhlheider zum Ost-Derby. Für Dresden könnte ein Punkt zu wenig sein, zum Glück geht es ja für die Unioner um nichts mehr.

So ähnlich war auch die Konstellation vor dem Spiel gegen den VfL Bochum. Die Eisernen standen vor dem Abgrund und Bochum hatte eine minimale Chance auf den dritten Tabellenplatz. Holstein Kiel hätte dafür hoch in Düsseldorf gewinnen müssen. Der Mannschaft der Stunde, der Verein für Leibesübungen aus Bochum, merkte man mit zunehmenden Spielverlauf an, dass die letzten 3 Prozent an Einsatzbereitschaft fehlten. Union dagegen wirkte bissig, stellte sich sofort auf die Füsse des Gegners und erspielte sich einige Torchancen. Es dauerte bis zur 45. Spielminute, da konnte das erste Tor bejubelt werden.

Es war vor allem die Willensstärke, die die Hausherren dominieren ließ. Dazu kam das Glück im Spiel. Das 2:0 fiel durch ein Eigentor des Brasilianers Danilo Soares. Der linke Außenverteidiger der Bochumer wollte eine harmlose Flanke zu seinem Torwart köpfen, der entschieden hatte, die Torlinie zu verlassen. So konnten beide dem Ball nur noch hinterher gucken. Sollten sich die Bochumer für die zweite Halbzeit was vorgenommen haben, es war Makulatur, das Selbsttor fiel bereits in der 47. Minute. Die Eisernen rackerten weiter und mussten in der 86. Minute den Anschlusstreffer durch Lukas Hinterseer hinnehmen. Den Endstand stellte der Kapitän Steven Skrzybski her, der in der Nachspielzeit traf.

Zentner schwere Steine fielen nach dem Schlusspfiff, Erleichterung im Lager der Eisernen, die das Minimalziel der Saison erreicht haben. Die 3. Liga bleibt ihnen in der Saison 2018/19 erspart. Es gibt vieles auszuwerten, der Saisonverlauf entsprach so gar nicht den Erwartungen. In der Schlusstabelle der vorigen Spielzeit rangierte der 1. FC Union mit 60 Punkten auf Rang vier. Diese Punktzahl hätte ein Jahr später gereicht, um aufzusteigen. Dieses Ziel mussten sie spätestens Anfang März aufgeben. Über vieles, was in der Saison nicht gelaufen ist, wird zu reden sein. Der 3:1 Sieg über Bochum in der erst zum vierten Mal in dieser Saison ausverkauften „Alten Försterei“ kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Hans-Peter Becker

Kaiserslautern fordert die Eisernen

Ein Blick auf die Tabelle der 2. Liga zeigt, wie eng und verrückt es zugeht. Es geht rauf und runter. Der 1. FC Union muss am 25. Spieltag bereits am Freitagabend auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ran. Für den Tabellenletzten ist verlieren verboten, wenn die Hoffnung, in der nächsten Saison wieder in der 2. Liga zu spielen, weiter leben soll. Der 1. FC Union beteiligt sich am Schneckenrennen um Platz 3. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass keiner so richtig will.

Es ist für die Eisernen das 12. Auswärtsspiel in dieser Saison, nur 3 davon konnten sie gewinnen. In Kaiserslautern gelang noch nie ein Sieg. Trainer Andre Hofschneider machte in der Pressekonferenz vor der Abreise in die Pfalz einen entspannten Eindruck. Ihm steht fast der komplette Kader zur Verfügung, etwas mehr Sorgen hat da sein Kollege Michael Frontzek. Es wurde unter Woche viel im geheimen trainiert, dazu einige bisher gewohnte Abläufe verändert. Zudem sollten sich die Profis dazu äußern, was sie selbst wollen. Jetzt ist allerdings genug gequatscht, jetzt sollen Taten folgen. Mit dem kämpferischen Auftritt gegen den SV Sandhausen können sie zufrieden sein, jetzt geht es darum, diesen Eindruck erneut zu bestätigen.

Trotz der großen Entfernung werden an Freitagabend etwa 1.000 Fans der Eisernen in Kaiserslautern vor Ort sein. Viele werden mit dem extra organisierten Sonderzug fahren. Das wird ein zusätzlicher Ansporn sein. Mal ganz verrückt gedacht, sollte Union mit 4 Toren Unterschied und mehr gewinnen, würden sie sogar für eine Nacht auf dem Aufstiegsrelegationsplatz stehen. Am Freitag (2. März) können sie es probieren. Das Spiel wird um 18:30 Uhr im Fritz-Walter-Stadion von Schiedsrichter Sven Waschitzki angepfiffen werden.

Eine Prognose ist schwierig. Es könnte sein, das Lauter’n den Berlinern komplett die Initiative überlässt, um gefährliche Konter zu fahren. Sehr schmerzvoll musste das Holstein Kiel erfahren, die am 22. Spieltag mit 1:3 auf dem Betzenberg untergingen.

Hans-Peter Becker

Unentschieden in Kiel

Der 1. FC Union hat das Punktspieljahr mit einem Unentschieden eröffnet. Bei norddeutschen Schietwetter, im Wind und Regen von Kiel, endete die Partie mit 2:2. Gemessen an den Ansprüchen und den Ergebnissen der Konkurrenz hat sich die Ausgangsposition nicht verändert. Lediglich die Anzahl der noch zu absolvierenden Spiele und somit der Chancen hat sich um ein Spiel verringert. In den nun verbleibenden 15 Spielen und 45 zu vergebenden Punkten werden die Entscheidungen fallen. Die Mitbewerber um die Aufstiegsplätze Ingolstadt und Nürnberg kamen wie die Eisernen nicht über ein Unentschieden hinaus. Lediglich Düsseldorf kann den Vorsprung, im Falle eines Sieges über Aue vergrößern. Vorbeigezogen an den Eisernen ist vorübergehend Aufsteiger Duisburg, die überraschend im Ruhrpott-Derby in Bochum gewinnen konnten.

Dieses 2:2 in Kiel ist interpretationsfähig wie das zur Hälfte gefüllte Glas Wasser, halbvoll oder halbleer. Trainer Andre Hofschneider war nicht unzufrieden, wenn es zunächst auch brutal aussah, nach 19 Minuten bereits mit 0:2 hinten zu liegen. Doch die Eisernen kämpften und Steven Skrzybski schaffte in der 32. Minute den Anschlusstreffer. Die Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit muss allerdings Hofschneider einige Zornesfalten auf die Stirn getrieben haben. Hier hätten die Störche die Partie entscheiden können. Da hätten sie viel Glück. Dann kam es wie es kommen musste, David Kinsombi brachte den quirligen Simon Hedlund im Strafraum zu Fall. Er versuchte sein Foul geschickt zu tarnen. Der Schiedsrichter hatte es richtig gesehen. Tragischerweise war Kinsombi der letzte Mann und flog mit glatt Rot vom Platz. Den fälligen Strafstoß verwandelte Sebastian Polter zum insgesamt verdienten Ausgleich. Verdient deshalb, weil Union nie aufsteckte.

Es geht bereits am kommenden Freitag mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg weiter. Der Druck ist nach dem Unentschieden größer geworden, mehr als eine Punkteteilung muss beim ersten Heimspiel des Jahres herauskommen. Zudem warten die Fans jetzt bereits seit 6 Spielen auf einen Sieg. Die Ansprüche sind höher, als nur der Klassenerhalt.

Der 1. FC Union spielte mit folgender Aufstellung:
Mesenhöler – Trimmel, Leistner, Torrejon, Pedersen – Prömel, Kroos, Hedlund, Hartel (79. Hosiner) – Skrzybski, Polter 4-4-2 (Raute)

Zum Auftakt nach Kiel

Die aktuelle Saison in der 2. Bundesliga hält noch 16 Spieltage bereit. Die Chancen des 1. FC Union unter die besten 20 Mannschaften zu kommen sind weiter intakt. Vor dem Punktspielauftakt ins neue Fußball-Jahr belegen die Eisernen Tabellenplatz 6 und haben 26 Punkte auf die Habenseite gebracht. Beim Blick nach oben fehlen 7 Punkte für einen direkten Aufstiegsplatz. Diesen Platz mit 7 Punkten Vorsprung hält der nächste Gegner, ab 20:30 Uhr am kommenden Dienstag werden die Eisernen alles daransetzen, den Vorsprung zu verkürzen.

Das geht nur mit einem Sieg! Das Spiel in Kiel hat enorme Bedeutung. Der neue Trainer Andre Hofschneider hat in der Vorbereitung alles getan, um die Tendenz – 5 Spiele ohne Sieg (4 Niederlagen und 1 Unentschieden) – zu stoppen. War unter Jens Keller die Taktik mehr auf Balleroberung und daraus resultierende Konter ausgerichtet, so soll künftig die Spielweise mehr auf eigenen Ballbesitz beruhen. Auf der Position des Torhüters wurde gewechselt, zukünftige Nummer 1 wird Daniel Mesenhöler sein.

Die Chancen, aus Kiel was mitzunehmen stehen nicht schlecht. Die Störche aus Kiel sind ebenso seit 5 Spielen sieglos – 4 Unentschieden und 1 Niederlage – , dazu kommt, dass durch Verletzungen und Gelbsperren wichtige Spieler in der Abwehr fehlen. Innenverteidiger und Kapitän Rafael Czichos hatte im Spiel gegen Sandhausen die 5. gelbe kassiert, der andere Innenverteidiger Dominik Schmidt fehlt ebenso (Sperre wegen gelb-roter Karte) und der Leihspieler vom 1. FC Union Christopher Lenz (linker Außenverteidiger) laboriert an einer Verletzung. Dazu wurde in Kiel ein neuer Rasen verlegt. Vielleicht kommt das ja der neuen Spielweise der Eisernen entgegen.

Der 1. FC Union hat da weniger Sorgen. Fabian Schönheim ist verletzt, fällt leider für den Rest der Saison aus, nicht einsatzfähig sind Stephan Fürstner und Kenny Redondo. Bevor sich die Eisernen auf den Weg nach Kiel machten gab es die obligatorische Pressekonferenz vor dem Spiel. Andre Hofschneider betonte, dass er sich selbst keine Vorgabe gemacht hat, was die Anzahl der Punkte bis zum Saisonende betrifft. Zudem wies er darauf hin, das für das Erreichen eines Aufstiegsplatzes die Schützenhilfe anderer Vereine nötig ist. Sie werden alles versuchen in Kiel, unterstützt von über 2.000 Schlachtenbummlern. Wie immer gilt, der Ball ist rund und die Wahrheit liegt nur auf dem Platz.

Hans-Peter Becker

1. FC Union vor erstem Heimspiel

Hans-Peter Becker Foto: Sportick

Der 1. FC Union empfängt am 2. Spieltag Aufsteiger Holstein Kiel. Seit 1981 war die Mannschaft aus der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein nicht mehr Zweitklassig. 2015 waren sie in der Relegation in letzter Minute am TSV 1860 München gescheitert. In diesem Jahr hat es mit dem direkten Aufstieg geklappt. Am 1. Spieltag wurde ein Punkt gegen den SV Sandhausen erkämpft. Die Kieler treten ohne Illusionen die Reise in die Hauptstadt an. Die Rollen sind klar verteilt. Die Eisernen sind der haushohe Favorit. Alles andere als erneut 3 Punkte wäre eine Überraschung. „Wir wollen gleich im ersten Spiel anfangen das Union-Stadion zu einer Festung zu machen und 3 Punkte holen.“, eine deutliche Ansage von Trainer Jens Keller in der Pressekonferenz zum bevorstehenden Spieltag. Die Kieler sind hoch motiviert, leben von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, viel Räume werden sie nicht bieten. Eher werden sie versuchen das Aufbauspiel der Eisernen zu stören. Kiels Trainer Markus Anfang zollt den Berlinern großen Respekt. „Es ist eine tolle Herausforderung für uns, auf solche Spiele freust du dich in der 2. Liga. Wir werden versuchen alles abzurufen, möglichst da weitermachen, wo in der 2. Halbzeit gegen Sandhausen aufgehört haben. Sollte sich dann herausstellen, dass der Gegner auf Grund seiner individuellen Klasse besser war, dann ist das eben so.“
Bis auf Neuzugang Akaki Gogia stehen alle anderen im Kader für einen Startelf-Einsatz zur Verfügung. Jens Keller hat wieder die Qual der Wahl. Welche taktischen Umstellungen wird er vornehmen ? In Ingolstadt war es ein defensiver ausgelegtes 4-3-3 System, gegen Kiel wird das Spiel offensiver ausgerichtet sein. Auf Seiten der Kieler steht mit Abwehrspieler Christopher Lenz eine Leihgabe vom 1. FC Union Union und es könnte ein Wiedersehen mit Dominic Peitz geben, der immerhin 2 Jahre (2009-2011) die Töppen auch in der Wuhlheide schnürte. Die Fans fiebern dem Heimspielauftakt entgegen, der Heimbereich wird ausverkauft sein, so zwischen 1.000 bis 1.500 Fans der Störche werden erwartet, so dass der Kassierer sich über eine Einnahme aus etwas 21.000 verkauften Eintrittskarten freuen kann. Wie gewohnt gibt es wieder einige Probleme bei der Anreise. Die S-Bahn pendelt auf der Strecke nach Köpenick. Nach Lage der Dinge kann der Sieger nur 1. FC Union heißen, trotzdem, wie äußerte sich einst Sepp Herberger: „Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“
Hans-Peter Becker