Eine Art Endspiel – der HSV in der Wuhlheide

Der 31. Spieltag führt den Hamburger Sportverein weiter ostwärts nach Berlin in die „Alte Försterei“. Als sie das letzte Mal in Berlin ein Pflichtspiel zu absolvieren hatten, spielten sie noch eine Klasse höher und verloren am 28. 10. 2017 mit 1:2 im Olympiastadion. Beide wollen eine Klasse höher und der gastgebende 1. FC Union braucht einen Sieg. Ein Unentschieden würde mehr den Hamburgern helfen.

Es kribbelt, das Spiel ist seit Wochen restlos ausverkauft. Selbst auf der Pressetribüne muss zusammengerückt werden, ein Vorgeschmack auf eventuell kommende Erstligazeiten. Ein Spiel, das es lange nicht gab, für den 1. FC Union, es geht um viel. Keine einfache Situation, beide Vereine schwächeln, sind seit dem 26. Spieltag ohne Sieg. „Das wird ein Duell auf Augenhöhe,“ so lautete ein Statement vom Hamburger Trainer Hannes Wolf und ähnlich sieht es sein Kollege auf der Seite der Eisernen Urs Fischer.

Besondere Maßnahmen, wie Mannschaftshotel oder ähnliches soll es nicht geben, alles so normal wie immer, die Anspannung kommt von ganz allein. Im Kasten der Unioner wird wohl Rafal Gikiewicz stehen, der Kopftreffer aus dem letzten Spiel ist wohl ohne weitere Nachwirkungen geblieben. In der Innenverteidigung steht ein Fragezeichen hinter Florian Hübner, der an muskulären Problemen laboriert. Für den Ersatz stünden Michael Parensen und Marc Torrejon bereit. Der in Fürth geschonte Manuel Schmiedebach dürfte wieder in die Startelf rücken. Er ist allerdings mit neun gelben Karten belastet. Er könnte den Unterschied zum HSV beim Spielaufbau ausmachen. Urs Fischer erwartet den HSV als Mannschaft, die mitspielt und nicht nur kontern will. Das müsste den Eisernen entgegenkommen.

Im Sturmzentrum darf man gespannt sein, wie das Duell Pierre-Michael Lassoga gegen Sebastian Polter ausgeht. Hannes Wolf hat angekündigt, ein paar neue Varianten im Angriff geübt zu haben. Wie beim Auswärtsspiel in Köln, wird der HSV das Spiel in eine 4-1-4-1 Staffelung beginnen, während die Eisernen dem ein 4-3-3 entgegensetzen könnten. Oder hat sich Urs Fischer was ganz anderes ausgedacht ? Die Personalsituation ist in Hamburg etwas angespannter. In der Abwehr wird Kyriakos Papadopoulos vermisst und die Frage ist: Wie fit ist Aaron Hunt ?

Das Spiel am Sonntag, 28.04. wird unter der Leitung von Schiedsrichter Sascha Stegemann stehen. In dieser Saison sein erster Einsatz in der „Alten Försterei“. Er leitete allerdings bereits zwei Auswärtsspiele des 1. FC Union, in Heidenheim und Regensburg. Hoffen wir auf Spannung Fairness, es geht buchstäblich um die Wurst.

Hans-Peter Becker

Erstmals um Punkte beim HSV

Der 1. FC Union reist zum Auswärtsspiel ins Hamburger Volksparkstadion. Ein Spiel um Punkte hat es zwischen diesen beiden Mannschaften noch nie gegeben. Die Historie weist ein Spiel des HSV gegen einen der Vorgängervereine des 1. FC Union aus. Am 10. Juni 1923 standen im Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft Union Oberschöneweide und der Hamburger Sportverein gegenüber. Vor 64.00 Zuschauern im Deutschen Stadion in Berlin siegte der HSV mit 3:0 und holte erstmals in seiner Vereinsgeschichte die Meisterschaft. Von der deutschen Meisterschaft ist der HSV gerade weit entfernt, dafür muss erst einmal der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga geschafft werden. Ein wichtiger Schritt könnte das Spiel am Montagabend, 26.11. gegen den 1. FC Union werden. Mit einem Sieg wäre der HSV die punktbeste Mannschaft und würde die Tabellenführung übernehmen.

Mit den Eisernen kommt allerdings ein harter Brocken, die einzig ungeschlagene Mannschaft der Liga zum Duell. HSV Trainer Hannes Wolf brachte es so auf den Punkt: „Wir brauchen unser höchstes Level.“ Der größere Druck dürfte auch bei den Hamburgern liegen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass es um die Finanzen nicht so gut bestellt ist.  Bei einem weiteren Jahr in der zweiten Liga müsste es wohl drastische Einschnitte geben.

Der 1. FC Union kommt mit der Empfehlung über die beste Abwehr der Liga zu verfügen, nur acht Gegentore wurden zugelassen. Der HSV verzeichnet hier den zweitbesten Wert. Gemessen an erzielten Toren, nehmen sich beide nicht viel. Die Eisernen trafen bisher 19 Mal ins gegnerische Tor und der kommt auf 17 Treffer.

Bei der Mannschaftsaufstellung hat Urs Fischer wieder die Qual der Wahl. Nur Fabian Schönheim, Marc Torrejon und Christopher Lenz sind nicht einsatzfähig. Wird Grischa Prömel nach seiner Gelbsperre wieder in die Startelf zurückkehren ? Eine wichtige Frage stellt sich, wie kann der Hamburger Angreifer Pierre-Michel Lassoga gestoppt werden. Er musste am Sonntag das Training abbrechen, es könnte sein, dass er nicht spielen kann.

Im Stadion werden etwa 5.300 Unioner ihre Mannschaft unterstützen, darunter werden 150 Fans mit Handicap sein. Bleiben die Eisernen weiter ungeschlagen oder stürmt der HSV an die Tabellenspitze, diese Frage wird ab 20:30 am beantwortet werden. Eine Prognose ist schwierig, wer auf das Spiel wetten will, die Wahrscheinlichkeit eines Sieges der Eisernen liegt bei 24%, der HSV kommt auf 48%.

Hans-Peter Becker

1. FC Union – schwere Aufgabe beim VfB Stuttgart

Das Spiel des 1. FC Union am Montagabend beim VfB Stuttgart wird den 30. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga komplettieren. Fluch oder Segen, man weiß bereits wie die Mitbewerber gespielt haben. Hannover hat in letzter Sekunde in Aue den Ausgleich hinnehmen müssen und Braunschweig war mit 2:0 gegen den VfL Bochum erfolgreich. Ein Blick auf die Tabellenspitze ergibt ein illustres Bild. Hannover und Braunschweig haben nach 30 absolvierten Spielen 57 Punkte, getrennt nur durch das Torverhältnis. Ebenso 57 Punkte hat der VfB Stuttgart und Union, der momentane Tabellenvierte hat 54 Punkte, spannender geht es nicht.

Es stellt sich die Frage, wer hat den größeren Druck ? Für Unions Trainer Jens Keller ist die Frage klar, „Stuttgart muss und wir wollen aufsteigen.“ Man sollte das Spiel nicht höher hängen als nötig. Heimatliche Gefühle überkommen den gebürtigen Stuttgarter Jens Keller nicht. Große Verbindungen zu seinem Heimatverein, beim VfB wurde er Profi und bekleidete seine erste Trainerstelle, hat er nicht mehr. 2010 war er nach eigener Aussage, zum letzten Mal im Stuttgarter Stadion. Seine Geburtsstadt besucht er öfter, seine Mutter und sein Bruder wohnen dort.

Wollen die Eisernen einen oder sogar drei Punkte aus Stuttgart mitnehmen, müssen alle an ihre Grenzen und wohl etwas darüber hinaus gehen. Stuttgart ist eine Erstliga-Mannschaft. Auf einen Ex-Unioner Fußballgott werden sie besonders achten müssen. Die Rede ist von Simon Terodde. In dieser Saison hat er bereits 19 Tore für den VfB erzielt. Vielleicht ist es ein kleiner Vorteil, dass ein Großteil der Unioner die Eigenheiten ihres ehemaligen Mannschaftskameraden genau kennen. Größere personelle Sorgen haben beide Trainer nicht vor dem Spitzenspiel.

Von Stuttgarts Trainer Hannes Wolf war zu hören: „Wir wissen, dass wir die Lösungen finden können, um den Gegner zu schlagen. Dafür werden wir aber auch unsere beste Leistung brauchen. Union wird uns alles abverlangen“, und fügte an: „Die Berliner haben eine hohe fußballerische Qualität. Sie spielen mit hohem Tempo vorne rein. Was sie in dieser Saison leisten, ist bemerkenswert.“

Es wird ein enges Spiel werden. Neben dem spielerischen Können werden die Nerven eine entscheidende Rolle spielen. Die Eisernen können sich auf einen gut gefüllten Auswärtsblock freuen, der versuchen wird mit entsprechender Lautstärke ein Erfolgsfaktor zu sein. Sollte es ein Auswärtssieg werden, hätten alle vier Aufstiegskandidaten 57 Punkte auf dem Konto, mehr Spannung geht nicht mehr.

Hans-Peter Becker