Hertha gewinnt das erste Corona-Spiel

Selbst vor dem Fernseher war es gewöhnungsbedürftig. Es wirkte wie die Übertragung eines Spiels zur Saisonvorbereitung während eines Trainingslagers in einem Spartensender. Der Torjubel kam lediglich von den Akteuren und den Mannschaftsbetreuern. In Sinsheim jubelten nur die Gäste. Die Alte Dame aus der Hauptstadt gewann mit 3:0 und revanchierte sich für die Hinspielniederlage. Es war zudem der gelungene Einstand für den neuen Trainer.

In einem ausgeglichenen Spiel war Hertha effektiver und gewann nicht unverdient. Das Ergebnis war um ein Tor zu hoch. Egal, die Herthaner haben es gerne mitgenommen. In der Startformation setzte Bruno Labbadia auf den Faktor Erfahrung. Der unter Klinsmann fast aussortierte Ibisevic stürmte von der ersten Minute an und in der Abwehr verteidigten Plattenardt und Pekarik auf den Außenpositionen. Mit einer 4-2-3-1 Staffelung wirkte Hertha gut organisiert. Die erste Halbzeit ging ereignisarm und ohne Tore vorüber. Ein Doppelschlag in der 58. und 60. Minute brachte die Berliner in Front. Das 1:0 war ein erzwungenes Eigentor durch einen Schuss von Pekarik und das 2:0 besorgte Ibisevic per Kopf. Die Hoffenheimer drängten auf den Anschluss und vergaben zwei gute Möglichkeiten. In der 74. Minute machte Matheus Cunha mit einer Einzelleistung den Sack zu. Erst ein gekonntes Dribbling, dann der Abschluss aus spitzem Winkel, das war brasilianische Fußballkunst.

Für den Rest der Saison darf der Trainer statt drei ja insgesamt fünf Spieler auswechseln. Das volle Kontingent schöpfte nur der Berliner Trainer aus. Sein Hoffenheimer Kollege brachte vier frische Kräfte. Für das bevorstehende Derby gegen den 1. FC Union wurde mit dem fünften Auswärtssieg der Saison gehörig Selbstbewusstsein getankt. Mal sehen, wie die Eisernen gegen den FC Bayern bestehen. Wenigstens für einen Tag sind sie mit einem Punkt am Lokalrivalen vorbeigezogen.

Hans-Peter Becker

Startaufstellung Hertha BSC

Jarstein, Pekarik, Torunarigha, Boyata, Plattenhardt, Grujic, Skjelbred (ab 86. Ascacibar), Lukebakio (ab 79. Piatek), Matheus Cunha (ab 78. Maier), Mittelstädt (ab 90. Dilrosun), Ibisevic (ab 79 Ngankam)

Es geht weiter mit der Bundesliga

Die Deutsche Fußballliga (DFL) hat sich festgelegt. Einen Tag nachdem von der Politik grünes Licht gegeben wurde, soll es am 16. Mai 2020 mit dem 26. Spieltag weitergehen. Seit dem 8. März war die Saison unterbrochen, letztmals wurde am 11. März gespielt. Die Nachhol-Partie Gladbach gegen Köln war bereits ein Geisterspiel.

Die Bundesliga ist somit Vorreiter für die europäischen Fußballligen, sieht man mal von Weißrussland ab, wo die Saison seit 7 Spieltagen läuft, als wenn nichts wäre. Entweder wird die Bundesliga zum Krösus der Corona Zeit oder das Ganze endet in einem Desaster. „Jedem muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung. Ich erwarte von jedem, dass er dieser Verantwortung gerecht wird. Unser Konzept kann nur das Ziel haben, Infektionen frühzeitig zu entdecken.“ so äußerte sich Liga-Boss Seifert.

Zu klären ist noch ein Hygienekonzept für die Schiedsrichter, dafür ist der DFB zuständig. „Der DFB hat uns mitgeteilt, dass er die Umsetzung des Konzepts in die Hand nimmt. Das wird auch Testungen vor dem ersten Spieltag beinhalten.“, so die Aussage der DFL. Im Kölner Keller wird für die Videoassistenten umgebaut werden müssen. Bisher ist laut dem Fachmagazin Kicker kein Schiedsrichter auf Covid-19 getestet worden. Müssen sie, wie die Mannschaften, vor dem Spiel in Quarantäne ? Wer steht überhaupt zur Verfügung ? Können sie, wie üblich, einen Tag vorher anreisen ?

Unterzubringen sind weiterhin die Halbfinals, das Finale im DFB-Pokal und die Relegation. Es soll zudem möglich werden, dass statt 3 nun 5 Spieler ausgewechselt werden dürfen. Diese Regelung soll nur temporär für diese Saison gelten. Der Regelkomission (Ifab) wurde seitens der FIFA ein entsprechender Vorschlag unterbreitet. Die Vereine der Bundesliga 1 und 2 werden darüber kurzfristig entscheiden.

Für unsere Berliner Vertreter bedeutet das, Hertha spielt am Samstag, 16.05. in Hoffenheim und der 1. FC Union empfängt einen Tag später, Sonntag 18:00 Uhr den FC Bayern München in der Alten Försterei.

Soll man sich darüber freuen, endlich wieder Fußball schauen, wenn auch nur im Home-Office ? „Jedem muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung. Ich erwarte von jedem, dass er dieser Verantwortung gerecht wird. Unser Konzept kann nur das Ziel haben, Infektionen frühzeitig zu entdecken.“ Es geht nur so, daran müssen alle halten und bitte keine dämlichen Aktionen aus der Kabine oder dem aus dem Umfeld der Stadien.

Hans-Peter Becker