Die Eisernen schaffen auch die Borussia aus Gladbach

So langsam wird es unheimlich. Vor der Saison waren sie in der Wuhlheide etwas unzufrieden mit dem Spielplan ihrer Premierensaison. Die ersten zwölf Spiele hielten gleich einige Ligafavoriten parat. Gleich am ersten Spieltag stellte sich Champions-League Teilnehmer RB Leipzig vor und erteilte dem Neuling eine bittere Lehrstunde. Das blieb nicht folgenlos. Es ist erstaunlich wie schnell die Mannschaft aus den Fehlern lernte. Die Leidtragenden waren in den Heimspielen bisher der Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund, der ambitionierte Lokalrivale aus Charlottenburg und das Überraschungsteam aus Freiburg.

Anthony Ujah traf per Kopf zum 1:0 Foto © Hans-Peter Becker

Überraschend sind die guten Leistungen in der Abwehr, nur – muss man sagen – 17 Gegentore in 12 Spielen – dass ist kein schlechter Wert für einen Aufsteiger. Zum Vergleich, der große FC Bayern hat auch schon 16 kassiert. Aus der stabilen Abwehr funktioniert das Umkehrspiel immer besser. Das Selbstbewußtsein gegen die Gladbacher Borussia war groß, seit zwei Spielen waren sie ungeschlagen. Dass die Gladbacher als Tabellenführer angereist waren, zeigte sich lediglich in der Anfangsphase. In der 7. und in der 12. Minute hätte es einschlagen können, da war das Glück auf Seiten der Eisernen. Die Führung fiel in der 15. Minute, ein Lehrspiel für ein schnelles Umschaltspiel und das Schaffen von Überzahl vor dem gegnerischen Strafraum. Wie gegen Freiburg musste ein früher Vorsprung verteidigt werden und daran scheiterten die Gladbacher. Vom Tabellenführer kam mit zunehmender Spieldauer immer weniger. Dafür betrieben die Eisernen einen enormen Laufaufwand, über 126. 000 km in der Addition für die gesamte Mannschaft. Hinzu kommt, dass sie ihr Spielsystem mit einem 3-5-2 bei Ballbesitz und einem entsprechenden 5-3-2 weiter perfektioniert haben.

Im Spiel gegen Gladbach verteidigten sie situationsbedingt mit zwei Viererketten. Dafür ließ sich meist Felix Kroos in die Abwehrkette fallen, zwischen Neven Subotic, der nach außen ging, und Keven Schlotterbeck. In einer Situation sicherte Stürmer Anthony Ujah auf der rechten Außenbahn für seinen Kapitän Christopher Trimmel ab. Gegen diese Geschlossenheit werden noch andere Mannschaften in der Alten Försterei Probleme bekommen.

Gladbachs Manager Max Eberl sprach den Unionern ein Kompliment aus, „sie haben unseren Spielaufbau erfolgreich gestört.“ Marco Rose, Gladbachs Trainer sprach von einem insgesamt verdienten Sieg für den 1. FC Union. Sein Spieler Florian Neuhaus unterstrich diese Einschätzung, dass Union einfach alles „wegverteidigt“ hat. Unions Innenverteidiger Keven Schlotterbeck sah den Vorteil auch der Geschlossenheit, „wir haben heute gearbeitet wie die Tiere.“

Lange können sich die Eisernen über den Sieg und jetzt erreichten 16 Punkte nicht freuen. Bereits am kommenden Freitag, 29. November müssen sie auf Schalke antreten.

Hans-Peter Becker

Spieldaten Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

23.11.2019 Stadion An der Alten Försterei 15:30 Uhr

Ergebnis 2:0 (1:0)

1.FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Subotic – Trimmel, Kroos (71. Schmiedebach), Gentner, Lenz – Ingvartsen (87. Ryerson) – Ujah (77. Bülter), Andersson 3-5-2/5-3-2

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Lainer, Ginter, Elvedi (61. Strobl), Wendt – Neuhaus (58. Stindl), Kramer, Zakaria – Hermann, Plea, Thuram (77. Embolo) 4-3-3

Tore: 1:0 Ujah (15.), 2:0 Andersson (90.+1)

Zuschauer: 22.012

1. FC Union schafft die Sensation

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, der 1. FC Union erkämpfte sich mit dem Glück des Tüchtigen den ersten Sieg in der Bundesliga. Die Anzeigetafel kündete von der Sensation, der Championsleague Teilnehmer und Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund musste sich mit 1:3 in Berlin Köpenick geschlagen geben. Dortmunds Kapitän Marco Reus bekannte: „Wir haben uns dumm angestellt.“ Vielleicht wurden die Eisernen etwas unterschätzt. Sie agierten mit enormer Laufbereitschaft. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die Eisernen fast 7 km mehr liefen als die Dortmunder. War die Führung durch den Mann des Spiels Marius Bülter insofern glücklich, dass es den Eckball nicht hätte geben dürfen, der dem Treffer vorausging, so verdienten sich die Wuhlheider mit zunehmender Spieldauer den Erfolg.

Die Eisernen waren effektiv, nutzten als spielerisch unterlegene Mannschaft zwei Eckbälle und einen der wenigen Abwehrfehler der Dortmunder für ihre Tore. Union hatte lediglich 26 % Ballbesitz und dazu eine unterirdische Passquote von 64%. Mit diesen Werten kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen. Manchmal eben doch, wenn du, wie es Urs Fischer ausdrückte, eklig bist. Rennen bis zum Umfallen. Die Dortmunder ließen nicht viel zu, konnten aber mit ihrer Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer immer weniger anfangen. Den Kombinationen der Dortmunder fehlte es an Tempo und der letzten Präzision.

Urs Fischer brachte drei Neue für die Startelf, in der Innenverteidigung spielte Marvin Friedrich für den gesperrten Keven Schlotterbeck. Im defensiven Mittelfeld kam Manuel Schmiedebach für den verletzten Grischa Prömel zu seinem ersten Startelfeinsatz der Saison und im offensiven Mittelfeld begann Anthony Ujah für Suleiman Abdullahi. Die beiden Stürmer kamen nur selten zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sie waren meist der erste Wellenbrecher für Dortmunder Angriffsbemühungen. So glänzte Andersson als offensivster Spieler der Eisernen, neben seinem Tor zum 3:1 auch mit der zweitbesten Laufleistung im Spiel.

Marius Bülter – 2 Tore gegen Dortmund © Foto: Hans-Peter Becker

Zum Mann des Spiels avancierte bei aller Prominenz auf dem Rasen der Wuhlheide, ein eher unbekannterer Nachwuchsmann. So überraschend wie das Ergebnis, schnürte der Neuzugang und noch nicht so prominente offensive Mittelfeld-Akteur Marius Bülter einen Tore-Doppelpack. Er spielte in der Saison 2017/18 noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West und war erst vor wenigen Wochen mit dem 1. FC Magdeburg nach der Niederlage beim 1. FC Union aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Eine schöne Geschichte, die der Fußball hier geschrieben hat. Der 26jährige in Ibbenbühren geborene Bülter ist ein Spätstarter, hat keine Ausbildung in einem Fußball -Internat eines namhaften Clubs durchlaufen. Für diese Saison ist er vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen. Das Fußballmärchen erfährt hier noch eine Steigerung.

Es war kein Spiel für Fußballfeinschmecker, das wird An der Alten Försterei schwer zu realisieren sein. Es könnte den Weg aufzeigen, was in dieser Saison möglich ist. Immerhin hat der 1. FC Union bereits vier Punkte gesammelt, während der Rivale aus Charlottenburg mit einem lediglich einem Punkt eher in den Startlöchern hängen geblieben ist. Nach der Länderspielpause steht erneut ein Heimspiel auf dem Programm. Werder Bremen darf sich dann mit den Bedingungen und der Spielstärke des 1. FC Union auseinandersetzen.

Hans-Peter Becker

Erstes Bundesligator und Punkt

In der 80. Minute war es soweit, der kurz zuvor zusammen mit Sebastian Polter eingewechselte Sebastian Anderson erzielte das erste Bundesligator für den 1. FC Union. Es war der Ausgleich zum 1:1 und bis zum Schlusspfiff änderte sich an dem Spielstand nichts mehr. Ein Riesenklops im Aufbauspiel der Augsburger war der Torpremiere vorausgegangen. Jetzt hat der fünfmalige Nationalspieler Schwedens einen Ehrenplatz in der Vereinschronik der Eisernen sicher. Großen Anteil an dem Treffer hat auch Sebastian Polter, der zusammen mit Andersson in der 71. Minute eingewechselt wurde. Augsburgs Tin Jedvaj spielte den Fehlpass, Polter lief allein auf den Torwart zu und legte quer auf seinen Sturmpartner, der dann keine Mühe hatte, erfolgreich abzuschliessen.

Freudige Gesichter, das Unentschieden ist ein gefühlter Sieg für die Unioner. In der ersten Halbzeit war auf beiden Seiten die Verunsicherung nach den Klatschen zum Auftakt zu bemerken. Urs Fischer brachte vier Spieler in der Startaufstellung. In der Innenverteidigung spielte Neven Subotic für Marvin Friedrich, im offensiven Mittelfeld begannen Marcus Ingvartsen und Sheraldo Becker, zunächst als einzige Sturmspitze durfte sich Anthony Ujah versuchen. Christian Gentner konnte wegen einer Verletzung nicht spielen. Bei Ballbesitz sortierte sich die taktische Formation in einem 4-2-3-1 und gegen den Ball versuchten Ujah und je nach Situation einer der drei offensiven Mittelfeldspieler den ballführenden Augsburger anzulaufen, dahinter formierten sich zwei Viererketten. In der ersten Halbzeit wirkte Union in der Abwehr sehr kompakt, allerdings gab es kaum nennenswerte Aktionen vor dem Augsburger Tor. Die erste halbwegs brauchbare Torchance hatten die Berliner in der 27. Minute durch Ujah und in der 35. Minute verfehlte ein Schuss Marius Bülter nur knapp das Ziel.

Augsburg hatte bis zur Pause mehr vom Spiel. Insgesamt hielt sich spielerische Niveau im unteren Wertungsbereich auf. In der zweiten Hälfte stieg wenigstens der Unterhaltungswert. In der 48. Minute kam Union zu einer Konterchance, allerdings war der entscheidende Pass von Sheraldo Becker zu unsauber. Das erste Tor im Spiel fiel dann in der nach knapp einer Stunde Spielzeit durch den Schweizer U-21 Nationalspieler und Augsburger Neuzugang Ruben Vargas, der von der Vorarbeit durch Florian Niederlechner profitieren konnte. In der Abwehre konnte Keven Schlotterbeck das entscheidende Zuspiel von seinem ehemaligen Freiburger Mannschaftskollegen nicht verhindern.

Sebastian Andersson – Schütze des ersten Bundeligatores © Foto: Hans-Peter Becker

Die Berliner Bank reagierte auf den Rückstand. Zunächst kam Suleiman Abdullahi für den eher enttäuschenden Sheraldo Becker und ab der 71. Minute stellte Fischer im Angriff auf ein 4-2-2 um. Für Ujah kam Sebastian Polter und für Ingvartsen spielte Sebastian Andersson. Die Maßnahme wäre fast ins Auge gegangen. Eigentlich hätte Niederlechner in der 73. Minute für die Entscheidung des Spiels sorgen müssen. Wieder verliert Schlotterbeck den Zweikampf, doch Niederlechner trifft zum großen Glück für die Eisernen das Tor nicht. Der Ausgang ist bekannt. Christopher Lenz traf zunächst in 78. Minute mit einer eher verunglückten Flanke den Pfosten und 80. Minute, nach 170 Bundeliga-Minuten folgte die Torpremiere.

Leider verloren in der 83. Minute die Eisernen Innenverteidiger Schlotterbeck durch eine glatt rote Karte. Es war die negative Krönung der vielen Zweikämpfe zwischen den beiden Ex-Freiburgern. Die Entscheidung des Schiedsrichters Robert Schröder war hart, aber vertretbar. So musst du in der Mittelzone nicht einsteigen, dazu, wenn auch nicht in voller Absicht, mit der offenen Sohle auf die Wade des Gegenspielers. Für die restlichen Minuten rückte Grischa Prömel in die Innenverteidigung. In der Nachspielzeit versuchte Polter einen Elfer zu schinden. Es war es „Trikotzupfer“, aber kein 100%iger Strafstoß, das Spiel lief weiter und mit der letzten Angriffsaktion hätten die Eisernen das Spiel noch unglücklich verlieren können.

Das Unentschieden war dem Spielverlauf entsprechend, der 1. FC Union ist mehr als nur ein Punktelieferant. Nach dem Schlusspfiff konnten sich die Profis zu Recht feiern lassen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten: Fußball-Bundesliga 2. Spieltag

FC Augsburg: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Khedira, Max – Baier, Gruezo (74. Oxford) – Vargas (66. Richter), Hahn, Gregoritsch – Niederlechner (88. Finnbogason)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Subotic, Schlotterbeck, Lenz – Prömel, Andrich – Becker (68. Abdullahi), Ingvartsen (71. Andersson), Bülter – Ujah (71. Polter)

Zuschauer: 27.703

Tore: 1:0 Vargas (59.), 1:1 Andersson (80.)

Auswärtspremiere in Augsburg

Am 2. Spieltag der Fußballbundesliga treffen in Augsburg die beiden Mannschaften aufeinander, die die Saison mit einer Klatsche begonnen haben. Der FC Augsburg verlor in Dortmund mit 1:5 und schleppt zudem die Hypothek des Ausscheidens gegen den Regionalligisten SC Verl mit in die Heimpremiere der aktuellen Saison. Auf beiden Seiten ist was gut zu machen.

Auf Seiten der Augsburger werden die beiden aktuellen Neuzugänge, der Ex-Schweizer Nationalspieler Stefan Lichtsteiner sowie der 20fache kroatische Nationalspieler Tin Jedvaj mit von der Partie sein. Sie verstärken die Defensive der bayerischen Schwaben. „Alles auf Anfang“ das ist die Devise der Augsburger, die wie der Neuling aus Berlin von einem Schweizer trainiert werden.

Die Eisernen müssen in diesem Spiel alles daran setzen, wenigstens durch eine gute Leistung, nachzuweisen, dass sie in der Bundesliga nicht chancenlos sind. Es wird dabei auf die Mentalität ankommen. Die Fehlleistung aus dem ersten Spiel muss aus den Köpfen. Vielleicht hilft es, sich jetzt in der Fremde beweisen zu müssen. Auf keinen Fall werden die Eisernen die Flinte ins Korn werfen. Allerdings räumte Urs Fischer auf der Pressekonferenz zum bevorstehenden Spiel ein, „dass das Adaptieren uns noch eine Weile begleiten wird“ mit anderen Worten, Union ist noch nicht in der Bundesliga angekommen.

Für das Spiel am Samstag, 24.08. wurden aktuell 2.517 Karten für den Gästeblock verkauft. Damit sind die Stehplätze vergriffen, Sitzplätze allerdings sind noch einige zu haben. Es wird in Bayern eine kleine Hitzeschlacht, der Wetterbericht sagt 27 Grad während des Spiels voraus, angenehme Bedingungen für die Zuschauer.

Es stehen 33 Profis im Kader des Neulings. Nicht einsatzfähig sind Innenverteidiger Florian Hübner und Mittelfeldmann Maurice Opfermann Arcones, der zuletzt für Unions Nachwuchs im Baltic Sea Cup spielte und einen sogenannten Pferdekuss abbekam. Ein Fragezeichen steht hinter Christian Gentner, der sich im Training eine leichte Blessur zuzog. Entsprechend der Philosophie des Trainers wird sich in der Mannschaftsaufstellung nicht viel ändern. Beginnt er mit zwei oder wie gegen Leipzig mit drei defensiven Mittelfeldspielern ? Kommt in der Innenverteidigung Neven Subotic zu seinem ersten Einsatz für die Berliner ? Die Abwehr könnte dringend mehr Stabilität gebrauchen, gegen Leipzig war dort jede Position eine Problemzone. Allerdings ist es im modernen Fußball so, dass alle Mannschaftsteile in der Defensive mitwirken müssen. Werden sie schnell überspielt, kommt es auf die letzte Verteidigungslinie an.

Urs Fischer, so wird spekuliert, könnte mit einer ähnlichen Taktik wie zuletzt gegen Leipzig die Aufgabe angehen. Als einzige Sturmspitze könnte Anthony Ujah für Sebastian Andersson in die Startelf rücken. Sollte Gentner nicht spielen, bietet sich eine Chance für Manuel Schmiedebach. Ein besonderes Spiel wird es für Marvin Friedrich, der ja eine Vergangenheit in Augsburg hat. In der vergangenen Saison spielte er auf Leihbasis für die Eisernen und wurde erst vor Kurzem in Berlin fest verpflichtet.

Der Druck liegt mehr auf Seiten des FC Augsburg. Unions Trainer bemühte sich auf der Pressekonferenz diesen Eindruck zu verstärken. „Augsburg hatte ebenfalls keinen perfekten Start, für sie ist das kommende Spiel ein Pflichtsieg. Das ist ein Verein, der seit zehn Jahren in der Bundesliga spielt.“ Das Spiel in der WKK-Arena am 24.08. wird um 15:30 Uhr angepfiffen und steht unter der Leitung des Hannoveraner Schiedsrichters Robert Schröder.

Hans-Peter Becker

Null Punkte, null Tore zur Premiere

Ein historischer Moment, der 1. FC Union Berlin kämpfte erstmals um Punkte in der Bundesliga. In der DDR-Oberliga, dem Spielklassen-Pendant während der deutschen Teilung, wurden insgesamt 520 Spiele absolviert, 19 Spielzeiten lang waren sie erstklassig. Ob sie diese Werte jemals in der Bundesliga erreichen können ?

Der erste Gegner ist in Leipzig beheimatet, nicht Lok oder Chemie, nein der mit Brausemillionen geschaffene Club durfte als erster die Tauglichkeit des Neulings testen. Etwas abseits, links neben der Trainerbank sitzt bei jedem Heimspiel der Sportgeschäftsführer der Eisernen Oliver Ruhnert. Er schimpfte still vor sich hin und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Was die Profis da auf den Rasen brachten war schlicht nicht erstligatauglich. Als der Schiedsrichter Markus Schmidt aus Stuttgart die Partie abpfiff stand auf der Anzeigetafel Union 0 und bei den Gästen 4. Es war für die Bundesliga-Premiere der Eisernen ein gnädiges Ergebnis. Die Leipziger schluderten mit ihren Chancen. Sonst wäre es schlimmer gekommen.

Es war ein 4-2-3-1 System was die Unioner dem 3-5-2 der Leipziger entgegensetzen wollten. Frühes Stören der Angriffsversuche, dabei die Anspiele auf die gefährlichen Sturmspitzen der Leipziger Timo Werner und Yossuf Poulsen zu erschweren, das war der Plan. Es. funktionierte nicht einmal im Ansatz. Kurz nach Beendigung des Stimmungsboykotts, in der Anfangsviertelstunde schwiegen die Unionfans, das freute den vollbesetzten Gästeblock, fiel der Führungstreffer für die Gäste. In der 16. Minute traf Marcel Halstenberg mit einem wundervollen Schlenzer. Einsam stand er im Strafraum, von allen Gegenspielern verlassen und sorgte für den ersten Bundesligagegentreffer für das 56. Mitglied. Sie waren auf der rechten Verteidigungsseite durchgekommen. Poulsen und Marcel Sabitzer hatten vorbereitet. Das war eine kalte Dusche, anschließend schickte der Himmel über Berlin leider keine Engel zur Hilfe, sondern öffnete die Schleusen. Ein Tor für Leipzig wurde wieder aberkannt, wegen Handspiels. In der 32. Minute war dann alles regelkonform als Sabitzer den Ball von der Strafraumkante ins Tor wuchtete. Unions Torwart Rafal Gikiewicz wollte das Spiel schnell machen. Sein Abwurf auf Trimmel geriet zu ungenau. Das war die Vorgeschichte des 0:2. Der Treffer war eine Kopie des zweiten Gegentores im Vorbereitungsspiel gegen Celta Vigo. Solche Fehler werden in dieser Liga bestraft.

Die Eisernen wirkten jetzt angeschlagen. Die Drainage des Rasens in der Alten Försterei bekam langsam Probleme mit dem starken Regen. Union fand nicht mehr statt und kam in der 44. Minute durch Timo Werner einen weiteren Treffer eingeschenkt. Die erste Halbzeit in der Bundesliga hatten sie sich ein wenig anders vorgestellt. Ein Punktgewinn oder mehr war aus Sicht der Eisernen in das Reich der Phantasie gerückt. RB Leipzig war dabei, den Wuhlheidern eine Lektion zu erteilen.

Nach der Pause stellte Urs Fischer seine Mannschaft taktisch um. Christian Gentner blieb in der Kabine und Anthony Ujah kam auf den Platz. Taktisch sortierte sich der Aufsteiger jetzt in einem 4-4-4-2 System, dafür musste ein defensiver Mittelfeld-Spieler weichen. Die Leipziger schalteten in den Verwaltungsmodus und das reichte. Union blieb weiter harmlos, trotz großen Bemühens. Der Gegner war besser, hatte die bessere Raumaufteilung und in den entscheidenden Situationen größere individuelle Qualität zu bieten. In der 67. Minute besorgte der eingewechselte Christopher Nkunku das 4:0. Für Union ging es nur noch um das erste Bundesliga-Tor. Es reichte nicht einmal dafür. Auch die eingewechselten Offensivkräfte Sheraldo Becker und Sebastian Polter konnten daran etwas ändern. RB Leipzig war eine Nummer zu groß.

Die Frage, wer den ersten Bundesliga-Treffer für den 1. FC Union erzielt wird vielleicht am zweiten Spieltag in Augsburg beantwortet. Es treffen die beiden Teams aufeinander, die eine Klatsche zu verdauen haben.

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Schlotterbeck, Lenz – Prömel, Gentner (46. Ujah) – Abdullahi, Andrich, Bülter – Andersson (69. Polter)

RB Leipzig: Gulásci – Mukiele, Konaté, Orban – Klostermann, Demme (62. Laimer), Kampl (73. Forsberg), Halstenberg – Sabitzer, Poulsen, Werner (65. Nkunku)

Zuschauer: 22.012 + 455

Tore: 0:1 Halstenberg (16.), 0:2 Sabitzer (31.), 0:3 Werner (42.), 0:4 Nkunku (69.)

1. FC Union testet gegen Wolfsburg und behielt in Aue die weiße Weste

Es hing am seidenen Faden, die erste Niederlage in der Saisonvorbereitung drohte. Das Testspiel in Aue endete mit einem Unentschieden. Die erste Halbzeit ging an den Neu-Bundesligisten und die Zweite an den ehemaligen Liga-Kollegen. Es hatte sich eine beachtliche Anzahl von Anhängern der Rot-Weißen im Erzgebirgsstadion eingefunden. Fußballerisch bekamen sie nicht allzuviel geboten. Diese Testspiele sind eher was für Fachleute.

Für Erzgebirge Aue war es wohl eine gelungene Generalprobe vor dem Ligastart am 28.07. in Fürth. Sie blieben gegen den zweiten Berliner Bundesligisten unbesiegt. Der MDR und RBB übertrugen dieses Spiel sogar live, mal ehrlich, da hätte ein Live-Stream genügt.

In der ersten Halbzeit deutete sich an, was die Eisernen in der ersten Liga vorhaben. Viel Gegenpressing und mit langen Bällen das Mittelfeld überbrücken. Die Doppelsechs mit Neuzugang Christian Gentner und Grischa Prömel sah schon ganz gut aus. Neben einer stabilen Abwehr wird es in der kommenden Saison auf die Spieleröffnung aus dem defensiven Mittelfeld heraus ankommen. Die Eisernen werden nicht die Mannschaft sein, die viel Ballbesitz haben wird. Insofern wird die Effektivität nach Balleroberung eine große Rolle spielen.

Den Treffer für Union erzielte Anthony Ujah im Anschluss an einen Eckball in der 17. Minute. Der Ausgleich für Erzgebirgler fiel in der 85. Minute.

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Trimmel (73. Dietz), Friedrich, Schlotterbeck, Lenz (60. Reichel) – Prömel (60. Schmiedebach), Gentner (46. Andrich) – Becker (46. Flecker), Ingvartsen (60. Gogia), Bülter (60. Mees) – Ujah (60. Polter)

FC Erzgebirge Aue:
Männel – Rizzuto (46. Kalig), Gonther, Kusic – Fandrich, Hochscheidt, Baumgart (46. Nazarov), Riese (69. Krüger), Wydra (36. Mihojevic) – Zulechner (69. Daferner), Testroet

Zuschauer: 3.743

Tore: Ujah (17.), Daferner (85.)

Der nächste Testgegner kommt aus der Bundesliga. Am 27.07.2019 messen sich die Eisernen mit dem VfL Wolfsburg. Da die sich Wölfe zu diesem Zeitpunkt noch im Trainingslager in Österreich befinden, wird die Partie im dortigen Maximarkt-Sportpark in Anif (bei Salzburg) ausgetragen. Der Anstoß der Partie erfolgt um 15:00 Uhr. 

Hans-Peter Becker

Saisonstart bei den Eisernen

Bei hochsommerlichen, sehr heißen Temperaturen hat der 1. FC Union den Start in seine Premierensaison in der Bundesliga vollzogen. Am Samstag, 29.06. war der Urlaub für die Profis und den Trainerstab endgültig vorbei. Trainer Urs Fischer stand bereits ein für diesen frühen Saisonzeitpunkt bereits erstaunlich kompletter Kader zur Verfügung. Seit dem Aufstieg ging es Schlag auf Schlag mit den personellen Veränderungen. Dabei hat das offizielle Transferfenster erst seit dem 1. Juli geöffnet und schließt in diesem Jahr erst am 2. September. Normalerweise ist die Wechselperiode im Sommer stets am 31. August beendet. Da dieser Tag auf einen Samstag fällt läuft die Frist bis zum darauffolgenden Montag weiter.

Fotos: © Hans-Peter Becker

Bei der ersten Trainingseinheit fehlte Suleiman Abdullahi, er konnte wegen Problemen mit seinem Reisepass nicht rechtzeitig aus Nigeria zurückkehren. Nach einem Aufwärmprogramm, trotz fast 40 Grad in der Sonne, bat Trainer Urs Fischer zu einem Trainingsspiel. Dabei konnte sich Neuzugang Julius Kade von Hertha BSC mit zwei erzielten Toren gleich auszeichnen. Neben Kade, präsentierten sich auch die anderen Neuzugänge, unter anderem Florian Flecker Keven Schlotterbeck, Robert Andrich und Sheraldo Becker. Besonders Augenmerk richteten die anwesenden Journalisten und Trainigskiebitze auf den bisher teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte Anthony Ujah. Auf seine Torgefahr setzen die Fans und Verantwortlichen in der Wuhlheide. Seine Erstligaerfahrung von 109 Spielen könnte wichtig werden.

Bisher präsentierten die Eisernen bereits acht Neuzugänge. Im abschließenden Pressegespräch lobte Trainer Urs Fischer ausdrücklich die Arbeit von Kaderplaner und dem Chef der Lizenzspielerabteilung Oliver Ruhnert. „Während wir Urlaub gemacht haben, hat er intensiv gearbeitet.“ Dass das Auftaktprogramm mit ersten Spiel zu Hause gegen RB Leipzig, dann auswärts in Augsburg und mit dem zweiten Heimspiel gleich gegen Dortmund hätte ein bisschen einfacher sein können, ließ er nicht gelten. „Gibt es in dieser Liga überhaupt einfache Gegner ?“ Ähnlich äußerte sich auch Kapitän Christopher Trimmel, „du musst sowieso gegen jeden spielen!“

Von Anthony Ujah war zu erfahren, dass er eine Wohnung ganz in der Nähe des Stadions gefunden hat. Das ist nicht ganz unwichtig, sein Vertrag läuft schließlich bis 2022. Er beantwortete die Fragen der Journalisten in einem sehr passablen Deutsch, das unterscheidet ihn von seinem Landsmann mit den Passproblemen.

Pressegespräch mit Anthony Ujah Foto: H.-P. Becker

Nach der ersten Trainigseinheit ging es gleich nach Bad Saarow, hier sollen vorallem die konditionellen Grundlagen für eine möglichst erfolgreiche Saison gelegt werden. Bereits am kommenden Samstag, 6. Juli steht dann in der Alten Försterei der erste Test gegen Bröndby Kopenhagen an. Für den Gast aus der dänischen Hauptstadt ist es die Generalprobe, nur eine Woche später startet die dänische Superliga bereits in ihre neue Saison.

Hans-Peter Becker