Niederlagen freies Wochenende im Berliner Profifußball

Los ging es am Freitagabend, 3. Dezember, 13.500 Zuschauer waren in der Alten Försterei zugelassen und RB Leipzig ereilte das gleiche Schicksal wie zuvor der Alten Dame aus Charlottenburg. Was nützt es Dir einen talentierteren Kader, als der Gegner zu haben, wenn vor dem Tor einfach nichts passiert? Das Gegentor, zwischenzeitlich stand es 1:1, war ein kleines Geschenk von Union-Keeper Luthe an die Leipziger. Schlussendlich wurde es der fünfte Heimsieg der Saison. Nur zwei Teams haben zu Hause mehr Punkte geholt als die Eisernen. Die Niederlage war dann auch eine zu viel für Trainer Jesse Marsch. Er sah die Niederlage nicht von der Bank aus, er war coronabedingt im Homeoffice.

Nur auswärts stockt es bei den Eisernen, da hat der Lokalrivale sogar die Nase vorn und in der Fremde einen Punkt mehr geholt. Zuletzt waren sie in Stuttgart nicht ganz erfolglos. Immerhin wurde nach einem verpatzten Start noch ein respektables Ergebnis erzielt. Das 2:2 war verdient, es war sogar mehr drin. Ein Tabellennachbar wurde auf Distanz gehalten. Bis zur Halbzeit der Saison sind es noch drei Spiele. Nächster Gegner ist die ebenfalls abstiegsgefährdete Elf von Arminia Bielefeld.

Nicht verloren hat am Samstag, 4. Dezember Viktoria Berlin. Für die Himmelblauen war es das letzte Heimspiel in diesem Jahr. Im inzwischen heimischen Jahnsportpark war leider das Interesse mäßig, dafür kann sich die bisher als Aufsteiger vorzuzeigende Bilanz durchaus sehen lassen. Es war ein 0:0 der besseren Sorte. Der Gast aus München hatte zuletzt den Trainer gewechselt, blieb aber trotzdem im sechsten Spiel in Folge ohne Sieg. Zum Spieler des Tages wurde Türkgücü’s Torwart Franco Flückinger gewählt. Ebenfalls einiges zu tun hatte sein Kollege bei Viktoria Julian Krahl. In der Schlussphase sah Abwehrspieler Jakob Lewald Gelb-Rot, sodass der Punkt für Viktoria fast noch in Gefahr geriet.

Hans-Peter Becker

Verdienter Derbysieg für die Eisernen

Es war ein verdienter Sieg für die Eisernen. Leidenschaft schlug Beamtenfußball. Ein individueller Fehler und ein Sonntagsschuss entschieden das Spiel. Nach einer halben Stunde führten die Gastgeber in der ausverkauften „Alten Försterei“ mit 2:0. Diese Situation war wie gemalt für die Rot-Weißen. Hertha war gezwungen, das Spiel zu machen und darin lag, neben der wackligen Abwehr, genau das Problem.

Kurz vor der Halbzeitpause hatte Hertha Pech. Ein Treffer von Pekarik fand wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung keine Anerkennung. Der Kölner Keller griff ein, erst nach mehrminütiger Prüfung wurde das Tor zurückgenommen. Piatek stand hauchzart mit der Schulter im Abseits, der Assistent hatte die Fahne unten, Luthe wehrte ab, zu kurz und Pekarik traf. Allerdings ist hier fragen, resultierte daraus nicht eine neue Spielsituation? Es ist jetzt müßig darüber weiter nachzudenken, diese Szene hat das Spiel nicht entschieden. Nachdenken muss Hertha, warum bot die Mannschaft, ausgerechnet im Derby, so eine schlechte Leistung?

Für die zweite Halbzeit stellte Pal Dardai taktisch um. Die Doppelsechs wurde aufgelöst, für Tousart kam mit Beldofil ein zusätzlicher Stürmer. Aus dem 4-2-3-1 wurde ein 4-3-3, allerdings wurde nichts besser. Außer viel Ballbesitz konnte Hertha nichts bieten, die Eisernen kreierten dagegen einige gefährliche Kontersituationen. Der Sieg der Eisernen war nie ernsthaft gefährdet

Die Eisernen belegen bereits wieder einen internationalen Platz, während Hertha erneut nach unten blicken muss. Der Aufwärtstrend wurde gestoppt.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 12. Spieltag

20.11.2021 18:30 Uhr

1. FC Union Berlin – Hertha BSC 2:0 (2:0)

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (90.+1 Ryerson), Friedrich, Knoche, Baumgartl, Gießelmann – Haraguchi (82. Öztunali), Khedira, Prömel (71. Möhwald) – Kruse (90.+1 Voglsammer), Awoniyi (82. Becker) 5-3-2

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (71. Jastrzembski), Stark, Dardai, Plattenhardt – Ascacibar, Tousart (46. Belfodil) – Richter (86. Selke), Serdar, Mittelstädt (61. Prince-Boateng) – Piatek (61. Ekkelenkamp) 4-2-3-1/4-3-3

Tore: 1:0 Awoniyi (8.), 2:0 Trimmel (30.) 

Zuschauerzahl: 22.012 

Berliner Bundesligisten punkten

Am 4. Spieltag haben beide Berliner Bundesligisten gepunktet. Am Samstag holten die Eisernen einen Punkt und einen Tag später holte die „Alte Dame“ aus Charlottenburg den ersten Sieg der Saison. In der Wuhlheide wurde mit Toren gegeizt, mehr als ein ansehnliches 0:0 gegen den FC Augsburg kam dabei nicht heraus. „Am Schluss können heute wahrscheinlich beide Mannschaften mit dem Punkt gut leben. Es war ein intensives Spiel mit vielen Möglichkeiten, aber die Torhüter haben heute beide eine Top-Leistung gezeigt. Andreas Luthe hat uns heute auf der einen Seite im Spiel gehalten, auf der anderen Seite hatten wir einige Möglichkeiten, bei denen wir Tore erzielen müssen. Das Gleiche wird aber Markus Weinzierl vermutlich auch sagen, deswegen nehmen wir den Punkt mit und sind heute zufrieden“, lautete das Fazit von Urs Fischer im Anschluss an das Spiel.

Zufriedener war Hertha-Trainer Pal Dardai. Gnadenlos effektiv präsentierte sich seine Mannschaft, taktisch hatten sie sich auch was einfallen lassen. Dardai ließ erstmalig in dieser Saison in einer 3-4-2-1 System spielen, rückte von der gewohnten 4er Abwehrkette ab. Sicherlich war nicht beabsichtigt, dem Gegner soviel Ballbesitz zu überlassen. Hertha kam nur auf 33 % gegen den Aufsteiger. Lediglich 5 Torschüsse waren zu notieren, davon trafen allerdings 3 ins Ziel. Bochum hatte deren 18 und lediglich einer davon fand den Weg an Hertha-Keeper Alexander Schwolow vorbei. Erstmal Aufatmen bei der Hertha, drei Punkte sind auf der Habenseite. Na bitte, es geht doch. Der nächste Gegner ist wieder ein Aufsteiger, im Heimspiel wird Greuther Fürth erwartet.

Während sich Hertha in aller Ruhe eine ganze Woche lang auf den kommenden Gegner vorbereiten kann, müssen die Eisernen unter Woche international mit Reisestrapazen ran. Die Elf von Urs Fischer tritt am Donnerstag, dem 16.09.2021 im Sinobo Stadion bei Slavia Prag an. Der Anpfiff der Partie in der neu geschaffenen UEFA Europa Conference League erfolgt um 18:45 Uhr an.

Hans-Peter Becker

Weiter Unentschieden im Berliner Profifußball

Beider Berliner Vertreter in der Bundesliga lieferten zeitgleich ein Unentschieden in ihren jeweiligen Partien ab. Während Hertha im Olympia-Stadion eine Nullnummer ablieferte, konnten die Eisernen bis zum Schluss nicht ganz dicht halten. Nach einer 2:0 Führung in Stuttgart hieß es am Ende 2:2. Nun ja, in Köpenick wird man mit dem Punkt zufriedener gewesen sein, als in Charlottenburg.

Wie gefährlich die Eisernen bei Freistößen und Eckbällen sind, scheint sich in der Liga noch nicht ganz herumgesprochen zu haben. Unerklärlich, jedenfalls war es wieder ein ruhender Ball von Kapitän Christopher Trimmel, der früh im Spiel seinen Adressaten fand. Gegen die Bayern war es ein Eckball, hier war es eine Freistoßflanke, die per Kopf von Marvin Friedrich ins Tor befördert wurde. Die Stuttgarter liefen dem Rückstand lange hinterher und schienen in der 77. Minute endgültig auf die Verliererstraße zu geraten, als Taiwo Awoniyi einen Entlastungsangriff zur 2:0 Führung abschloss. Bis dahin hatten die Unioner aufopferungsvoll verteidigt und konnten die Führung bis zur 85. Minute halten. Der enorme Laufaufwand (über 120 km) machte sich bemerkbar und dazu der kleine Kader. Urs Fischer konnte die Reise nur mit 18 Profis antreten. In der 85. und in der 90. Minute schlug jedenfalls ein im Tor von Andreas Luthe.

Unions Trainer sah das Spiel so: “Natürlich sieht es unglücklich aus, weil wir die Gegentore spät bekommen. Über 90 Minuten gesehen ist das ein gerechtes Unentschieden. Die erste Hälfte gehörte uns, die zweite Hälfte gehörte Stuttgart, deshalb bin ich nicht enttäuscht: wieder ein Punkt auf dem Konto, der uns hilft.”

Hertha war im heimischen Olympia-Stadion stets bemüht, den Abwehrriegel der Mainzer zu knacken. Eine Torgefahr zu entwickeln gelang nicht. Es war viel Einsatz im Spiel und fast gar kein Ertrag. Die Spielstatistik weist zwar 11 Torschüsse aus, da wurde wohl alles mitgezählt, was irgendwie in die Nähe des Kastens kam. Denken wir positiv, immerhin ist Hertha jetzt seit 4 Spielen ungeschlagen und besser geht immer.

Hans-Peter Becker

Hertha gewinnt das Hauptstadtderby

Der Konjunktiv ist nur sehr bedingt tauglich, um ein Fußballspiel zu bewerten. Man kennt das, hätte hätte Fahrradkette u.s.w., der Fakt ist, Hertha hat den Platz als Sieger verlassen. Als Gruß an die Fans, die leider wieder draußen bleiben mussten, tanzten die Blau-Weißen die menschenleere Ostkurve an.

Einmal noch zurück zum Konjunktiv. Wie wäre das Spiel ausgegangen, hätte in der 23. Spielminute nicht Robert Andrich ein so rüdes Foul an Herthas Lukas Tousart begangen. Die glatt rote Karte war die logische Folge. Es war ein Foul mit Potenzial für eine anschließende Krankenhauseinlieferung. Kurz zuvor waren die Eisernen durch Taiwo Aoniyi in Führung gegangen.

Hatte die Mannschaft aus Köpenick bis dahin eh nicht vor, die Initiative zu übernehmen, warum auch, so mussten sie jetzt noch mehr Beton anrühren. Bis zum Pausentee biss sich die „Alte Tante“ die Zähne aus. Lediglich in der 40. Minute kann Tousart einen Kopfball nach Ecke von Matheus Cunha anbringen. Andreas Luthe musste das erste Mal im Spiel energisch zu packen. „Es hat von Außen keinen Spaß gemacht, da zuzuschauen.“ Ein Zitat von Hertha Trainer Bruno Labbadia.

In der zweiten Hälfte stellte Labbadia um. Für Vladimir Darida kam Krystof Piatek und Tousart räumte seinen Platz für Javiro Dilrosun. Aus dem 4-1-3-2 wurde ein 4-3-3, die Eisernen verteidigten mit den neun verbliebenen Feldspielern meist in einem 5-3-1 oder 4-3-2 System. Das Bollwerk hielt bis zur 51. Minute unter tätiger Mithilfe des Union-Keepers erzielte Peter Pekarik das 1:1. Luthe konnte einen Schuss von Cunha aus der zweiten Reihe nur schräg nach vorn abwehren und Pekarik war mit sehenswerter Schusshaltung zur Stelle. Indirekt war Luthe in der 74. Minute an Gegentreffer Nummer zwei beteiligt. Er spielte einen langen Fehlpass ins Mittelfeld. Schlussendlich ist Piatek zur Stelle, sein Schuss wird noch unglücklich abgefälscht. Keine Chance für Luthe und Hertha hatte das Spiel gedreht. Piatek ist nur drei Minuten später erneut zur Stelle und sorgt für den Endstand.

Die Eisernen versuchten es eine erneute Niederlage im Olympiastadion abzuwenden. Unions Kapitän Christopher Trimmel traf nach dem Spiel dazu die richtige Aussage: „Wenn du 70 Minuten in Unterzahl spielst, dann ist es gegen jeden Bundesligisten schwer zu bestehen. Uns schwinden die Kräfte, Hertha schmeißt frische Spieler rein, dann wird es am Ende schwer. Ich hätte gern gesehen, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn elf gegen elf bis zum Ende gespielt hätten. Dann wäre das Ergebnis ein anderes gewesen, denke ich“. Allzu viele Torchancen haben die Eisernen nicht zugelassen, letztlich hat sich die größere individuelle Klasse des Ortsrivalen durchgesetzt. Leider werden wir nie erfahren, wie das Spiel bei Vollzähligkeit bis zum Schlusspfiff ausgegangen wäre.

Eine Schrecksekunde gab es für die Eisernen kurz vor dem Schlusspfiff. Max Kruse musste humpelnd vom Platz geführt werden. Eine Diagnose steht noch aus, es wäre fatal, sollte Kruse länger ausfallen.

Spieldaten:

Bundesliga 9. Spieltag

Hertha BSC – 1.FC Union Berlin 04.12.2020 20:30 Uhr

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (90.+2. Zeefuik)., Boyata, Torunarigha, Plattenhardt – Stark, Guendouzi – Darida (46. Piatek), Tousart (46. Dilrosun), Cunha (90.+2. Leckie) – Lukebakio (85. Mitteldstädt)

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Ryerson (83. Becker) – Trimmel (78. Bülter), Prömel (83. Teuchert), Andrich, Lenz (78. Gießelmann) – Ingvartsen – Awoniyi (54. Griesbeck), Kruse

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych, Mark Borsch, Stefan Lupp, Dr. Robert Kampka

Tore: 0:1 Awoniyi (20.), 1:1 Pekarik (51.), 2:1 Piatek (74.), 3:1 Piatek (77.)

Kein Match-Glück und ein hart erkämpfter Punkt

Die Trauben hängen hoch für den 1. FC Union Berlin im zweiten Bundesligajahr. Am 5. Spieltag war der SC Freiburg zu Gast in der Alten Försterei und der Trainer der Breisgauer hatte für das Spiel die richtige Devise ausgegeben. „Wir dürfen uns hier nicht auffressen lassen.“ Es gelang, am Ende stand leistungsgerechtes 1:1 auf dem Totomat. So heißt die Anzeigetafel auf Schweizerdeutsch und der Schweizer Trainer der Eisernen hat das Unentschieden mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen haben. „Mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich heute sehr zufrieden. Wenn man aber einen so hohen Aufwand betreibt und so viele Möglichkeiten hat, dann musst du das Spiel gewinnen. Deshalb dürfen wir mit dem Resultat nicht zufrieden sein. Am Schluss war es ein verdienter Punkt,..“ Aufwand und Nutzen standen in diesem Spiel für die Eisernen in keinem günstigen Verhältnis. Fast zwei Kilometer mehr gelaufen als der Gegner, trotz gleicher Spielanteile ein deutliches Chancenplus und dazu ein Gegner, der die Saison mit ähnlichen Ambitionen bewältigen will. Beide wollen so schnell wie möglich die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einsammeln und dabei gehörigen Abstand zum Tabellenkeller halten.

Bleibt als Fazit, dass die Freiburger mit der Punkteteilung zufriedener sind als die Hausherren. Unions Torhüter Andreas Luthe war wie sein Trainer mit dem Spielausgang eher unzufrieden. Beim Gegentor war er machtlos und allzu knifflige Situation beschwörten die Freiburger vor seinem Kasten nicht herauf. Trotzdem sprach er nach dem Spiel von einem intensiven Arbeitstag.

In der Aufstiegssaison hatten die Eisernen nach 5 Spieltagen erst 4 Punkte auf der Habenseite, aktuell sind bereits deren 6. Insofern können sie zufrieden sein. Allerdings ist hier anzumerken, dass mit Ausnahme der Gladbacher, die anderen Kontrahenten in etwa dem gleichen Leistungslevel entsprachen. Die kommende Aufgabe führt die Eisernen nach Hoffenheim.

Hans-Peter Becker

Magere Ausbeute für den Berliner Profifußball

Über die Leistung der der Alten Dame im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Stuttgart müssen nicht viele Worte verloren werden. Es war einfach zu wenig. Der Haussegen dürfte jetzt schief hängen. Hertha ist noch keine Mannschaft, die bekanntlich mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal wäre Stuttgart eigentlich ein machbarer Gegner gewesen. Der Saisonstart ist in die Hose gegangen. Bruno Labbadia räumte ein, dass die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison weiter war. Wurde der Umbruch zu heftig betrieben, angesichts des Geldsegens ? Eine eingespielte Mannschaft sieht anders aus. Der nächste Gegner ist das Spitzenteam von RB Leipzig, da sollten sich die Hertha-Profis an die Leistung am 3. Spieltag bei den Bayern erinnern.

Probleme mit dem eingespielt sein hat das andere Berliner Profi-Team weniger. Fehlende individuelle Klasse wird mit mannschaftlicher Geschlossenheit wett gemacht. Beim Auswärtsspiel auf Schalke gelang das erneut ganz gut. Es hätten sogar beim königsblauen Krisenclub drei Punkte herausspringen können. Schlussendlich, um hier eines der Lieblingsworte von Urs Fischer zu verwenden, wurden schiedlich-friedlich die Punkte geteilt. Marvin Friedrich, Unions Innenverteidiger mit Schalker Vergangenheit sorgte in der 55. Minute für den Führungstreffer. Ein von Christopher Trimmel getretener Eckball wurde zu kurz abgewehrt und vom Kapitän selbst nochmals scharf gemacht. In der 69. Minute egalisierte Goncalo Paciencia den Spielstand. Indirekt beteiligt an dem Treffer war der Ex-Unioner Steven Skrzybski, der Andreas Luthe fast mit einem Schuss aus spitzem Winkel überwunden hätte. Daraus folgte ein Eckball, den Paciencia per Kopf auf den kurzen Pfosten, am verduzten Luthe vorbei, zum Ausgleich beförderte. Beim Eckball steht immer einer am kurzen Pfosten, hieß es früher einmal, das ist wohl aus der Mode gekommen. So war der mögliche Auswärtssieg dahin. Union empfängt am 5. Spieltag den SC Freiburg in der Alten Försterei. In der Tabelle rangieren sie bis dahin vor den Herthanern.

Hans-Peter Becker

Galavorstellung des 1. FC Union

Für den 1. FC Union war es das 37. Spiel ihrer Erstligazugehörigkeit, der Gegner aus Mainz hat da schon mehr auf dem Buckel. Die Mainzer nehmen ihre 15. Bundesligasaison in Angriff, das Spiel am Freitagabend war ihr 479zigtes Kräftemessen in der Beletage des deutschen Fußballs. Während für die Eisernen das Spiel einen Ehrenplatz in der Vereinschronik bekommen dürfte, werden es die Mainzer schnell vergessen wollen. Mit einem 4:0 feierten die Eisernen ihren bisher höchsten Sieg und machten die erschreckend schwachen Gäste zum Opfer einer Galavorstellung.

Die Mainzer kamen mit einem neuen Cheftrainer und viel Verunsicherung nach Berlin. Die Hausherren der Alten Försterei wussten das zu nutzen. Konzentriert und gallig starteten sie in die Partie. In der 13. Minute stieg der Torjubel in den Köpenicker Abendhimmel. Max Kruse eröffnete den Torreigen mit einem Kopfballtreffer nach einer Flanke von Sheraldo Becker. In der 27. Minute hätte Kruse sogar auf 2:0 erhöhen können. Diesmal verwertete er eine Becker-Flanke mit dem Fuß. Der Ball ging über das Tor.

Die Gäste verbuchten erst in der 38. Minute ihren ersten Torschuss. Es war ein Kopfball von Mateta , der den Kasten verfehlte. Sie spielten insgesamt viel zu unsauber und bekamen nie Tempo in ihre Aktionen, so dass die Abwehr der Eisernen meist leichtes Spiel hatte. In der zweiten Halbzeit fielen die Tore wie reife Früchte. Es gab nicht eine Phase im Spiel, wo der Beobachter den Eindruck hatte, hier könnte für die Mainzer etwas gehen. Immerhin brachten sie für die B-Note vier Torschüsse nach der Halbzeitpause zustande. Allerdings musste Union-Keeper Andreas Luthe dabei nicht ein einziges Mal Kopf und Kragen riskieren. Mit insgesamt 35 Ballkontakten verbrachte er einen sehr ruhigen Arbeitstag. Während des Spiels hätte er ruhig zwischendurch mal einen Kaffee trinken gehen können. Es wäre nichts passiert. Sein Konkurrent Loris Karius (96 Bundesliga- und Pokalspiele für Mainz 05) saß auf der Bank und wird sich so seine Gedanken über seinen Ex-Verein gemacht haben.

Neben Max Kruse kamen auch Joel Pohjanpalo und Ketia Endo zu ihren ersten Pflichtspieleinsätzen im Union-Trikot. Pohjampalo kam in der 64. Minute für Max Kruse und brauchte nur 37 Sekunden für sein erstes Tor in der neuen Umgebung. Mit dem 4:0 setzte er den Schlusspunkt.

Während die Eisernen völlig verdient punkteten, sind die Sorgenfalten in der Mainzer Isaac-Fulda-Allee, 55 noch tiefer geworden. Das, was die Mannschaft der 05er in Berlin anbot ist nicht konkurrenzfähig und abstiegswürdig. Mit Blick auf die kommenden Gegner, Mainz auswärts in Leverkusen und anschließend zu Hause Gladbach, könnte sich die Krise weiter verstärken.

In der Bundesliga pausiert. Der nächste Spieltag steht erst vom 16. bis 18. Oktober. Am kommenden Donnerstag, dem 08.10.2020 bestreitet der 1. FC Union Berlin im Stadion An der Alten Försterei ein Testspiel gegen Hannover 96, der Anpfiff erfolgt um 17:00 Uhr.

Bei den Eisernen ist das Selbstvertrauen gestiegen. Zum nächsten Spiel müssen sie nach Gelsenkirchen reisen. Dort wartet am 18.10.2020 mit Schalke 04 der nächste Krisenclub. Mit vier Punkten nach drei Spielen ist der selbe Kontostand wie in der Aufstiegssaison erreicht.

Hans-Peter Becker

1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel (68. Ryerson), Friedrich, Knoche, Schlotterbeck, Lenz – Andrich (81. Griesbeck), Prömel – Becker (63. Bülter), Kruse (63. Pohjanpalo), Ingvartsen (81. Endo)

FSV Mainz 05: Zentner – Mwene (71. Aarón), St. Juste, Hack, Brosinski – Kunde (60. Nebel), Latza – Onisiwo, Boetius, Quaison (71. Kilian) – Mateta (60. Burkardt)

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Mike Pickel, Frederick Assmuth, Thorben Siewer
VR: Harm Osmers
Tore: 1:0 Kruse (13.), 2:0 Ingvartsen (49.), 3:0 Friedrich (63.), 4:0 Pohjanpalo (64.)