Berliner Unentschieden am 9. Spieltag

Am Freitag, 4. Dezember steht das insgesamt dritte Berliner Bundesliga-Derby auf dem Programm. Leider dürfen erneut nur die guten Geister der Fans im Olympia-Stadion direkt dabei sein. Am 8. Spieltag leisteten sich beide Teams ein Unentschieden zur Vorbereitung. Die Eisernen spielten 3 : 3 gegen die Frankfurter Eintracht und einen Tag später hielten die Herthaner ein 0 : 0 in Leverkusen. Es war immerhin das zweite Auswärtsspiel in Folge, bei dem die Alte Dame keinen Gegentreffer hinnehmen musste. Die Eisernen kassierten dagegen gleich drei Gegentore im eigenen Stadion. Trainer Urs Fischer wird darüber nicht erfreut gewesen sein. Eine 2 : 0 Führung im Spiel reichte am Ende nicht, eher im Gegenteil, ein genialer Moment von Max Kruse rettete einen Punkt.

Wie in der Wuhlheide, so war auch in Leverkusen die Punkteteilung leistungsgerecht. Die Werkself ging wie der Gegner aus Berlin-Charlottenburg ersatzgeschwächt in die Partie. Ein Lucky-Punch gelang beiden nicht. Herthas Manko lag in der Durchschlagskraft. Bruno Labbadia war trotzdem nicht unzufrieden: „Wir haben gegen eine der formstärksten Mannschaften immerhin einen Punkt geholt.“ Für das Derby muss eine Steigerung her.

Hans-Peter Becker

BR Volleys – Erfolg für das Selbstbewusstsein

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung: Nach der herben Enttäuschung im Pokal haben die BR Volleys in der Volleyball Bundesliga drei Tage später eine Antwort gegeben. Gegen die United Volleys Frankfurt sammelten die Berliner die volle Punktzahl, dabei war der 3:0-Sieg (25:18, 25:18, 25:17) zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Nicht zu stoppen war Benjamin Patch mit 17 Punkten bei einer Angriffsquote von 70 Prozent, MVP-Gold verdiente sich aber erstmals der Brasilianer Èder mit einer starken Performance im Mittelblock.

Die BR Volleys mussten weiterhin auf Timothée Carle und Sergey Grankin verzichten, auch Pierre Pujol ging mit Kniebeschwerden angeschlagen in die Partie. Dennoch gelang den Hauptstädtern ein guter Start: Angeführt von einem hellwachen Julian Zenger in der Abwehr setzten sich die Gastgeber früh ab (8:4). Danach hielten die Männer in Orange den Vorsprung kontinuierlich und vor allem im Spiel aus der Annahme heraus lief es rund: Am Ende des Durchgangs zeigte der Statistikbogen eine perfekte Sideout-Quote von 100 Prozent, wenn die Annahme ins Spiel gebracht wurde. Weil Frankfurt im Gegenzug große Probleme hatte, den Ball auf den Boden zu bringen – die Angriffsquote lag bei 29 Prozent –, brachten die Berliner den Satz souverän ins Ziel (25:18).

Anschließend blieb das Spiel zunächst ausgeglichen, ehe Benjamin Patch in seiner unwiderstehlichen Art und Weise auf eine 13:9-Führung stellte. Nachdem der starke Samuel Tuia noch ein Ass nachlegte, kam die Maschinerie der BR Volleys wieder ins Rollen. Erneut war es Patch, der einen Aufschlag von Éder zur 2:0-Führung vergoldete (25:18). Im Gegensatz zur Partie am Mittwoch behielten die Hausherren nun die volle Konzentration und ließen keinen Deut nach (10:3). Ein Ass von Pujol und starke Blockaktionen brachten die Berliner endgültig auf die Siegerstraße (15:7), ehe es doch noch zu einem Schreckmoment kam: Bei einem Block verletzte sich Pujol am Daumen. Sebastian Kühner, für eine solche Situation schon in den letzten Wochen reaktiviert worden, sprang ein und blieb auf der Platte. Dabei ließ es sich der Routinier auch nicht nehmen, in bester Kühner-Manier einen zweiten Ball zu verwandeln. Der später als MVP ausgezeichnete Éder beendete das Spiel schließlich mit einem krachenden Angriff (25:17).

Stimmen zum Spiel
Julian Zenger: „Das war eine sehr gute Antwort auf das Spiel am Mittwoch. Da haben wir in der Block-Feldabwehr viele Chancen liegengelassen, das wurde heute deutlich besser. Wir haben den Fokus eher auf uns gelegt. Die Niederlagen haben etwas Unruhe hereingebracht, da ist ein souveräner Sieg vor allem im Hinblick auf die Champions League gut für das Selbstvertrauen. Wir müssen uns aber definitiv im Aufschlag weiter steigern. Wir haben großes Potenzial, weil wir eigentlich durch die Bank weg sehr gute Aufschlagspieler im Team haben. Da müssen wir noch mehr Druck auf unsere Gegner ausüben.“

Kaweh Niroomand: „Der Trainerstab und die Mannschaft saßen am Donnerstag über 1,5 Stunden zusammen und haben die Situation aufgearbeitet. Das Team hat da auch einen großen Anteil gehabt und aktiv Vorschläge gemacht. Das hat man heute auf dem Feld auch gesehen, der Zusammenhalt und die Geschlossenheit war da und die Bank hat mitgefiebert. Bedauerlich ist, dass jetzt schon wieder der nächste Spieler verletzt ist. Da weiß ich langsam auch nicht mehr weiter.“

Tim Grozer: „Es war klar, wer die Hauptangreifer der Berliner sind. Wir hatten trotzdem einfach große Schwierigkeiten, Patch zu verteidigen, er konnte hinschlagen, wo er wollte. Dazu waren sie im Block auch an vielen Bällen dran, auch ich bin ständig hängengeblieben. Berlin hat das gut gemacht und verdient gewonnen. Unsere Verletztensituation ist nicht einfach, aber der Wille zählt. Im Spiel hat man ohnehin so viel Adrenalin im Körper, da vergisst man Schmerzen. Morgen gegen den VCO muss definitiv mehr Stimmung rein, auch in der Videoanalyse müssen wir uns einige Punkte anschauen.“

BR Volleys Formation
Cody Kessel und Samuel Tuia (AA), Éder und Anton Brehme (MB), Pierre Pujol (Z), Benjamin Patch (D) und Julian Zenger (L) | Eingewechselt: Robin Baghdady, Adam Kowalski, Sebastian Kühner

Topwerte
Patch 17 Punkte, 70 % Angriff, 1 Block | Kessel 10 Punkte, 2 Asse | Tuia 9 Punkte, 2 Asse
Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Eishockey in Berlin und Corona

Während die Profis der Eisbären jetzt gezielt auf den Saisonstart hinarbeiten können, am Freitag, 27.11.12020 wurde der Spielplan für die Deutsche Eishockeyliga (DEL) veröffentlicht, sieht für einen anderen Berliner Eishockeyverein noch trüber. Die Rede ist von FASS Berlin. Nach der Insolvenz der Preussen ist der Verein, der bisher seine Heimstätte im Erika-Heß Eisstadion hatte, die Nummer 2 im hauptstädtischen Eishockey. Sie spielen in der viertklassigen Regionalliga Ost, zusammen mit dem Farmteam der Eisbären und den Berlin Blues. Die Preussen hätten ihre Mannschaft ausgliedern und so mit den anderen Berliner Teams in der Regionalliga weiterspielen können. Sicher hat Corona bei der Entscheidung, davon Abstand zu nehmen, eine entscheidende Rolle gespielt.

Unterhalb der Regionalliga, in der Landesliga-Berlin spielen neben dem Berliner Schlittschuhclub, der OSC Berlin, ASC Spandau sowie 2. und 3. Mannschaften der Eisbären und von FASS Berlin. In beiden Ligen wird coronabedingt pausiert. Das ist an sich schlimm genug. Nun erfolgte für FASS ein weitere Tiefschlag.

Im Erika-Heß-Eisstadion wird das Eis abgetaut, dort wird ein Impfzentrum eingerichtet. Auf der Homepage von FASS Berlin liest sich das so:

„Das Erika-Heß-Eisstadion ist eine Multifunktionsanlage, die von Ende August bis Anfang April von ver­schiedenen Eissportarten (Eishockey, Eiskunstlauf, Eisstockschießen) genutzt wird und für den öffent­lichen Eislauf zur Verfügung steht. Im Unterschied zu den fünf anderen Impfzentren Berlins stand das Stadion auch in Corona-Zeiten nicht leer, sondern wurde von den ansässigen Vereinen in­tensiv genutzt. Grund­lage hierfür waren Schutz- und Hygienekonzepte, die vorbildlich funktioniert haben.

FASS Berlin ist der einzige Eishockeyverein, dessen Trainings- und Spielbetrieb im Erika-Heß-Eisstadion stattfindet. Mit dem Beschluss des Senats wird FASS Berlin heimatlos. Betroffen sind 325 Sportler, die in vier Herren-Seniorenmannschaften, einer Damen-Seniorenmannschaft und acht Nachwuchsmannschaften aktiv sind. Im Berliner Eishockey ist FASS Berlin hinter den Eisbären die Nummer zwei.

Mit dem Beschluss, unser Heimatstadion als Impfzentrum einzurichten, verliert FASS Berlin seinen zentralen Ort. Schon zuletzt hat die Kapazität des Erika-Heß-Eisstadions nicht ausgereicht, um alle unsere Trainings- und Spielzeiten abzudecken, wodurch wir andere Eisstadien mitbenutzen mussten. Dass dies jetzt zum Dauerzustand werden soll, ist für Sportler, Trainer, Betreuer, Eltern und Fans eine schwere Belastung.“

Der Verein hat unterdessen konkrete Forderungen formuliert. Die wichtigsten sind dabei, dass ab August 2021 das Erika-Heß wieder für den Eissport zur Verfügung steht und der Verein FASS Berlin für die zu erwartenden wirtschaftlichen Schäden einen Ausgleich erhält. Bis dahin ist selbstverständlich auch die Solidarität der anderen Berliner Eishockey-Vereine gefragt. Die Trainigs- und Wettkampfmöglichkeiten waren schon voher nicht gerade reichlich gesät.

Hans-Peter Becker

Eisbären verlieren in Schwenningen

Wie schon zum Auftakt in den MagentaSport Cup unterlagen die Eisbären Berlin den Schwenninger Wild Wings auch am vierten Spieltag der Gruppe Bund verbleiben auf Tabellenplatz vier. Am Ende stand ein 7:2 zu Gunsten Schwenningens auf der Anzeigetafel. Die Berliner Treffererzielten PC Labrie (27.) und Mark Olver (47.). Dabei stand dem Eisbären-Trainerteam nicht der komplette Kader zur Verfügung. Mit Maxim Lapierre, Marcel Noebels, John Ramage, Nino Kinder, Fabian Dietz, Thomas Reichel, Tobias Ancicka und Eric Mik fehlten acht Akteure.

Serge Aubin (Trainer Eisbären Berlin): „Die fehlenden Spieler dürfen keine Ausrede für diese Partie sein. Heute hat keiner seinen Job gemacht. Das war mit Abstand unser schwächstes Spiel bisher.“

Frank Hördler (Kapitän Eisbären Berlin): „Zu dem Spiel gibt es nichts Gutes zu sagen. Mir tut es für Mathias Niederberger leid, dass er heute an seinem Geburtstag so oft im Stich gelassen wurde.“

Endergebnis: Schwenninger Wild Wings –Eisbären Berlin7:2 (1:0, 3:1, 3:1)

Aufstellungen: Schwenninger Wild Wings: Cerveny (Eriksson)–Yeo, Robak; Weber, Fischer; Huß, Kristensen; Brückner –MacQueen, Olver, Turnbull; Tyson Spink, Tyler Spink, Weiß; Bassen, Bourke, Thuresson; Cerny, Hadraschek, Pfaffengut –Trainer: Niklas Sundblad

Eisbären Berlin: Niederberger (Ulmer)–Wissmann (A), Hördler (C); McKiernan, Espeland; Gawanke, Müller –Dudas, Olver, Braun; Pföderl(A), Thomas, Reichel; Tuomie, Zengerle, Hänelt; Streu, Labrie –Trainer: Serge Aubin

1: 0- 00:16 – MacQueen (Yeo, Olver)–EQ

1:1 – 26:39 – Labrie (Gawanke, Müller) -EQ

2:1 – 26:53 -Yeo (Olver, MacQueen) -EQ

3:1 – 35:59 –Turnbull (Olver, Fischer) -EQ

4:1 – 38:52 – Bourke (Robak) –PP1

4:2 – 46:37 –Olver (McKiernan) –EQ

5:2 – 47:32 –Tylor Spink (Robak, Tyson Spink) –PP1

6:2 – 50:52 –Bassen (Fischer, Olver) –PP1

7:2 – 52:30 –Thuresson (Robak, Cerveny) –PP1

Strafen: Schwenninger Wild Wings: 18 (2, 6, 10) Minuten-Eisbären Berlin: 41(0, 8, 33) Minuten

Schiedsrichter: Lukas Kohlmüller, Marian Rohatsch(Andreas Hofer, Tobias Schwenk)

Quelle: EHC Eisbären Berlin Medieninfo

Dramatischer Pokalabend mit bitterem Ende

2:0-Führung, den Matchball auf der Hand gehabt und dennoch gehen die Berlin Recycling Volleys am Ende als Verlierer vom Court: Nach über zwei Stunden Spielzeit steht letztlich eine 2:3-Niederlage (25:22, 25:23, 24:26, 18:25, 13:15) der Berliner im Pokal-Viertelfinale gegen die Netzhoppers KW-Bestensee. Während die Gäste einmal mehr wahre Comeback-Qualitäten bewiesen, ist es für die Hauptstädter das dritte schmerzhafte Pokal-Aus in vier Jahren. Benjamin Patch trug im Angriff die Hauptlast und sammelte 35 Punkte, für die Gäste scorten MVP Dirk Westphal und Johannes Mönnich am häufigsten (19 Punkte).

Mehr Druck im Angriff, eine stabilere Block-Feldabwehr und mehr Kampfgeist: Das waren die Hausaufgaben, die Coach Cedric Enard seinem Team für dieses „Do or Die“-Spiel mitgegeben hatte. Dabei musste der Hauptstadtclub weiter auf Timothée Carle verzichten, auch Sergey Grankin war noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Im Mittelblock rückte Anton Brehme erstmals wieder in die Startformation der Berliner und zunächst gelang es den Männern in Orange auch, die Vorgaben Enards solide umzusetzen (11:6). Weil sich danach aber Schwierigkeiten in der Annahme und im Angriff einschlichen, wurde es im ersten Satz noch einmal eng (19:19). Am Ende war es Diagonalangreifer Benjamin Patch, der die Kohlen aus dem Feuer holte (25:22). Ein ähnliches Bild bot sich am zweiten Durchgang: Die BR Volleys gingen früh in Führung, die Netzhoppers kamen dank erhöhtem Aufschlagdruck zurück ins Spiel (21:21). Verlass war zum Satzende aber erneut auf Patch, der weiterhin viel Verantwortung bekam und den Satzball verwandelte (25:23).

Auch wenn die 2:0-Führung auf der Anzeigetafel stand: Zufrieden waren die Hausherren mit ihrem Spiel bei Weitem nicht. Im dritten Durchgang gelang es den Netzhoppers nun, das auch zu bestrafen, und das auf die aus Berliner Sicht denkbar bitterste Art und Weise: Angeführt von einem nervenstarken Dirk Westphal wehrten die Gäste zwei Matchbälle ab und nutzten ihrerseits gleich die erste Chance zum Anschluss (24:26). Schon im Achtelfinale hatten die Brandenburger enorme Comeback-Qualitäten bewiesen (3:2 gegen Düren nach 0:2-Rückstand) und daran schlossen sie nun an (9:13). Die BR Volleys verloren völlig den Faden und die Netzhoppers brachten den Durchgang dank starkem Service souverän nach Hause – „als hätte es die ersten beiden Sätze nie gegeben“, wie Experte Georg Klein es treffend formulierte (18:25).

Cedric Enard ließ nun Routinier Eder für Brehme auf dem Feld, sah aber zunächst, wie seine Mannschaft auch im Tiebreak schnell ins Hintertreffen geriet (2:5). Nach guten Aufschlägen und zwei Blockpunkten war die Anspannung förmlich mit den Händen greifbar und ein Ass von Tuia ließ die Berliner wieder hoffen (11:11). Der Einsatz stimmte nun, das Problem war nur: Die Netzhoppers blieben selbstbewusst und machten es besser. Ein Block gegen Benjamin Patch besiegelte das frühe Pokalaus und machte den Derbysieg für die Gäste perfekt (13:15).

Stimmen zum Spiel
Anton Brehme: „Wir konnten im dritten Satz den Sack nicht zumachen, da fehlte etwas das Glück. Danach sind wir im Angriff nicht mehr durchgekommen und haben weiterhin nicht gut aufgeschlagen. Wenn wir einen Satz verlieren, fehlt uns oft die Energie. Wir müssen lernen, den Kopf oben zu behalten. Das ist uns heute nicht gelungen.“

Dirk Westphal: „Die Breite unseres Kaders war heute das Geheimrezept. Gegen Düren waren auch schon die Wechsel entscheidend, heute hat uns Karli mit seinen Aufschlägen gerettet. Uns fehlte immer frischer Wind von der Bank, das ist dieses Jahr anders. Vom Pokalfinale wollen wir nicht träumen, das ist verschwendete Zeit. Wir müssen jedes Spiel voll angehen, um zu gewinnen. Eine durchschnittliche Leistung reicht in der Bundesliga oder dem Pokal nicht aus. Gerade jetzt dürfen wir nicht glauben, dass wir alle schlagen, nur weil wir gegen die BR Volleys gewonnen haben. Herrsching oder Giesen müssen erst einmal besiegt werden.“

BR Volleys Formation
Cody Kessel und Samuel Tuia (AA), Renan Michelucci und Anton Brehme (MB), Pierre Pujol (Z), Benjamin Patch (D) und Julian Zenger (L) | Eingewechselt: Adam Kowalski, Robin Baghdady, Èder Carbonera

Topwerte
Patch 35 Punkte, 3 Blocks, 1 Ass | Michelucci 11 Punkte, 4 Blocks | Tuia 11 Punkte, 2 Asse

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Verkehrte Welt im Berliner Profifußball nach dem 8. Spieltag

Chefredakteur Christian Zschiedrich kommentiert

Eine Heimniederlage von Hertha BSC und ein Auswärtssieg von Union beim 1.FC Köln steht zu Buche. Gut, gegen Dortmund kann man verlieren. Hertha sah eine Halbzeit lang recht gut aus, führte sogar etwas überraschend zur Halbzeit 1:0 durch Cunhas Treffer in der 33. Minute. Doch Dortmund machte mit einem Doppelschlag, direkt nach Wiederbeginn, zweimal durch Haaland (47. + 49.) ernst, drehte die Partie entscheidend. Ja, dieser Haaland!

Der norwegische Stürmer ist nicht nur schnell, sogar sehr schnell. Er hat enormes Durchsetzungsvermögen und ist obendrein mit seinen technischen Fertigkeiten im Zweikampf und im zielorientierten Dribbling mit großen Abschlussinstinkt ausgestattet. Da bringt selbst die gute alte Manndeckung nicht viel. „Bleib an ihm dran und wenn Haaland auf Toilette geht, gehst du mit.“

Dann wäre ja die Möglichkeit, einen zweiten Mann gegen Haaland zu beordern. Der fehlt aber dann im Abwehrverbund. Die Lücken nutzen eben die Mitspieler von Haaland, dann schießen Reus oder andere die Tore. Toll, diese Qualität in der Bundesliga zu erleben. Da macht das Zusehen Freude. Haaland vollendete in Minute 62 seinen Hattrick und Dortmund führte 3:1. Guerreiro traf zum 4:1 (70.), ehe Cunha auf 2:4 (79.) per Foulelfmeter für Hertha verkürzen konnte. Die 3-Tore-Differenz stellte schließlich Haaland (80.) mit seinem 4. Treffer auf 5:2 für die Gäste wieder her.

Hertha verlor etwas unter Wert. Dortmund dominierte und gewann hochverdient. Das sei aber auch unserer zweiten Bundesliga-Mannschaft zugestanden – trotz vieler Verletzte ein knapp verdienter Sieg in Köln durch Awoniyi (27.) 0:1 und Kruse (72.) zum 2:1 per Elfmeter im Nachschuss. Erfolgreiche Mannschaften brauchen solche Stürmer wie Haaland, Cunha und Kruse.

Die Liga verneigt sich aktuell vor den Eisernen. Trotzdem bleiben sie in der Wuhlheide auf dem Teppich. Von internationalen Plätzen redet keiner, das ist mehr als angebracht. Die dicken Brocken warten noch und da ist es gut, solch ein Punktepolster angesammelt zu haben.

Eigentlich wurde Hertha dort erwartet wo der 1. FC Union gerade steht. Tabellenplatz fünf mit 15 Punkten und einem soliden Verhältnis von18:8 Toren und Hertha ? Nach acht Spielen bedeuten 7 Punkte, 15:18 Tore, Tabellenplatz dreizehn. Bis zu den Abstiegsrängen sind es 4 Punkte Vorsprung und Hertha muss am 9. Spieltag nach Leverkusen. Bloß nicht weiter abrutschen!

Unions Präsident Dirk Zingler wird im stillen Kämmerlein über das bisher Erreichte schmunzeln, was mit weniger finanziellen Mitteln als mit Herthas Millionen-Einsatz herausgekommen ist. Na gut, die Saison ist noch lang ! Union spielt jetzt gegen Eintracht Frankfurt und hat in der Aufstiegssaison in Frankfurt gewonnen, allerdings das Heimspiel verloren.

Sollte Hertha in Leverkusen tatsächlich verlieren und weiter abrutschen, kommt die Abstiegzone bedrohlich näher. Ein Glück, dass es einen Verein gibt, bei den Hertha-Fans „besonders beliebt“, der mit 3 Punkten die Rote Laterne trägt. Auf Schalke hat es mächtig im Karton gerappelt. Drei Spieler wurden rasiert, getroffen hat es auch den Ex-Herthaner Ibisevic, der wohl preiswerteste Profi der Liga muss den Verein zum Jahresende verlassen. Schalke muss in Gladbach antreten, ob es dort gut ausgehen wird ist sehr zu bezweifeln. Die Borussen spielten zuletzt zu Hause nur 1:1 gegen Augsburg. Ein Ergebnis, dass die Schalker sofort unterschreiben würden.  

 Christian Zschiedrich

Klare Niederlage am Bodensee

Dieses Premierenspiel in der neuen Friedrichshafener Messehalle hatten sich die BR Volleys ganz anders erhofft. Am Samstag mussten sich die Berliner dem VfB deutlich mit 0:3 (24:26, 20:25, 22:25) geschlagen geben und rutschten in der Bundesliga-Tabelle damit auf Rang drei ab. Ohne die verletzungsbedingt ausgefallenen Kräfte Sergey Grankin und Timothèe Carle waren die Häfler nach starkem Endspurt im ersten Satz über das gesamte Spiel gesehen tonangebend.

Coach Cedric Enard durfte sich zum Duell der ewigen Rivalen zwar über die Rückkehr von Außenangreifer Robin Baghdady freuen, musste aber neben Sergey Grankin auch den Ausfall von Leistungsträger Timothèe Carle verkraften. Der Franzose zog sich im Training einen Faserriss in der Bauchmuskulatur zu. Trotz des Fehlens dieser zwei wichtigen Personalien starteten die BR Volleys sehr ordentlich in die Partie und konnten sich im Laufe des Auftaktsatzes eine Vier-Punkte-Führung erarbeiten (8:6, 13:11, 21:17). Dann aber kam der eingewechselte Joe Worsley und brachte die Berliner mit seinen Aufschlägen aus dem Tritt. Das Team von Michael Warm drehte den ersten Satz noch und der Este Martti Juhkami verwandelte den Satzball für den VfB (24:26).

Den BR Volleys, bei denen der reaktivierte Sebastian Kühner im Aufgebot stand, fehlte es an Energie, um diesen Nackenschlag wegzustecken. So gab Friedrichshafen fortan den Ton an (4:9, 13:16, 19:24) und wieder war es dem späteren MVP Juhkami vorbehalten, den nächsten Satz zu beenden (20:25). Im dritten Durchgang reagierte Enard auf die anhaltenden Probleme im Berliner Spiel. Erst kam Davy Moraes für Patch und später auch Anton Brehme für Éder ins Match. Die Gastgeber blieben beim ersten Auftritt in ihrer neuen Spielstätte aber weiter am Drücker (2:6, 5:10). Zuspieler Dejan Vincic setzte seine Nebenmänner fortwährend gekonnt in Szene, auch wenn zwei Asse von Brehme und ein Block von Renan Michelucci noch einmal Hoffnung bei den Hauptstädtern aufkeimen ließen (20:21). Allerdings zeigten sich die Häfler schlichtweg wacher und abgeklärter. So verwandelte der eingewechselte Lukas Maase den zweiten Matchball zum verdienten Heimsieg (22:25).

Stimme zum Spiel
Cedric Enard: „Ich möchte eigentlich nicht zu negativ sein, aber es hat heute schlichtweg im Angriff gefehlt. In allen anderen Statistiken waren wir mindestens gleichwertig. Ich hadere mit dem ersten Satz, den wir hätten gewinnen können und der uns Sicherheit gegeben hätte. Bei 23:23 hatten wir auch kein Glück mit der Schiedsrichterentscheidung, als Samu den Ball noch klar vom Boden gekratzt hat. Wir hatten aber auch so genug Möglichkeiten. Nach dem ersten Satz wurde es schwer. Man hat gesehen, dass wir in Drucksituationen noch nicht stark genug sind. Jetzt müssen wir uns schütteln und das Spiel aus den Köpfen bekommen, denn schon am Mittwoch wollen wir im Pokal eine Runde weiterkommen.“

BR Volleys Formation
Cody Kessel und Samuel Tuia (AA), Éder und Renan Michelucci (MB), Pierre Pujol (Z), Benjamin Patch (D) und Julian Zenger (L) | Eingewechselt: Davy Moraes, Anton Brehme, Robin Baghdady

Topwerte
Tuia 13 Punkte, 2 Asse, 2 Blocks | Patch 9 Punkte | Brehme 2 Asse, 2 Blocks

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Volleyball – BBSC Mannschaft muss in Quarantäne

Die erste Damenmannschaft des BSSC Berlin wurde in häusliche Quarantäne geschickt. Vor dem Heimspiel gegen den VC Olympia Berlin am vergangenen Sonntag, 15.11.2020 wurden alle Mannschaftsmitglieder den obligatorischen Schnelltests unterzogen. Dabei wiesen die Tests dreier Spielerinnen ein positives Ergebnis auf, was zur Folge hatte, dass das Berlinderby kurzfristig abgesagt werden musste.

Die drei betroffenen Spielerinnen haben sich sofort darum bemüht das positive Schnelltestergebnis mittels eines sichereren PCR-Test validieren zu lassen. Obwohl die Spielerinnen theoretisch in die neue Teststrategie des RKI fallen, stellte sich dies in Berlins überlasteten Gesundheitssystem in der Realität als recht schwierig heraus. Mittlerweile erhielten alle drei Spielerinnen von ihren Gesundheitsämtern die Möglichkeit sich einem PCR-Test zu unterziehen. Für eine Spielerin ist bereits ein bestätigendes positives Testresultat eingegangen, für die anderen beiden stehen die Ergebnisse noch aus.

Somit wurde für das Bundesligateam des BBSC häusliche Quarantäne angeordnet.  Die betroffenen getesteten Spielerinnen zeigen mittlerweile Krankheitssymptome, es geht ihnen allerdings den Umständen entsprechend gut.

Die drei Partien der nächsten beiden Wochenenden gegen den VC Olympia Berlin (Auswärtsspiel am 20.11.2020), SSF Fortuna Bonn (Heimspiel am 21.11.2020) und RC Sorpesee (Auswärtsspiel am 28.11.2020) werden demnach leider entfallen.

Quelle: Burkhard Kroll

Zuspieler-Comeback in neuer Arena

Das „Duell der Giganten“ zwischen dem VfB Friedrichshafen und den Berlin Recycling Volleys schreibt seit Jahren die spannendsten Geschichten im deutschen Volleyball und am Samstag (21. Nov um 14.00 Uhr) kommen definitiv neue hinzu: Nicht nur, dass es im Berliner Aufgebot ein Überraschungscomeback gibt, das Match der beiden Rivalen eröffnet auch die neue Heimspielstätte der Häfler, die Zeppelin CAT Halle A1, und das live im Free-TV auf SPORT1.

Wohl dem, der solche treuen, ehemaligen Spieler hat: Keine sechs Stunden nachdem am Montag bei Sergey Grankin ein Muskelfaserriss diagnostiziert wurde, stand BR Volleys Ex-Kapitän Sebastian Kühner bereits im Horst-Korber-Sportzentrum auf dem Court. Zunächst sollte der 33-Jährige die dezimierte Trainingsgruppe nur als zweiter Zuspieler auffüllen, jetzt reist Kühner sogar als Backup für Pierre Pujol mit an den Bodensee. Also genau dorthin, wo er 2019 mit dem Gewinn seiner sechsten Deutschen Meisterschaft ein gelungenes Karriereende feierte.

An jenem 12. Mai 2019 gewannen Kühner und die Hauptstädter ihren vorerst letzten Titel in der ZF Arena, denn inzwischen ist die geschichtsträchtige Spielstätte des VfB baufällig und geschlossen. Zur Erleichterung der Friedrichshafener und der gesamten deutschen Volleyball-Gemeinde konnte aber zügig eine Alternative gefunden werden. So schließt sich am Samstag ein Kreis, wenn das ewige Duell zwischen Friedrichshafen und Berlin die neue Zeppelin CAT Halle A1, eine aufwändig umgebaute Messehalle, vor leeren Rängen live im Free-TV einweiht.

„Die Friedrichshafener konnten diese Woche zwar in der neuen Arena trainieren, aber ich glaube nicht, dass sie unter den aktuellen Voraussetzungen damit einen richtigen Heimvorteil haben“, sieht BR Volleys Trainer Cedric Enard annähend Chancengleichheit beim Premierenspiel. Viel mehr beschäftigen den Franzosen die rein sportlichen Voraussetzungen: „Der VfB hat definitiv einen wesentlich stärkeren Kader als in der letzten Spielzeit, allein in der Breite mit beispielsweise vier Mittelblockern auf Topniveau. Auch ihr Mix aus Jugend und Erfahrung stimmt. Bei dieser individuellen Qualität wird das eine richtig schwierige Aufgabe.“

Der VfB-Kader wurde im Sommer nämlich gewaltig umgekrempelt. Cheftrainer Michael Warm und der neue Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt konnten gleich mehrere international renommierte Namen an den Bodensee lotsen. Der Slowene Dejan Vinčić ist ein erfahrener Zuspieler erster Güteklasse, Nicolas Maréchal lief schon für zahlreiche europäische Topvereine auf und wurde mit Frankreich im Jahr 2015 Europameister, der Kubaner David Fiel nahm mit Belchatow beispielweise an der FIVB Klub-Weltmeisterschaft teil. Dazu ist die Kombination im Diagonalangriff mit Linus Weber und dem umgeschulten Lukas Maase (zuvor in Düren als Mittelblocker) höchstinteressant. Zuletzt konnten sogar noch unverhoffte Nachverpflichtungen getätigt werden. Nationalspieler Marcus Böhme hielt sich beim VfB zunächst nur fit, jetzt steht er im Aufgebot und erhält regelmäßig seine Einsätze. Mit dem US-Amerikaner Avery Aylsworth ergab sich vor zehn Tagen noch die Vertragsunterzeichnung eines zweiten Liberos. 14 Spieler zählt Warms Team somit und alle sind für den Bundesliga-Klassiker am Wochenende einsatzfähig.

Obwohl beide Mannschaften einen Monat nach Saisonstart gewiss noch nicht zu ihrer Bestform gefunden haben, ist – wie immer bei diesem Match – ein Volleyball-Leckerbissen zu erwarten. Sebastian Kühner, der sich seit seinem Karriereende unter anderem mit Tennis fit hält, hat in dieser Woche eine intakte BR Volleys Mannschaft vorgefunden und sieht die Hauptstädter für den Schlagabtausch gewappnet: „Die Atmosphäre im Team ist gut und das Potenzial ohnehin riesig. Es ist noch immer früh in der Saison und ohne die letzten Automatismen vieles von der Tagesform abhängig.“

Ob Kühner zum Einsatz kommt oder nicht, für Trainer Enard ist das Interimsengagement seines ehemaligen Spielführers vor allem auf emotionaler Ebene wertvoll: „Basti gibt dem Team dank seiner Art direkt positive Energie. Für einen Block oder ein Ass ist er sowieso immer gut. Das hat er nicht verlernt.“ In Abwesenheit von Grankin wird, wie schon beim 3:0-Erfolg gegen Giesen, Pierre Pujol die BR Volleys als Kapitän auf den Court führen und das mit voller Überzeugung: „Ich brenne für diese Matches gegen Friedrichshafen. Jeder weiß um diese besondere Rivalität. Ich brauche zwar keine Extra-Motivation, aber klar würde ich gern auch gegen meinen guten Freund Nicolas Marechal gewinnen.“

Eine positive Neuigkeit gab es vor der Abreise noch aus dem BR Volleys Lazarett: Robin Baghdady fährt mit dem BR Volleys Team nach Friedrichshafen und freut sich unweit seiner Heimat, der Deutsch-Schweizer ist auf der anderen Seite des Bodensees in Münsterlingen geboren, nach fünfwöchiger Verletzungspause auf seine Rückkehr.

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Jogi Löw muss über seinen Schatten springen

Von wegen, das hab ich einmal gesagt, ich falle doch nicht um, es bleibt dabei, das ist engstirnig. Jeder, ob in der Politik, Ehe, Erziehung, in schulischen Lernprozessen, der Ausbildung und garantiert auch im Sport macht Fehler. Ich kenne keinen ohne Fehler, aber Menschen, die aus Fehlern gelernt haben. Sturheit ist verwerflich, dumm und arrogant.

Wäre es so schlimm – nein – die ganze Nation würde verstehen wenn Jogi Löw sagen würde: Ich habe mich zwar damals festgelegt und war überzeugt von dem verkündeten Weg, aber die Entwicklung von einigen Leistungsträgern hat mich eingeholt und ich habe nachgedacht – revidiere mein Urteil in Sachen Jerome Boateng, Matts Hummels und Thomas Müller! Beifall und Anerkennung.

Dass in der Nationalelf stets die Besten stehen sollten, ist nach wie vor der Fall. Das Leistungsprinzip darf nicht ausser Kraft gesetzt werden, das ist eine unumgängliche Tatsache. Die Aussortierten bringen erstaunlich gute Leistungen, also sind sie auch in die Nationalelf zu berufen. Boateng, Hummels und Müller sind ab sofort wieder Nationalspieler.

Könnte sogar sein, dass Oliver Bierhoff seine Meinung zu dem Thema längst geändert und geahnt hat, welcher Sturm auf seinen Freund zukommt. Er wird ihn nicht auf Dauer schützen können – die Zeit bis März ist einerseits viel zu lang und andererseits wiederum viel zu kurz. Schließt euch im Kämmerlein ein, beantwortet tausend konkrete Fragen, analysiert und diskutiert über Vor- und Nachteile, das möglichst noch bevor sich das DFB-Präsidium zerreißt oder die Fans oder tägliche negative Meldungen in den Medien die Schlagzeilen beherrschen. Jogi, wir lieben und verehren dich doch – noch.

Christian Zschiedrich